Jennifer English geht. Die Nachricht schlug am Donnerstagabend ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel – und traf ein Spiel, das sich gerade für seinen ersten öffentlichen Auftritt warmläuft. Die BAFTA-prämierte Schauspielerin aus Baldur’s Gate 3 und Clair Obscur: Expedition 33 tritt als Hauptdarstellerin von Tides of Annihilation zurück, aus gesundheitlichen Gründen, wie sie in einem persönlichen Statement erklärte. Eine Nachfolgerin steht bereits in den Startlöchern. Aber der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.
Ein Rücktritt mit Ansage – was wirklich hinter dem Ausstieg steckt
Jennifer English hat es sich nicht leicht gemacht. In einem Instagram-Post, den sie am 17. Juli veröffentlichte, erklärt die Schauspielerin, dass sie sich nach reiflicher Überlegung aus dem Projekt zurückziehen muss.
„Ich musste für mich feststellen, dass ich einen Gang runterschalten und meine Verpflichtungen überdenken muss“, schreibt sie. „Ich brauche Zeit zum Ausruhen und muss mich um meine mentale und physische Gesundheit kümmern.“ Es klingt nicht nach einer spontanen Entscheidung – und das war es auch nicht. IGN hat bestätigt, dass English das Studio bereits Anfang Juni informiert hatte, dass sie die Rolle nicht weiterführen kann.
Dass eine Schauspielerin dieses Kalibers ein Projekt verlässt, ist kein alltäglicher Vorgang. English hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, der in der Branche Gewicht hat. Als Shadowheart in Baldur’s Gate 3 wurde sie zum Gesicht eines der erfolgreichsten Rollenspiele aller Zeiten, ihre Leistung in Clair Obscur: Expedition 33 brachte ihr eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin bei den Golden Joystick Awards ein. Tides of Annihilation war für viele Spieler genau deshalb interessant, weil English die Hauptrolle übernahm – ihr Name war ein Qualitätssiegel für ein Studio, das sich erst noch beweisen muss.
Eclipse Glow Games reagierte verständnisvoll. In einem Statement auf X betonte das Studio, dass man English‘ Entscheidung respektiere und dankbar für ihren professionellen Umgang mit der Situation sei. „Wir waren natürlich traurig, haben aber vollstes Verständnis und Respekt dafür, dass Jennifer ihr Wohlbefinden priorisiert.“ Ein Ton, der sich wohltuend von den üblichen PR-Floskeln unterscheidet – und darauf hindeutet, dass der Wechsel intern schon länger vorbereitet wurde.
Eine Nachfolgerin steht schon bereit
Der Ausstieg von English ist kein Vakuum. Die Schauspielerin selbst hat dafür gesorgt, dass ihre Nachfolge geordnet ist. Zusammen mit anderen Mitgliedern des Voice-Cast stellte sie den Kontakt zu einer neuen Darstellerin her, die sie für eine wunderbare Besetzung für Gwen hält. Eclipse Glow bestätigt, dass die neue Sprecherin bereits gefunden ist und aktuell die Aufnahmen für die Gamescom-Demo absolviert.
Wer die neue Stimme von Gwendolyn sein wird, ist noch nicht bekannt. Das Studio hält sich bedeckt, deutet aber an, dass ihre jüngste Arbeit in Videospielen einen starken Eindruck sowohl bei Jennifer als auch bei unserem Team hinterlassen hat. Das lässt Raum für Spekulationen: Handelt es sich um eine weitere bekannte Größe der Synchronszene oder um ein aufstrebendes Talent? Die erste Hörprobe bekommen Spieler im August auf der Gamescom – die neue Darstellerin wird dort erstmals öffentlich zu hören sein.
English selbst bleibt dem Projekt als Beraterin erhalten. Inwieweit sie tatsächlich Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen wird, ist offen – aber die Geste allein zeigt, dass der Abschied im Guten erfolgt ist. Für ein Studio ohne veröffentlichten Titel ist das ein kleiner, aber wichtiger Vertrauensvorschuss.
Gamescom als erster Härtetest
Tides of Annihilation steht an einem entscheidenden Punkt. Das Spiel wurde im Februar 2025 auf der PlayStation State of Play angekündigt, seither gab es mehrere Trailer – darunter einen beeindruckenden Path-Tracing-Teaser, der die technische Ambition des Titels zeigte. Die Demo auf der Gamescom im August wird die erste Gelegenheit für die Öffentlichkeit sein, das Hack-and-Slash-Action-Adventure tatsächlich zu spielen.
Der Zeitpunkt des Rücktritts ist unglücklich. Ausgerechnet jetzt, wo das Spiel zum ersten Mal anfassbar wird, verliert es sein prominentestes Gesicht. Die neue Sprecherin steht zwar bereit, aber ob sie die gleiche emotionale Bindung zur Figur aufbauen kann wie English, wird sich erst im fertigen Spiel zeigen. Andererseits: Die Demo wird ohnehin im Mittelpunkt stehen – wenn das Gameplay überzeugt, wird der Casting-Wechsel schnell zur Randnotiz.
Technisch hat sich Eclipse Glow gut aufgestellt. Das Studio arbeitet mit Epic Games und Nvidia an der Performance-Optimierung des Path-Tracing-Systems – ein ehrlicher Umgang mit technischen Problemen, der Vertrauen schafft. Dass Tencent mit 95 Prozent der Anteile im Hintergrund sitzt, sorgt für die nötigen Ressourcen, aber auch für Fragezeichen: Bleibt Tides of Annihilation das versprochene reine Single-Player-Erlebnis? Ein Release-Termin steht weiterhin aus. English‘ Andeutung, dass das Spiel in seine nächste Phase gehe, könnte ein Hinweis sein, dass sich das bald ändert. Auf Steam könnt ihr das Spiel bereits auf die Wunschliste setzen.