Tom Holland konnte nicht schlafen. In der Nacht vor dem Brand New Day Event warf er Marvel’s Spider-Man 2 an – nicht zum Zeitvertreib, sondern zur Recherche. Er suchte Finishing Moves. „Vieles von dem, was wir gemacht haben, wurde davon beeinflusst.“, sagte er letzte Woche. Drei Jahre nach Release steht das Spiel jetzt auf Platz 6 der globalen Steam-Charts. Der Grund dafür ist nicht nur der Kinofilm. Es ist diese Feedback-Schleife, die es so noch nie gab.
Platz 6 – und das ist kein Zufall
Die nackten Zahlen: Marvel’s Spider-Man 2 steht aktuell auf dem sechsten Platz der Steam Global Top Sellers. Nur CS2, Dota 2, Street Fighter 6 – befeuert von 50 Prozent Sale und neuem Charakter – sowie Mistfall Hunter und Game Freaks Beast of Reincarnation liegen davor. Direkt dahinter, auf Platz 9: Marvel’s Spider-Man Remastered, das mit 60 Prozent Rabatt ebenfalls vom Brand New Day Hype profitiert.
Drei Dinge kommen hier zusammen. Erstens: Insomniac hat den Filmstart mit einem Gratis-Update gefeiert, das am 28. Juli den „Fresh Start“-Anzug aus Brand New Day ins Spiel brachte. Zweitens: 33 Prozent Rabatt senken die Einstiegshürde genau in dem Moment, in dem der Kinofilm die Lust aufs Schwingen durch New York maximal anheizt. Drittens: Spider-Man Remastered für ein paar Euro gleich mitnehmen – der Double-Feature-Effekt funktioniert.
Steam selbst nennt den Sprung ein „recent phenomenon“. Bemerkenswert ist das vor allem, weil Sony seine PC-Port-Strategie eigentlich schon wieder eingestampft hat – PlayStation-Exklusivtitel kommen seit kurzem nicht mehr auf den PC. Dass ein drei Jahre altes Spiel ohne neuen Content – abgesehen von einem Anzug – in die Top 6 einzieht, spricht entweder für die Qualität des Spiels oder für die Macht eines gut getimten Kinostarts. Vermutlich für beides.
Tom Hollands nächtliche Recherche
Was diesen Erfolg von einem gewöhnlichen Film-Boost unterscheidet, ist die Richtung, in die der Einfluss floss. Holland hat das Spiel nicht gespielt, um den Film zu promoten. Er hat es gespielt, um den Film besser zu machen. „Ich konnte letzte Nacht nicht schlafen; ich war so aufgeregt wegen heute. Ich habe überlegt, was ich machen könnte. Und dann dachte ich mir: Ich schalte einfach das Spiel ein und habe ein bisschen Spaß.“
Das Ergebnis: Finishing Moves aus Insomniacs Spider-Man 2 landeten direkt in Brand New Day. Und das war’s nicht. Director Destin Daniel Cretton legte nach: Die Stunt- und Action-Designer – „huge gamers“ – machten Screenshots ihrer Lieblings-Moves aus dem Spiel und brachten sie direkt in den Writers‘ Room. „Dann hieß es: Ja, das ist krank. Lasst uns rausfinden, wie wir das echt hinkriegen.“
Das ist mehr als Fan-Service. Es ist eine Kollaboration ohne Vertrag. Ein Spiel, das die Kampfchoreographie eines Blockbusters mitgeprägt hat, profitiert jetzt vom Hype um ebendiesen Blockbuster. Wer Spider-Man 2 auf Steam kauft, spielt nicht nur ein gutes Spiel – er spielt die Bewegungs-Blaupause dessen, was er gerade im Kino gesehen hat.
Vom Problemkind zum Spitzenreiter
Dass Spider-Man 2 heute auf Platz 6 der Steam-Charts steht, war beim Launch im Januar 2025 nicht absehbar. Der PC-Port kam mit einer ganzen Latte technischer Probleme – Crashes, Memory Leaks, Performance-Einbrüche. Die Spielerzahlen waren okay, aber nicht berühmt. Auf PS5 war es von Anfang an überragend, auf dem PC musste es sich das Vertrauen erst verdienen.
Der aktuelle Erfolg zeigt: Ein guter Patch-Zyklus, ein kluger Sale und ein popkultureller Moment können selbst ein ramponiertes Launch-Image reparieren. Nixius, das Studio hinter dem PC-Port, hat monatelang nachgebessert. Heute läuft das Spiel stabil genug, dass 33 Prozent Rabatt und der Brand New Day Hype den entscheidenden Schubs geben konnten.
Ob der Effekt nachhaltig ist, bleibt offen. Sobald der Film aus den Kinos verschwindet und der Sale endet, wird Spider-Man 2 die Top 10 vermutlich wieder verlassen. Aber für diesen Moment ist die Botschaft klar: Ein Spiel, das einen Kinofilm mitgestaltet hat, muss sich vor keinem anderen Titel im Steam-Ranking verstecken. Tom Holland würde vermutlich zustimmen – wenn er gerade nicht wieder nachts heimlich zocken würde.