IO Interactive hat das erste große Content-Update für 007 First Light ausgerollt. „Behind Enemy Lines“ heißt es, es ist live auf allen Plattformen – und wer nur die neuen TacSim-Missionen feiert, übersieht das eigentliche Signal an die PC-Community. Denn IO hat still und leise mit einem der umstrittensten Begleiter des Spiels aufgeräumt: gut zwei Monate nach dem Launch ist der Denuvo-Kopierschutz Geschichte.
Zwei neue TacSim-Missionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten
Der Tactical Simulator – bei uns im Test noch als solide Challenge-Schicht beschrieben – bekommt mit dem Update zwei neue Einsätze. Die erste Mission heißt The Workshop und ist eine klassische Eskalation: In einem dunklen Untergrundlabor gilt es, sieben Gegner lautlos auszuschalten – Schusswaffen sind tabu. Die Schwierigkeit zieht über drei Stufen an, verlangt zunehmend präziseres Schleichen und cleveres Ausnutzen der Umgebung.
Die zweite Mission, Extraction Avenues, dreht den Spieß um. Hier ist License to Kill aktiv, aber die Modifikatoren machen das Leben schwer: Gegner sind stärker, die Ressourcen regenerieren sich nicht, und wer zu lange braucht, wird von Verstärkung überrannt. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Tempo – ein klarer Kontrast zur ersten Mission, die genau das Gegenteil verlangt.
IO beweist damit, dass der TacSim-Modus mehr kann als nur bestehende Areale mit Modifikatoren zu bepflastern. Die beiden neuen Szenarien sind eigenständige Designs mit unterschiedlichen Spielphilosophien.
Dazu kommen drei neue Waffen, die ihr gegen Intel-Credits freischaltet: die Stormberg 50cal (Freigabe-Level 10), die DRX-2 Machine Pistol (Level 12) und die DRS-7 Silenced SMG (Level 16). Alle kosten 3.000 Intel – wer fleißig TacSim gespielt hat, sollte genug davon haben. Das Diamond in the Rough-Outfit (blaues Hawaii-Hemd mit Shorts, ebenfalls Level 16) gibt Bond für ein paar Runden den Look eines entspannten Urlaubers, der zufällig auch Spione ausschaltet.
Der stille Abschied: Denuvo ist raus
Der eigentliche Paukenschlag des Updates steht nicht in den offiziellen Patch Notes. Via SteamDB fiel auf, dass die ausführbare Datei des Spiels um 263 MB geschrumpft ist – und die Tech-Community wusste sofort, was das bedeutet: IO Interactive hat Denuvo aus 007 First Light entfernt. Ein Schritt, den viele PC-Spieler seit dem Launch im Mai herbeigesehnt haben.
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. 007 First Light startete am 27. Mai mit starken Kritiken – 87 auf Metacritic, 88 auf OpenCritic – aber die PC-Veröffentlichung war von einer DRM-Kontroverse überschattet. Denuvo wurde still sechs Tage vor Release in die Steam-Seite eingefügt, was zu Stornierungen und Rückerstattungsanträgen von Spielern führte, die beim Kauf keine DRM-Hinweise gesehen hatten. Der Schaden war kommerziell überschaubar – das Spiel verkaufte sich innerhalb von 24 Stunden 1,5 Millionen Mal – aber der PR-Schmerz blieb.
Dass IO jetzt nachlegt, hat auch einen pragmatischen Grund: Denuvo war nach dem Crack im Juni funktionslos. Wer den Kopierschutz aus Prinzip meiden wollte, wartete ohnehin. Mit dem jetzigen Update fällt diese Hürde – und IO fährt die gleiche Strategie wie bei der Hitman-Trilogie: Denuvo in der Verkaufsphase, raus wenn’s geknackt ist.
Mehr als 200 Bugfixes kommen obendrauf. Darunter mehrere Absturzursachen auf der Xbox Series S (unter anderem beim Fortsetzen des Spiels aus dem Challenges-Menü) und Achievement-Tracking-Fehler, die Komplettisten blockierten – etwa die Trophäen „A Legacy of Spycraft“ und „For Your Eyes Only“, die trotz erfüllter Bedingungen nicht auslösten.
Was Year One noch bringt
Der Blick nach vorn ist beim ersten großen Update eigentlich immer heikel – viele Spiele versprechen viel und liefern wenig. IO Interactive hat die Year-One-Roadmap erneut bekräftigt, und sie liest sich substanziell. Zwei neue Story-Missionen sind in Arbeit: eine führt zurück ins mauretanische Aleph, eine andere ins vietnamesische Luxus-Resort The Pearl, das aus der Kampagne bekannt ist. Ein dritter Handlungsstrang vertieft die Webb Industries – mit einem der tödlichsten Gegner, die Bond je gegenüberstehen wird, wie IO andeutet.
Besonders spannend: Eine unerwartete Allianz zwischen MI6 und Piratenkönig Bawma, gespielt von Lenny Kravitz. Wer die Kampagne gespielt hat, weiß, wie ungewöhnlich das klingt – und genau deshalb funktioniert es.
Auf der Ausrüstungsseite kommen die Even G2 Smart Glasses von Even Realities – ein real existierendes Produkt, das Q im Spiel weiterentwickelt und Bond neue taktische Optionen eröffnet. Dazu New Game+ (noch in der Prüfung), ein Foto-Modus und ein James Bond Day Event am 5. Oktober. Und die Switch 2 Version bleibt für Sommer 2026 angekündigt – wer auf die portierte Fassung wartet, hat einen weiteren Grund, sich den Termin zu merken.
Fehlt noch Path Tracing für den PC, das IO versprochen hat. Das kam nicht mit diesem Update, und ein Datum gibt es immer noch nicht.


