Sony hat FY2025 mit Rekordprofitabilität bei PlayStation Plus abgeschlossen – und trotzdem spricht die Führungsriege schon über weitere Preiserhöhungen. In einem internen Firmen-Q&A erklärten SIE-CEO Hideaki Nishino, Studio-Business-CEO Hermen Hulst und Finanzchefin Lynn Azar, dass man „verschiedene Stellschrauben“ nutze, um die Profitabilität von PS Plus weiter zu steigern – „einschließlich Preisgestaltung, Tier-Mix und Effizienz bei der Content-Beschaffung“. Der Kontext: 40 Prozent der Abonnenten zahlen bereits für Extra oder Premium, der Anteil ist von 38 Prozent im Januar 2025 auf über 40 Prozent gewachsen. Man könnte meinen, das sei ein Grund zur Freude. Stattdessen reden sie über Preise.
Rekordgewinn, 40 Prozent Premium – und Sony denkt laut über die nächste Runde nach
Die Sprache im Q&A war vorsichtig, aber die Richtung ist klar. Nishino, Hulst und Azar sprachen nicht von konkreten Zahlen oder einem Zeitplan – aber sie sprachen auch nicht von Stabilität. Sie sprachen von „Hebeln“, von „Effizienz“, von „Preisgestaltung“. Wer in einem Firmenmeeting diese Begriffe in Bezug auf einen Abodienst verwendet, der gerade sein profitabelstes Jahr überhaupt hingelegt hat, der bereitet etwas vor.
Zum Vergleich: Noch im Mai stiegen die PS Plus Preise auf breiter Front. Essential kostet seitdem 9,99 Euro im Monat, Extra 14,99 Euro, Premium 17,99 Euro – und das betraf alle Tiers, nicht nur Essential, wie Sony ursprünglich kommuniziert hatte. Die 12 Monats Option blieb unverändert – ein klarer Schubs in Richtung Jahresabo. Die gute Nachricht für Bestandskunden: Wer sein Abo nicht kündigt, behält den alten Preis. Die schlechte: Wer einmal raus ist, kommt nie wieder zum alten Tarif rein. Eine Loyalitätsfalle mit Ansage.
Erst die PS5, dann PS Plus im Mai, jetzt Cloud-Ausbau – das Muster ist nicht neu
Was im Q&A fast beiläufig fiel, ist mindestens genauso wichtig wie die Preisdebatte. Sony baut seine Cloud-Infrastruktur massiv aus, um Game-Streaming in mehr Märkte zu bringen. Auf die Frage, wie die Kosten dafür wieder reinkommen sollen, antworteten die drei: „Wir erwarten, die Kosten durch die Einnahmen aus PS Plus zu decken, das den Streaming-Dienst bereitstellt.“
Das ist die Formel: Sony investiert in Server, die PS Plus Abonnenten zahlen die Rechnung. Im März wurde die PS5-Hardware teurer – auf 649,99 Dollar fürs Basismodell, 899,99 Dollar für die Pro. Im Mai folgte PS Plus. Jetzt wird die Server-Flotte ausgebaut. Die nächste Preiserhöhung ist nur noch eine Frage der Zeit.
Und während Sony seine Abonnenten auf die nächste Runde vorbereitet, liefert der Dienst selbst eine seiner schwächsten Leistungen ab. Das Juli-Lineup, wie erst kürzlich bekannt wurde, bringt Call of Duty: Modern Warfare 3 mit einem Metascore von 56 – die schlechtestbewertete Kampagne der gesamten Seriengeschichte. Dazu For the King 2 und CrossCode, ein Indie-Juwel von 2018. Der Juni war mit Grounded und Darktide zumindest solide. Der Juli ist ein Totalausfall.
Schwaches Juli-Lineup, tote Stores – und die Rechnung zahlen die Abonnenten
Der Juli 2026 ist für PlayStation-Fans kein guter Monat. Am selben Tag, an dem Sony das PS Plus Lineup veröffentlichte, gab der Konzern bekannt, dass die PS3- und PS Vita Stores endgültig dichtgemacht werden – und dass ab Januar 2028 keine PlayStation-Spiele mehr auf Disc erscheinen. Wer das im Kontext des Q&A liest, sieht ein klares Bild: Sony treibt die Digitalisierung mit aller Macht voran, und PS Plus ist das Vehikel dafür.
Dass 40 Prozent der Abonnenten freiwillig in den teureren Tiers sind, ist für Sony die Bestätigung, dass das Modell funktioniert. „Die höheren Tiers machen jetzt 40 Prozent der Abonnenten aus, was die starke Nachfrage nach dem Dienst widerspiegelt“, zitiert das Q&A. Was sie nicht sagen: Wenn 40 Prozent bereitwillig mehr zahlen, warum sollten die restlichen 60 Prozent nicht auch bald mehr zahlen müssen? Die Logik des Kapitalismus funktioniert in beide Richtungen.