Stell dir vor, du bestellst ein Menü, der Hauptgang kommt pünktlich, aber das Dessert lässt auf sich warten – weil die Küche gerade einen ganzen anderen Gang für einen anderen Tisch kocht. So läuft es gerade bei Capcom und Resident Evil Requiem. Der DLC zum aktuellen Serienteil, der Anfang 2026 auf PC, PS5, Xbox Series X/S und Switch 2 erschienen ist, wird größer als erwartet. Aber er kommt später. Viel später. Laut einem ausführlichen Leak des bestens vernetzten AestheticGamer (Dusk Golem) erscheint der DLC erst, nachdem Resident Evil Veronica, das Remake von Code: Veronica, draußen ist. Und das ist kein Zufall – es ist der erste sichtbare Beweis für eine neue Capcom-Strategie.
Der DLC wird größer – und kommt später
AestheticGamer hat in den letzten Jahren so ziemlich alles zu Capcom richtig vorhergesagt – RE7, RE8, RE4 Remake, Requiem selbst. Wenn der spricht, hören selbst die Zweifler kurz auf zu zweifeln. Seinem aktuellen Bericht zufolge investiert Capcom in längere, story-lastige DLCs für Resident Evil, mit dem Umfang und Anspruch von Separate Ways oder Shadow of Rose. Das ist keine Kleinigkeit: Beide waren keine Zwei-Stunden-Häppchen, sondern richtige Mini-Kampagnen mit neuen Mechaniken, Gegnertypen und Handlungssträngen.
Die Kehrseite: Dieser Umfang kostet Zeit. Der DLC schiebt sich nach hinten, weil bei Capcom gerade alle Hände voll mit Veronica zu tun haben. „All hands on deck“, wie der Leaker es nennt. Das Remake kommt in der ersten Jahreshälfte 2027, der DLC folgt danach. Capcom nimmt sich also die Zeit, das Ding richtig zu machen – inklusive Feedback aus Requiems Launch, das laut Leak mit eingeflossen ist.
Warum Capcom die Spin-offs aufgibt und auf DLCs setzt
Hier wird es interessant. Der Schritt zu längeren DLCs ist kein kreativer Selbstzweck, sondern eine strategische Reaktion auf ein handfestes Problem. Capcom hat in der RE-Engine-Ära wiederholt versucht, mit Side-Games Geld zu verdienen – Revelations, die Chronicles-Shooter, die Survivor-Spiele. Und die laufen, vorsichtig formuliert, nicht mehr gut.
Die Lösung: Statt neue Spin-offs zu entwickeln, die kaum einer kauft, packt Capcom den experimentellen Kram in die DLCs der Hauptspiele. Die sind günstiger zu produzieren, erreichen garantiert die Zielgruppe (weil die das Hauptspiel schon hat) und erlauben den Entwicklern, neue Ideen auszuprobieren, ohne gleich ein ganzes Spiel in der Schublade verrotten zu lassen. Der Leaker nennt es eine „temporäre Lösung“ – aber temporär kann bei Capcom schnell mal fünf Jahre heißen.
Veronica zuerst: Warum das Remake die gesamte Pipeline blockiert
Die Entscheidung, den DLC hinter Veronica zurückzustellen, sagt viel über Capcoms Prioritäten. Veronica ist nicht irgendein Remake. Es ist der direkte Brückenschlag zwischen der klassischen Resident-Evil-Ära und dem modernen Storytelling, das Requiem aufgemacht hat. Während RE2, RE3 und RE4 Remake chronologisch vor Requiem liegen, spielt Code: Veronica inhaltlich genau in dem Übergangsbereich, den Requiem neu interpretiert hat.
Das ist auch der Grund, warum Capcom hier kein Risiko eingehen will. Veronica muss sitzen. Technisch, erzählerisch, vom Release-Fenster her. Der DLC kann warten – und profitiert im Zweifel von der zusätzlichen Entwicklungszeit, weil das Team aus dem Requiem-Feedback gelernt hat und die neuen Mechaniken direkt im DLC umsetzen kann.
Kein Masterplan – und genau das ist die Stärke
Der vielleicht interessanteste Punkt aus AestheticGamers Leak ist der Satz, dass Capcom keinen „Masterplan“ hat. Das klingt erstmal nach einem Mangel, ist aber genau das Gegenteil. Wo andere Publisher in Fünfjahresplänen denken und dann scheitern, weil sich der Markt verändert hat, reagiert Capcom situativ. RE4 kam, weil die Serie nach RE6 am Boden lag. RE7 kam, weil man wusste, dass der Action-Kurs nicht mehr trägt. Requiem selbst ist das Produkt dieser Flexibilität.
Der Leaker nennt das das „dritte goldene Zeitalter“ von Resident Evil – und er hat nicht unrecht. Während die Konkurrenz in Konsolidierungswellen und Headcount-Reduktionsrunden festhängt, hat Capcom mit der RE-Engine eine technische Basis geschaffen, auf der sie flexibel aufstellen können. Mal ein Remake, mal ein neuer Teil, mal ein großer DLC. Alles aus derselben Pipeline. Das ist effizienter, als jedes Jahr ein neues Spin-off zu pressen, das dann keiner kauft.
Auf den Pixel gefühlt…
Kurz, präzise, unbestechlich



