Sega hat nach sieben Jahren Funkstille die offiziellen Social-Media-Kanäle von Crazy Taxi reaktiviert und einen 5-Sekunden-Clip veröffentlicht. Das Video zeigt nicht mehr als das ikonische Taxi-Schild, das auf der Windschutzscheibe des klassischen Cabrios aufleuchtet. Keine Spielszenen, keine Ankündigung – aber ein klares Signal: Das Crazy Taxi Reboot lebt. Und es könnte pünktlich zum Summer Game Fest Anfang Juni die Hüllen fallen lassen.
Ein Weckruf nach sieben Jahren Stille
Der Social-Media-Account von Crazy Taxi war seit 2019 verwaist. Kein Post, kein Teaser, keine Lebenszeichen – bis jetzt. Der fünf Sekunden kurze Clip ist der erste offizielle Hinweis auf das seit 2023 in Entwicklung befindliche Reboot und könnte geschickter nicht getimed sein: Vom 5. bis 8. Juni 2026 findet das Summer Game Fest in Los Angeles statt, und Segas Track Record zeigt, dass solche Mini-Teaser oft der Vorbote einer großen Bühnen-Enthüllung sind.
Dass Sega überhaupt noch an dem Projekt arbeitet, ist an sich schon eine gute Nachricht. Der Publisher hatte 2023 gleich fünf Kultmarken parallel zum Reboot angekündigt – neben Crazy Taxi auch Jet Set Radio, Golden Axe, Streets of Rage und Shinobi.
Was bisher bekannt ist: Zwischen AAA-Anspruch und Live-Service-Sorgen
Die bisher bekannt gewordenen Details zum Crazy Taxi Reboot lesen sich ambitioniert – und lösen bei Puristen gemischte Gefühle aus. Das Spiel wird von Segas Sapporo Studio entwickelt, das erst im Dezember 2021 gegründet wurde. Immerhin: Kenji Kanno, der Regisseur des Originals von 1999, ist direkt an der Entwicklung beteiligt. Das Studio selbst beschreibt das Projekt als AAA-Titel in einer komplett offenen Spielwelt mit einem „massiv multiplayer“-Ansatz.
Genau hier liegt der Haken. Das Crazy Taxi Reboot soll Berichten zufolge einen 100-Spieler-Survival-Modus enthalten – eine Ansage, die eher nach Fortnite als nach klassischer Taxi-Hatz klingt. Sega selbst soll Pläne für „Live Events, Kooperationen und Anpassungsmöglichkeiten“ haben. Wer die Original-Spiele kennt, weiß: Die Magie von Crazy Taxi lag in der einfachen, süchtig machenden Formel aus Zeitdruck, Risikofahrten und Punktejagd. Ob ein aufgeblähter Live-Service-Ansatz diese Magie einfangen kann, ist fraglich.
22 Jahre Wartezeit – und ein riskanter Neuanfang
Zur Einordnung: Der letzte komplett neue Hauptableger der Reihe war Crazy Taxi 3: High Roller, das 2004 exklusiv für die Xbox erschien – inzwischen über 22 Jahre her. Seitdem gab es Ports, Mobile-Ableger und einen kurzlebigen MMO-Versuch, aber keinen echten Neustart. Das Original von 1999 war ein Phänomen: In den USA wurde es zum drittmeistverkauften Dreamcast-Spiel überhaupt und prägte mit seinem punkrock-lastigen Soundtrack („All I Want“ von Offspring lässt grüßen) eine ganze Generation. Die Erwartungen an das Reboot sind entsprechend hoch – vielleicht zu hoch.
Im Vergleich zu anderen Arcade-Klassiker-Reboots der letzten Jahre zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Burnout Paradise Remastered 2018 solide lief, scheiterte das geistige Nachfolgeprojekt Dangerous Driving an kleinen Budgets und fehlender Sichtbarkeit. Segas Ansatz, Crazy Taxi als Live-Service-Spiel mit hundert Spielern gleichzeitig zu positionieren, ist ein mutiger – aber riskanter Schritt. Die Frage ist, ob die Seele der Marke auf der Strecke bleibt, wenn aus der puristischen Highscore-Jagd ein Battle-Royale-artiges Fahrerlebnis wird.