Die Bond-Fans können aufatmen: Amazon will das Steuer nicht herumreißen. Nach dem Erfolg von 007 First Light signalisiert der Konzern, dass IO Interactive der logische Partner für ein mögliches Sequel bleibt. Jeff Gattis, GM von Amazon Game Studios, bestätigte im Gespräch mit GamesIndustry, dass die Tür offen steht – aber dass es noch keine Gespräche gibt. Amazon besitzt die Rechte, gibt aber zu verstehen, dass pragmatische Gründe für eine Fortsetzung sprechen.
Amazons Klarstellung zur Sequel-Frage
Jeff Gattis, General Manager von Amazon Luna und Amazon Game Studios, hat die Unklarheiten um ein mögliches Sequel ausgeräumt. Die Botschaft ist eindeutig: Die Tür für IO Interactive steht offen, aber es gibt nichts zu besprechen – noch nicht. „Wir haben nichts darüber bestätigt, wer das nächste Bond-Sequel veröffentlicht oder entwickelt. Wie Hakan Abrak gesagt hat: Wir haben noch nicht einmal darüber diskutiert“, so Gattis. Der Erfolg des Spiels liegt auf dem Tisch. Was dahinter liegt, ist noch offen.
Amazon besitzt die Rechte an der Marke, das ist der entscheidende Punkt. Der Konzern hat Bond im Rahmen der MGM-Übernahme eingekauft – erst nachdem der Lizenzdeal für First Light mit IO Interactive bereits unter Dach und Fach war. Das gibt Amazon die rechtliche Oberhand. Aber Gattis gibt zu verstehen, dass das nicht automatisch eine interne Entwicklung bedeutet. „Technisch gesehen besitzt Amazon die Rechte am Spiel, aber wir werden tun, was richtig ist für das Spiel. Wir versuchen nicht, alles zu Amazon zu holen.“
Die Gratwanderung zwischen Ownership und Pragmatismus
Der Kernsatz fällt fast beiläufig, hat aber Gewicht: „Given the success of this one, I think you probably want IOI developing it.“ Gattis sagt das nicht als Versprechen, sondern als Einschätzung. Amazon weiß, dass ein Wechsel des Studios nach diesem Start zu einem PR-Problem würde. 007 First Light hat sich kommerziell und kritisch behauptet – der Gedanke, einen anderen Entwickler an die Serie zu lassen, wirkt nach diesem Erfolg kontraintuitiv.
Die Frage ist nicht mehr, ob ein Sequel kommt. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen. Amazon will die Kontrolle über seine IPs nicht abgeben, hat aber erkannt, dass Kontrolle nicht automatisch Qualität bedeutet. Der Konzern hat im Gaming-Bereich eine gemischte Bilanz: New World wird 2027 abgeschaltet, Crucible wurde nach sechs Monaten eingestellt. IO Interactive hingegen hat mit der Hitman-Trilogie bewiesen, dass das Studio langlebige, kultivierte Spielerbindungen aufbauen kann. Die Entscheidung, wen man das Steuer lassen muss, ist keine ideologische – sie ist pragmatisch.
Was bisher bekannt ist – was noch fehlt
IO Interactive hat noch Pläne für 007 First Light, die in den kommenden Monaten enthüllt werden sollen. Hakan Abrak, CEO des dänischen Studios, bestätigte, dass es noch keine Gespräche über ein Sequel gab. Das Studio konzentriert sich auf das aktuelle Spiel und die kommende Year-One-Roadmap. Für Amazon ist die Situation klar: Wenn die Spieler ein Sequel wollen, wird es gemacht. „Solange wir spüren, dass Spieler das Spiel wollen, kann man sagen, dass es gemacht wird“, so Gattis.
Was fehlt, ist ein Zeitplan. Es ist zu früh für konkrete Pläne, betont Gattis immer wieder. Amazon will das Spiel „atmen lassen“. Das ist Marketing-Sprache, aber auch ein Eingeständnis: Der Konzern hat gelernt, dass überstürzte Entscheidungen in der Gaming-Branche selten gut ausgehen. Die Fans müssen sich keine Sorgen machen, dass Amazon das Steuer herumreißt – aber sie müssen auch nicht damit rechnen, dass es morgen einen Nachfolger gibt.


