Der 1. Juli 2026 wird in die PlayStation-Geschichtsbücher eingehen – als einer der übelsten Tage für Fans der Marke. Sony kündigte am Morgen das Ende physischer Discs ab Januar 2028 an, bestätigte die Schließung der PS3- und PS-Vita-Stores und legte am Nachmittag das PS Plus Lineup für Juli vor. Drei Titel, von denen einer eine Metacritic-Wertung von 56 mitbringt und ein zweiter als schwächer gilt als sein Vorgänger. Das ist kein Monat für Abonnenten. Das ist eine Belastungsprobe.
Metacritic 56 – warum MW3 kein Headliner ist, sondern ein Alarmsignal
Call of Duty: Modern Warfare 3 aus dem Jahr 2023 ist der schwächste bewertete Hauptableger der gesamten Seriengeschichte. Wie der PlayStation Blog schreibt, ist MW3 Teil des Cross-Gen-Bundles für PS4 und PS5. Ein Metascore von 56 bei den Kritikern, ein User-Score von 2,4 – das sind Zahlen, die man eher von einem frühen Early Access Titel erwartet. Die Kampagne wurde in großer Zeitnot von Sledgehammer Games zusammengeschustert, während Infinity Ward parallel an Modern Warfare 2 arbeitete. Das Überraschendste an der Kampagne ist, dass sie nach nur drei Stunden vorbei ist – zu Recht gilt sie als „eine der schlechtesten FPS-Kampagnen, die je entwickelt wurden“.
Zugegeben: Der Multiplayer von MW3 hat seine Stärken. Die 16 remasterten Maps aus Modern Warfare 2 (2009) treffen den Nostalgie-Nerv, und der Zombies-Modus – erstmals als offene Welt konzipiert – hat eine eigene Fankultur entwickelt. Aber ob sich heute, zweieinhalb Jahre nach Release, noch genug Spieler auf den Servern tummeln? Die CoD-Community ist längst weitergezogen zu Black Ops 7 und Modern Warfare 4. Dass Infinity Ward mit MW4 die Kampagne wieder zur reinen Solo-Erfahrung macht, zeigt besser als jede PR: Sogar Activision selbst hat den MW3-Ansatz längst aufgegeben.
CrossCode rettet das Lineup – und macht die Schieflage erst richtig sichtbar
Es gibt genau einen Titel in diesem Juli-Lineup, den man uneingeschränkt empfehlen kann: CrossCode von Radical Fish. Das retro-inspirierte Action-RPG kombiniert 16-Bit-Optik mit butterweicher Physik, einem präzisen Kampfsystem und Rätseln, die an klassische Zelda-Dungeons erinnern. Die Sci-Fi-Story um ein MMO, in dem die Spielerin Lea gefangen ist, bietet mehr Tiefe als mancher Triple-A-Blockbuster. CrossCode ist ein Indie-Juwel, das auf Steam mit „überwältigend positiv“ bewertet wird und auf Metacritic bei 87 steht. Und genau das ist das Problem.
Wenn der stärkste Titel des Monats ein Indie-Spiel von 2018 ist – ein großartiges, aber kein neues –, dann sagt das alles über die aktuelle PS-Plus-Strategie. For the King 2, der zweite Titel im Lineup, gilt als „dem Original in fast jeder Hinsicht unterlegen“ – der Charme des tabletop-inspirierten Rogue-lite-Vorgängers geht in der Fortsetzung verloren, und mit 76 Metacritic ist es solide, aber kein Headliner. Der PS-Plus-Juni hatte mit Grounded und Darktide zumindest frischere Zugpferde. Der Juli fällt qualitativ ab.
Ein Tag, drei Hiobsbotschaften – Sony testet die Schmerzgrenze
Die PS Plus Ankündigung wäre für sich genommen eine milde Enttäuschung. Im Kontext des 1. Juli 2026 wirkt sie wie ein Faustschlag ins Gesicht der treuesten PlayStation-Kunden. Am selben Tag verkündete Sony, dass ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc erscheinen werden – ein Schritt, den selbst Ex-PlayStation-Chef Shawn Layden als verfrüht bezeichnet. Parallel dazu wurden die PS3- und PS-Vita-Stores zur Schließung freigegeben. Wer also noch digitale Klassiker retten wollte, muss sich sputen.
Obendrauf kommt die PS Plus Preiserhöhung, die seit Mai in Kraft ist. Neukunden zahlen 9,99 Euro statt 8,99 Euro im Monat, Bestandskunden sitzen in einer Loyalitätsfalle – kündigen sie, verlieren sie ihren alten Tarif für immer. Und wofür? Für ein Lineup, dessen Headliner die schlechteste Kampagne der CoD-Geschichte ist. Der Juni war noch rechtfertigbar. Der Juli nicht.