Es klingt wie eine abnormale Vertragsklausel, ist aber genau das, was die neue Xbox-Realität ausmacht. State of Decay 3, eines der meistgewünschten Spiele auf Steam, wird weiterhin von Microsoft finanziert – trotzdem ist der neue Eigentümer von Undead Labs nicht verpflichtet, den Zombie Survival Titel am Release-Tag in den Game Pass zu werfen. Das berichtet Game File unter Berufung auf interne Quellen, und es ist vielleicht das absurdeste Detail an einem Tag, der an Absurdität kaum zu überbieten ist.
Finanziert, aber nicht im Abo – das Paradox von State of Decay 3
Seit der Ankündigung 2020 galt State of Decay 3 als eines der großen Game Pass Versprechen. Microsofts Abo sollte das natürliche Zuhause sein für ein Spiel, das auf Community, Langzeitspiel und Wiederspielwert setzt. Doch der Verkauf von Undead Labs hat diese Rechnung zerrissen. Der neue Eigentümer muss das Spiel zwar fertigstellen – die Finanzierung läuft weiter – aber er muss es nicht am ersten Tag in den Game Pass stecken.
Das ist kein theoretisches Szenario. Es bedeutet, dass State of Decay 3, das laut unserer Vorschau endlich das „AAA-Feeling“ erreicht haben soll, das der Vorgänger nie hatte, außerhalb des Xbox-Abos starten könnte. Auch der kürzlich gestartete Alpha-Playtest mit Koop und Basenbau deutet auf einen großen Wurf hin – aber ob der dann im Game Pass landet oder nicht, entscheidet nicht mehr Microsoft.
Sommer der Enthüllungen – wer Undead Labs und Ninja Theory kauft
Wer der neue Eigentümer ist, bleibt vorerst offen. Game File zufolge soll die Identität von Undead Labs‘ Käufer noch diesen Sommer enthüllt werden, der neue Besitzer von Ninja Theory folgt später im Jahr. Genug Zeit für Spekulationen – und für Unbehagen. Denn der Fall zeigt, wie tief Microsofts Restrukturierung tatsächlich greift.
Wir haben in den letzten Tagen mehrfach über die Dimension dieser Welle berichtet. CEO Asha Sharma hat in einem internen Memo bestätigt, was viele bereits befürchteten: Xbox hat „64 Cent für jeden investierten Dollar verloren“. Wie Game Developer berichtet, zeichnen die Zahlen ein düsteres Bild – und der Verkauf von Undead Labs ist kein strategischer Befreiungsschlag, sondern eine Notbremse. Der neue Eigentümer von Ninja Theory wird auch darüber entscheiden, ob ein mögliches Hellblade 3 eines Tages im Game Pass startet oder nicht.
Game Pass in der Krise – und plötzlich fehlen die Zugpferde
Der Zeitpunkt dieser Enthüllung könnte nicht schlechter sein für Microsoft. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Xbox sämtliche Game Pass Deals für Drittanbieter auf Eis gelegt hat. Entwickler, die kurz vor der Unterschrift standen, bekamen den Teppich unter den Füßen weggezogen. Gleichzeitig hat der Dienst nach der Preiserhöhung Millionen Abonnenten verloren – und Moon Studios CEO Thomas Mahler zerlegte Microsofts Spielepolitik mit einer Klartext-Abrechnung, die in der Branche für Aufsehen sorgte.
Wenn jetzt auch noch State of Decay 3 als Game Pass Titel wegfällt, fehlt ein weiteres Argument für das Abo. Dabei ist die Situation absurd genug: Microsoft finanziert die Entwicklung, trägt das Risiko – aber der neue Eigentümer erntet die Früchte eines möglichen Vollpreis-Starts. Dass Asha Sharma gleichzeitig davon spricht, man habe „massiv unterinvestiert“ in Minecraft, zeigt, wie verzweifelt Microsoft nach neuen Umsatzquellen sucht.