MSI hat die PRO MAX 27P/TP All-in-One-PCs offiziell vorgestellt – eine Produktserie, die mit einem Red Dot Award für Produktdesign ausgezeichnet wurde und auf den ersten Blick mit klarer Linienführung, integriertem Kabelmanagement und ergonomischem Standfuß punktet. Angetrieben wird das Ganze von einem AMD Ryzen 7 255, garniert mit 120-Hz-Display und Pop-up-Webcam. Klingt nach einem soliden Arbeitsplatz-Upgrade. Bis du in den Spec-Sheet schaust und feststellst: Unter der hübschen Haube steckt Laptop-Technik von vorgestern, die Display-Auflösung ist eine Beleidigung für jeden Büroarbeiter und der HDMI-Port stammt gefühlt aus der Obama-Ära.
Laptop-Technik im 27-Zoll-Gehäuse
MSI bewirbt die PRO-MAX-Serie mit „optimierter Leistung“ für den Arbeitsalltag. Ein Blick auf die CPU offenbart, was das konkret bedeutet: Der verbaute AMD Ryzen 7 255 ist kein Desktop-Chip, sondern ein mobiler Prozessor aus AMDs Hawk-Point-Refresh-Serie – ein Rebrand des Ryzen 7 8745H mit 8 Zen-4-Kernen und 16 Threads bei maximal 4,95 GHz Boost. Der identische Chip steckt in 600-Euro-Mini-PCs und Mittelklasse-Notebooks. Seine integrierte Radeon 780M mit 12 RDNA-3-Compute-Units und bis zu 2,7 GHz Takt stemmt leichte Bildbearbeitung und flüssige 120-Hz-Desktop-Darstellung, aber bei ernsthafter GPU-Last – 3D-Rendering, Videoproduktion, CAD – ist Schluss mit lustig. Eine dedizierte Grafikkarte: Fehlanzeige, in keiner Konfiguration.
Zur Einordnung: MSI selbst vermarktet parallel Grafikkarten wie die RTX 5090 Lightning Z für mehrere Tausend Euro, und das gleiche Unternehmen verkauft dir jetzt einen „Produktivitäts“-AiO ohne dGPU. Die Diskrepanz zwischen Gaming-Portfolio und Business-Anspruch könnte kaum größer sein.
HDMI 1.4 im Jahr 2026 – das ist kein Schönheitsfehler
Die vielleicht peinlichste Zahl im Datenblatt versteckt sich bei den Videoausgängen: HDMI 1.4. Dieser Standard wurde 2011 eingeführt und limitiert externe Monitore auf 4K bei maximal 30 Hertz – und selbst das nur mit Kompromissen bei der Farbunterabtastung. Für einen AiO, der 2026 erscheint und vermutlich vierstellig kosten wird, ist das schlicht indiskutabel. Immerhin: Der DisplayPort 1.4 rettet die Situation teilweise und erlaubt 4K@120Hz mit DSC – vorausgesetzt, dein externer Monitor hat einen DP-Eingang.
Die restliche Konnektivität ist solide: Wi-Fi 7 (beim RZ717-Modul), Bluetooth 5.4, 2× USB 10 Gbps Type-A auf der Rückseite plus USB 5 Gbps Type-C und Type-A an der Front. Ein Gigabit-LAN-Port rundet das Paket ab. An der Anschlussvielfalt liegt es also nicht – nur an deren technischem Stand.
1080p auf 27 Zoll – wer soll das lesen?
MSI spricht vollmundig von einem „120-Hz-Display mit hoher Bildwiederholrate für flüssigere Darstellung“. Was MSI verschweigt: Das Panel löst mit 1920 × 1080 Pixeln auf – das entspricht bei 27 Zoll Diagonale einer Pixeldichte von mageren 82 PPI. Zum Vergleich: Ein 14-Zoll-Laptop mit 1920×1080 kommt auf 157 PPI. Apples iMac 24 Zoll (2024) liefert 218 PPI. Selbst das 300-Euro-Office-Notebook vom Discounter hat heute eine höhere Pixeldichte als dieser AiO.
Für Textarbeit bedeutet das sichtbare Pixelstrukturen, matschige Schriftkanten und generell ein Bild, das eher an 2015 als an 2026 erinnert. Die Konkurrenz macht es vor: Lenovos Yoga AIO i Aura Edition bietet 4K OLED mit 165 Hz, HPs OmniStudio X setzt ebenfalls auf hochauflösende Panels mit echter Produktivitätstauglichkeit. MSI hingegen packt ein 120-Hz-Gaming-Feature in einen Business-Rechner, dessen Auflösung für ernsthafte Arbeit schlicht unzureichend ist.
Ohne Preis kein Urteil – und genau das ist das Problem
Das größte Manko der Ankündigung ist das, was fehlt: MSI nennt weder Preis noch konkretes Launch-Datum. Die PRO-MAX-Serie ist Teil einer breiteren Produktoffensive, die auf der Computex 2026 mit Desktops, AiOs und QD-OLED-Monitoren ein komplettes Ökosystem aufspannt. Das klingt nach durchdachter Strategie, aber ohne Preisanker schwebt der AiO im luftleeren Raum.
Denn: Wenn MSI den PRO MAX 27P für 799 Euro auf den Markt wirft, wäre 1080p und HDMI 1.4 zwar immer noch ärgerlich, aber im Kontext nachvollziehbar. Wenn der Aufruf hingegen in Richtung 1.200 Euro oder mehr geht – und darauf deutet das Red-Dot-Design, der ergonomische Standfuß und die Touch-Option beim 27TP hin –, dann wird aus dem AiO ein schwer vermittelbares Produkt. Die optionale 10-Punkt-Touch-Funktion des PRO MAX 27TP, die 5-MP-Pop-up-Webcam mit Sichtschutz und die werkzeuglose Montage sind nette Details, aber sie ändern nichts an den fundamentalen technischen Kompromissen.