Invoke Studios und Wizards of the Coast haben das erste Gameplay zu Warlock enthüllt und zeigen, wie dynamisch sich Zauberei in einem Third-Person-Abenteuer anfühlen kann. Statt vorgefertigter Standardsprüche setzt das kanadische Team auf expressive Magie, bei der die Spielwelt selbst zur Waffe wird. Für Rollenspieler, die nach Baldur’s Gate 3 auf frischen Wind gehofft haben, liefert das gezeigte Material ein verdammt starkes Lebenszeichen.
Zaubern wie im Physik-Baukasten statt starrer Knöpfchendruck
Das gezeigte Gameplay wischt die übliche Routine klassischer Fantasy-Kämpfe mit einem Grinsen beiseite. Wer in gängigen Genre-Vertretern Eis gegen Feuer oder Blitze gegen schwere Rüstungen einsetzt, bedient meist nur vorgegebene Schalter. Warlock bricht dieses starre Schema auf und verwandelt Magie in ein offenes Werkzeugset, das an moderne Physik-Sandboxen erinnert. Zauber wirken direkt auf die Umgebung ein, verändern Gegebenheiten und laden zum hemmungslosen Experimentieren ein.
Wie wuchtig sich das anfühlt, demonstriert Heldin Kaatri in den ersten Gefechten. Mit Telekinese schleudert die Waffenmeisterin nicht bloß lose Trümmer auf Angreifer, sondern reißt Felsbrocken aus dem Boden, um heransausende Pfeilsalven mitten im Flug abzuwehren. Wasser aus einem nahegelegenen Tümpel löscht lodernde Flammenwände, während beschworene Tentakel aus dem Nichts neue Kletterpfade über tiefe Abgründe spannen. Der Bogen spannt sich von reiner Zerstörung bis hin zur kreativen Raumnutzung.
Dabei verkommt das Geschehen keineswegs zum reinen Knöpfchendrücken aus der Distanz. Sobald feindliche Truppen ins Wanken geraten, schließt Kaatri mit schnellen Ausweichschritten auf und setzt ihre geschliffenen Klingen ein. Nahkampf und Magie greifen nahtlos ineinander, sodass das Schwert vor allem als knallharter Vollstrecker dient, wenn die Zauber das Gefecht bereits vorentschieden haben.
Ihre volle Wucht entfaltet die Mechanik, sobald man die Elemente aktiv manipuliert. Über mächtige Rituale ruft Kaatri dichte Wolkenbrüche herbei, die das Kampffeld in strömenden Regen tauchen. Schlägt anschließend ein gezielter Hexenblitz in eine metallene Straßenlaterne hinter den Feinden ein, rast der Stromstoß durch das Wasser am Boden und streckt die gesamte Truppe auf einen Schlag nieder. Genau diese Kettenreaktionen verleihen den Auseinandersetzungen einen herrlich dreckigen, taktischen Puls.
Die finsteren Weiten von Darkon belohnen echte Neugier
Schauplatz des finsteren Treibens ist Darkon, eine der bekanntesten und bedrückendsten Domänen aus dem legendären Ravenloft-Kosmos. Statt farbenfroher Wiesen erwartet Spieler hier eine ungemütliche, von Untoten und finsteren Mächten heimgesuchte Open World, die optisch sofort an gotische Horrorgeschichten erinnert. Kaatri durchstreift diese Welt jedoch nicht als strahlende Retterin, sondern als kampferprobte Kriegerin in ständiger Zwangslage.
Ihre Macht schöpft sie aus einem verbotenen Pakt mit der berüchtigten Erzzauberin Tasha. Verkörpert wird die mysteriöse Patronin von Maggie Robertson, die Fans bereits als furchteinflößende Lady Dimitrescu das Fürchten lehrte, während Schauspielerin Tricia Helfer der abgebrühten Kaatri ihre markante Stimme leiht. Tasha leitet die Kämpferin an, sogenannte Rohe Magie aufzuspüren – eine unberechenbare Urkraft, die tief in Darkons Erde schlummert und Kaatris Repertoire stetig erweitert.
Invoke Studios verzichtet bei der Erkundung erfreulicherweise auf überflüssigen Schnickschnack, was Puristen das Herz erwärmen dürfte. Aufdringliche Mini-Maps und blinkende Kompass-Nadeln, die Spieler von Wegpunkt zu Wegpunkt scheuchen, sucht man hier vergebens. Stattdessen setzt das Team auf organische Entdeckungen: Wer aufmerksam durch finstere Dörfer streift, stolpert über frische Schleifspuren im Schlamm oder lauscht den Gerüchten verängstigter Bewohner, um sogenannten Mysterien auf den Grund zu gehen.
Diese spielerische Freiheit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Welt. Wer eine Schlucht überwinden will, kann nach versteckten Pfaden suchen, sich mit gewaltigen Sprüngen über Abgründe katapultieren oder eben physikalische Brücken aus dem Boden stampfen. Darkon drängt niemanden in eine feste Schablone, sondern belohnt aufmerksame Beobachter mit verborgenen Geheimnissen und Abkürzungen.
Doch die Vorschusslorbeeren müssen sich gegen eine bittere Studio-Vergangenheit behaupten.
Das schwere Erbe von Dark Alliance weicht moderner Entwickler-Power
Hinter Invoke Studios verbirgt sich das kanadische Team von Tuque Games, das 2021 mit Dungeons & Dragons: Dark Alliance eine regelrechte Bruchlandung hinlegte. Das Koop-Gemetzel soff damals in hölzernen Animationen, kaputter Gegner-KI und monotonem Grind gnadenlos ab. Nach der Übernahme durch Wizards of the Coast folgte die Umbenennung in Invoke Studios und die Verpflichtung von Studioleiter Dominic Guay, der zuvor bei Großprojekten wie Watch Dogs bewiesen hat, wie man komplexe Systeme baut.
Für den Mutterkonzern Hasbro steht bei diesem Projekt enorm viel auf dem Spiel. In den vergangenen Jahren strich der Spielwaren-Riese reihenweise digitale Projekte zusammen, kündigte Partnerschaften mit externen Studios auf und schrieb Millionenbeträge ab, um sich auf wenige interne Kernmarken zu konzentrieren. Warlock gehört neben dem Sci-Fi-Hoffnungsträger Exodus zu den seltenen Überlebenden dieser harten Sparwelle und muss nun beweisen, dass Hasbros Milliarden-Wette auf hochwertige Singleplayer-Abenteuer aufgeht.
Die offizielle Ankündigung des Titels hatte bereits neugierig gemacht, doch erst das Gameplay liefert die handfeste Bestätigung für diesen ambitionierten Kurswechsel. Angetrieben von der Unreal Engine 5 macht das Abenteuer auf dem Bildschirm eine verdammt gute Figur, verlangt der Community allerdings noch eine gehörige Portion Geduld ab.
Der weltweite Release ist für das Jahr 2027 auf dem PC, der PlayStation 5 und der Xbox Series X|S angesetzt. Bis dahin bleibt dem Studio in Montreal genug Zeit, um die physikalischen Kettenreaktionen auf Hochglanz zu polieren und das Gameplay-Versprechen lückenlos einzulösen. Wenn Invoke Studios diese kreative Magie-Philosophie bis zum Abspann durchzieht, könnte Warlock genau die Frischzellenkur werden, die das Action-Adventure-Genre dringend gebraucht hat.
