Capcom hat eine kostenlose Demo zu Resident Evil Requiem veröffentlicht – drei Monate nach dem Launch des neunten Hauptteils. Wer sich den Horror-Hit bisher verkniffen hat, kann ab sofort auf PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC und Nintendo Switch 2 in die Anfangsstunden des Rhodes Hill Chronic Care Center eintauchen. Der Haken: Gespeicherte Fortschritte lassen sich nicht in die Vollversion übernehmen. Dass Capcom eine Demo erst lange nach Release nachliefert, ist ein Novum für die Reihe – und wirft die Frage auf, wen das Studio damit eigentlich genau erreichen will.
Drei Monate zu spät – warum Capcom jetzt eine Demo nachschiebt
Normalerweise laufen RE-Demos vor dem Launch. Resident Evil 7 hatte „Beginning Hour“, das RE2-Remake die „1-Shot Demo“, RE4 die „Chainsaw Demo“ und Village „Maiden“ – allesamt Pre-Launch-Marketing-Instrumente, die Vorfreude schüren und Vorbestellungen antreiben sollten. Eine Demo drei Monate nach Release, wenn das Spiel bereits über sieben Millionen Mal verkauft wurde, folgt einer anderen Logik.
Die wahrscheinlichste Erklärung trägt den Namen Nintendo Switch 2. Zwar erschien Requiem am 27. Februar 2026 zeitgleich auf allen Plattformen, doch der Switch-2-Installationsbasis fehlte zum Launch schlicht die Masse. Drei Monate später sieht das anders aus – und Capcom hat auf Nintendos Hybrid-Konsole eine technisch überraschend sauber laufende Version im Portfolio, die neue Käufergruppen erschließen kann. Die Demo fungiert hier als Türöffner für eine Plattform, die beim ursprünglichen Launch noch in den Kinderschuhen steckte.
Auf Steam wiegt die Probierfassung rund 14,7 GB und deckt laut Xbox-Store-Beschreibung einen „Teil des Spielbeginns“ ab. Konkret handelt es sich um die ersten Abschnitte im Rhodes Hill Chronic Care Center, einem heruntergekommenen Sanatorium am Rande von Wrenwood, Arklay County. Wer nach dem Durchspielen kauft, muss die Passagen erneut absolvieren – Speicherdaten werden explizit nicht übertragen.
Grace und Leon – zwei Hälften, ein Albtraum
Die Demo lässt dich beide spielbaren Charaktere steuern: Grace Ashcroft, eine FBI-Analytikerin, die in den Katakomben der Einrichtung erwacht und feststellt, dass ihr langsam Blut abgezapft wird, sowie Leon S. Kennedy, der dienstlich im Sanatorium erscheint und binnen Minuten mit einer kettenschwingenden Krankenschwester Bekanntschaft macht.
Der Kniff: Beide Figuren spielen sich fundamental unterschiedlich. Grace‘ Abschnitte sind klassischer Survival-Horror im Stil des RE2-Remakes – beengte Räume, Ressourcenknappheit, ein stalkender Verfolger im Krankenhauskittel. Leons Passagen hingegen orientieren sich an der Action-Lastigkeit von RE4, mit schnelleren Bewegungen, mehr Feuerkraft und direkteren Konfrontationen. Dass Capcom den ursprünglich geplanten Open-World-Multiplayer-Ansatz für Requiem komplett verwarf und stattdessen auf diese Doppelstruktur setzte, erklärt den Kritikererfolg des fertigen Spiels – und macht die Demo zu einem erstaunlich repräsentativen Querschnitt.
7 Millionen Verkäufe, aber die Fans wollen etwas anderes
Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Requiem verkaufte sich in knapp drei Monaten über sieben Millionen Mal und erreichte auf Steam einen Spitzenwert von 344.214 gleichzeitigen Spielern – der stärkste Launch der Seriengeschichte. Zum Vergleich: Das RE4-Remake benötigte ein ganzes Jahr für sieben Millionen Einheiten.
Und trotzdem knirscht es im Getriebe. Capcom lieferte kürzlich mit „Leon Must Die Forever“ einen kostenlosen Roguelike-Modus nach, der Leon durch 20 zufallsgenerierte Stages hetzt. Die Resonanz fiel verhalten aus – Fans vermissen den klassischen Söldner-Modus, der in RE Village und dem RE4-Remake für Langzeitmotivation sorgte. Dass ausgerechnet ein Datamine Audiospuren zutage förderte, die stark auf einen Mercenaries-Modus hindeuten, macht die Sache nicht besser: Die Daten liegen im Code, aber Capcom schweigt.
Parallel arbeitet das Studio an einer Story-Erweiterung, die Gerüchten zufolge Leon S. Kennedy in den Mittelpunkt rückt und möglicherweise Ada Wong involviert – deren Auftritt zusammen mit Jill Valentine ohnehin schon einmal aus dem Hauptspiel gestrichen wurde. Die Demo wirkt in dieser Gemengelage wie ein strategischer Platzhalter: Content für die Durststrecke zwischen Launch und DLC, der gleichzeitig neue Plattformen erschließt.



