Stellt euch vor: Ein Panzerzug rattert durch eine postapokalyptische Einöde, während draußen Mutanten durch die Dunkelheit streifen. Ihr stoppt an verlassenen Orten, sammelt Waffen und Ressourcen – und müsst rechtzeitig wieder im Zug sein, bevor die Sonne aufgeht und alles verbrennt. Das ist NIGHTRUNNER, der neue Koop-Shooter des deutschen Studios 314 Arts, der Horde Survival, Extraction-Mechaniken und Tower Defense in einem ungewöhnlichen Setting vereint. Der erste öffentliche Playtest startet bereits im September 2026, der Release ist für 2027 geplant.
Panzerzug, Mutanten und die tödliche Sonne – das ist NIGHTRUNNER
NIGHTRUNNER spielt in einer Welt, in der ein apokalyptisches Sonnenereignis das Tageslicht tödlich gemacht hat. Die Zivilisation ist zusammengebrochen – übrig geblieben ist nur das Eisenbahnnetz, auf dem schwer gepanzerte Züge zwischen den letzten Außenposten pendeln. Ihr schlüpft in die Rolle der „NightRunner“ – Söldner, die gefährliche Aufträge annehmen, Ressourcen beschaffen und ums Überleben kämpfen.
Das Herzstück des Spiels ist euer Zug, genauer gesagt: euer Wagon. Er ist eure mobile Operationsbasis und euer einziges Mittel zur Evakuierung. Während einer Mission haltet ihr an Scavenging-Zonen, verlasst den Zug, plündert Gebäude und bekämpft Mutanten – aber ihr müsst immer im Blick behalten, wann die Sonne aufgeht. Wer sich zu lange draußen aufhält, ist tot. Die Zeit ist euer gnadenlosester Gegner.
Die Entwickler von 314 Arts nennen offen ihre Einflüsse: Killing Floor, CoD Zombies und Tarkov. Das ist eine wilde Mischung – und genau das macht NIGHTRUNNER interessant. Es ist kein reiner Horde-Shooter, kein reiner Extraction-Shooter, sondern eine eigenständige Kombination. Wer auf der Suche nach einem neuen Koop-Erlebnis ist, das Genre-Grenzen verwischt, sollte das Spiel auf dem Schirm haben. Das deutsche Studio hat übrigens bereits mit Projekt Z: Beyond Order gezeigt, dass sie kooperative Shooter-Erlebnisse beherrschen – auch wenn der Publisher damals in finanzielle Schwierigkeiten geriet.
Vier Runner-Kits – und jeder Run ist anders
Ihr startet jede Mission mit einem von vier „Runner Kits“, die euren Spielstil definieren. Die Klassen sind grob in Kampf, Scavenging und Unterstützung unterteilt – ähnlich wie bei Killing Floor oder Deep Rock Galactic. Ein Kit ist für den direkten Kampf ausgelegt, ein anderes spezialisiert sich auf das Aufspüren von Ressourcen, ein drittes unterstützt das Team mit Heilung oder Buffs. Die genauen Bezeichnungen sind noch nicht alle bekannt – aber das Prinzip ist klar: Teamplay ist Pflicht. Die richtige Kombination der Runner Kits kann über Leben und Tod entscheiden.
Hinzu kommt ein Roguelite-Element. Jeder Run ist anders, weil die Scavenging-Zonen prozedural generiert werden und die Gegner unterschiedlich spawnen. Gleichzeitig gibt es eine permanente Progression: Mit „Runner-Tech“ schaltet ihr dauerhafte Upgrades frei, die euch stärker machen und härtere Jobs ermöglichen. Das ist der typische „Noch einen Run“-Effekt, der bei guten Roguelites für Suchtpotenzial sorgt.
Die Entwickler haben übrigens Unterstützung von der deutschen Film- und Medienstiftung NRW erhalten – das ist kein Garant für Qualität, aber es zeigt, dass das Projekt ernst genommen wird. Die Engine ist Unity, die Mindestanforderungen liegen bei einem Intel i7-4770K, 16 GB RAM und einer GTX 1660. Das ist für heutige Verhältnisse machbar. Wer sich fragt, was die Unity-Engine in einem Shooter leisten kann: Football Manager 25 setzt ebenfalls auf Unity und zeigt, dass der Motor längst nicht nur für Simulationen taugt, sondern auch für komplexe, actiongeladene Szenarien.
Vier Modi – von Train Jobs bis Endless
NIGHTRUNNER bietet vier verschiedene Spielmodi, die jeweils eigene Regeln und Belohnungen mit sich bringen:
Train Jobs sind das Kern-Erlebnis. Ihr wählt euren Wagon, bereitet eure Ausrüstung vor und fahrt mit eurem Team durch die Einöde. An Scavenging-Zonen stoppt ihr, um Waffen und Ressourcen zu sammeln, repariert den Zug und kämpft euch durch Wellen von Mutanten – bis ihr den Extractions-Punkt erreicht. Wer sein Ziel nicht schafft, verliert alles.
Transition Jobs sind die nächste Stufe. Statt eines Zuges besteigt ihr ein schwer bewaffnetes Schiff und überquert mutantenverseuchte Gewässer – ohne Scavenging-Stopps. Ihr müsst mit dem auskommen, was ihr habt. Das ist der härtere, aber auch lohnendere Modus.
Dungeons sind lineare Level mit Bossen und dem besten Loot des Spiels. Hier zählt reine Koordinationsarbeit – und wer den Boss legt, wird belohnt.
Endless ist der klassische Wellen-Modus. Ihr haltet so lange durch wie möglich, während die Gegnerwellen immer stärker werden. Highscore-Jäger werden hier ihre Freude haben.
Das ist eine beachtliche Vielfalt für ein Indie-Spiel. Besonders die Mischung aus Zug- und Schiffsmissionen sorgt für Abwechslung – und die Dungeons erinnern an die Instanzen aus klassischen MMORPGs, nur mit mehr Mutanten. Der Endless-Modus wiederum steht in der Tradition von Spielen wie World War Z, das sieben Jahre nach Release noch immer mit täglichen Horde-Herausforderungen neue Spieler lockt.
Zwischen Tarkov, Killing Floor und Tranzit – eine wilde Mischung
NIGHTRUNNER ist kein Spiel, das das Rad neu erfindet. Aber es kombiniert bekannte Elemente auf eine Weise, die frisch wirkt. Die Horde-Kämpfe erinnern an Killing Floor – mit Wellen von Mutanten, die strategisch bekämpft werden wollen. Die Extraction-Mechanik mit dem Risiko, alles zu verlieren, ist direkt aus Tarkov entlehnt. Und der Zug als mobile Basis? Das ist eine Hommage an den Tranzit-Modus aus Call of Duty: Black Ops 2.
Die Frage ist: Funktioniert die Mischung? Bei Tarkov ist die Spannung hoch, weil ihr gegen andere Spieler kämpft. Bei NIGHTRUNNER ist es rein PvE – ihr kämpft gegen die Umgebung und die Mutanten. Das könnte entspannter sein, aber auch weniger adrenalingeladen. Die Entwickler versprechen „High-Risk, High-Reward“ – das wird sich im Playtest zeigen.
Wer sich für das Extraction-Genre interessiert, sollte auch ARC Raiders kennen – Embark Studios‘ Extraction-Shooter setzt ebenfalls auf eine postapokalyptische Welt und kämpft mit ähnlichen Herausforderungen. Oder Gravebound, das Borderlands-Ästhetik mit Extraction-Mechanik verbindet. NIGHTRUNNER geht einen eigenen Weg – und das ist gut so.
