Die Geschichte von Subnautica 2 war in den letzten Monaten vor allem eins: ein einziger Scherbenhaufen aus Gerichtsterminen, gefeuerten Gründern und einem Publisher, der offenbar alles versuchte, um eine versprochene Bonuszahlung von über 250 Millionen Dollar zu umgehen. Jetzt ist der Spuk vorbei – und das Ende ist überraschend fair. Krafton hat sich mit Unknown Worlds Entertainment geeinigt, alle anhängigen Verfahren werden fallengelassen, und das gesamte Studio bekommt seine Boni. Dafür geht CEO Ted Gill – der vorher unrechtmäßig gefeuert und dann per Gerichtsbeschluss wiedereingesetzt wurde – jetzt freiwillig.
Vier Millionen Verkäufe, 250 Millionen Boni – Warum Krafton keine Wahl mehr hatte
Der Auslöser für den Umschwung ist simpel: Subnautica 2 wurde ein verdammter Erfolg. Vier Millionen Kopien innerhalb von fünf Tagen nach dem Early Access Start im Mai – und das zu einem Zeitpunkt, als das Studio noch mitten im Rechtsstreit mit dem eigenen Publisher steckte.
Diese Zahl machte eine der komplexesten Gewinnbeteiligungsklauseln der Branche plötzlich fällig. Als Krafton Unknown Worlds 2021 für 500 Millionen Dollar übernahm, hatte man sich auf eine Earnout-Vereinbarung geeinigt, die bei entsprechenden Umsätzen Bonuszahlungen von über 250 Millionen Dollar vorsah. Dann kam das Gerichtsurteil aus Delaware, das Krafton zur Zahlung zwang – und der Publisher gab klein bei.
Ted Gill geht freiwillig – diesmal wirklich
Das bizarrste Detail dieser ganzen Saga ist und bleibt die Personalie Ted Gill. Der CEO wurde letztes Jahr von Krafton gefeuert, als klar wurde, dass die Bonuszahlung fällig werden könnte. Die Kündigung war unrechtmäßig, Gill kam zurück – und jetzt, nach der Einigung, geht er von sich aus.
„Wir haben uns einvernehmlich getrennt“, sagte Gill gegenüber Bloomberg. „Eine neue Führung ist der beste Weg für das Studio, nach vorne zu schauen.“ Beide Seiten suchen jetzt einen externen Nachfolger. So endet eine der kuriosesten CEO-Amtszeiten der aktuellen Spielebranche: gekündigt, eingeklagt, zurückgeholt, freiwillig gegangen.
Alle kriegen was – Warum dieser Vergleich anders ist
Der Clou an der Einigung ist nicht die Summe, sondern die Verteilung. Anders als bei vergleichbaren Fällen in der Branche bekommen nicht nur die oberen Etagen ihren Anteil. Die Bonuszahlung geht an alle Mitarbeiter von Unknown Worlds – auch an die, die erst nach der Übernahme 2021 eingestellt wurden.
Ausgezahlt wird in drei jährlichen Raten. Laut Bloomberg stellte Gill zudem klar, dass das Studio „deutlich höher vergütet“ werde, als es der ursprüngliche Vertrag vorsah, und dass weitere Anreize hinzukämen. In einer Branche, in der Mitarbeiter bei Erfolg oft nur den Druck spüren, ist das ein Statement.
Was jetzt für Subnautica 2 zählt
Der Rechtsstreit mag vorbei sein, die Arbeit geht weiter. Unknown Worlds arbeitet an Updates für den Early Access: Sprint-Funktion, Sprachchat, Biomod-Slots und neue Begegnungen mit dem Collector Leviathan stehen auf der Roadmap. Das Studio betont, dass man das Tempo der Updates halten will.
Die eigentlich entscheidende Frage ist eine andere: Ob die Einigung mit Krafton das Verhältnis zwischen Studio und Publisher langfristig reparieren kann – oder ob hier nur die nächste Eskalationsstufe aufgeschoben wurde. Für den Moment klingt die offizielle Sprachregelung versöhnlich: Man sei fokussiert auf die Unterstützung von Subnautica 2 und seine Community. Was davon nachhallt, wenn die erste Rate gezahlt ist, wird sich zeigen.


