KRAFTON bringt fünf Spiele nach Köln. Fünf. Nicht eines, wie man es vom PUBG-Publisher gewohnt ist. Der bisher unangekündigte PUBG-STUDIOS-Titel führt die Liste an, aber dahinter stecken vier Second-Party-Projekte, die den Konzern endgültig aus dem Schatten des eigenen Battle-Royale-Erfolgs holen sollen. Ein Blick auf das Lineup verrät: KRAFTON versteht sich längst nicht mehr als PUBG-Firma.
Ein neues PUBG-Spiel und die Stunde der Partnerstudios
Den Kopf des Programms macht ein noch nicht angekündigter Titel von PUBG STUDIOS. Was genau dahinter steckt, verrät KRAFTON nicht – nur dass es auf der PUBG-IP basiert, eine vollkommen neue Spielwelt bietet und auf der gamescom seine Weltpremiere feiert. Spekulationen über einen Extraction-Shooter namens PUBG: Black Budget kursieren seit Wochen, bestätigt ist nichts. Klar ist: Der Publisher setzt sein Flagschiff gezielt als Zugpferd für ein Lineup ein, das ohne diesen Titel deutlich weniger Aufmerksamkeit bekäme.
Denn neben dem PUBG-Ableger stehen vier Spiele von externen Studios, die KRAFTON im Second-Party-Modell veröffentlicht. Eine Strategie, die der Konzern in den letzten Jahren forciert: kreative Unabhängigkeit für die Entwickler, finanzielle Sicherheit und Marketing-Power vom Publisher. GamesWirtschaft berichtet detailliert über KRAFTONs Messepläne und die prominente Positionierung der fünf Marken in der Entertainment Area. Dass Titel wie Subnautica 2, InZoi oder PUBG: Battlegrounds in diesem Jahr keine Rolle spielen, zeigt die klare Marschrichtung: neue Gesichter, neue Franchises.
NO LAW und das Erbe von The Ascent
Das ambitionierteste Projekt im Lineup ist NO LAW von Neon Giant. Die schwedischen Entwickler von The Ascent wagen mit ihrem zweiten Spiel den Sprung von der isometrischen Perspektive in einen vollwertigen Ego-Shooter. Die No Law Vorschau zeigt, warum Port Desire mehr ist als eine kleinere Version von Night City: vertikale Architektur als Spielmechanik, dichte Umgebungen statt kilometerweiter Leerräume und ein Storytelling, das auf Entdeckung setzt statt auf Quest-Marker.
Die Prämisse ist stark: Grey Harker, Ex-Soldat, kämpft sich durch eine Hafenstadt, die zwischen drei verfeindeten Nationen eingeklemmt ist. Keine Gesetze, nur Konsequenzen. Neon Giant hat mit The Ascent bewiesen, dass sie dichte Cyberpunk-Atmosphäre beherrschen – der Launch litt jedoch unter technischen Problemen. Ob das Studio mit rund 30 Leuten einen stabilen Ego-Shooter mit Open World abliefert, wird sich zeigen müssen.
Project ZETA, Age Twisters und TARAE – KRAFTONs bunte Mischung
Die restlichen drei Titel könnten unterschiedlicher kaum sein. Project ZETA von NIRVANANA ist eine Taktik-Arena für mehrere Teams: vier Dreiergruppen kämpfen um ein Zielobjekt, die Action läuft in der Third-Person-Perspektive. Unsere Project ZETA Vorschau ordnet das Spiel im hart umkämpften MOBA-Markt ein – ein Genre, das Titel wie Supervive mit 37 Millionen Dollar Investment hat scheitern sehen. NIRVANANA ist ein Debüt-Studio, gegründet 2022, null veröffentlichte Spiele. Das Risiko ist hoch, die Idee (vier Teams, kein fester Side-Zwang) immerhin originell.
Age Twisters von Piccolo Studio geht den komplett entgegengesetzten Weg: ein Koop-Abenteuer mit geteiltem Bildschirm für zwei Spieler, erzählerisch orientiert an Titeln wie It Takes Two. Piccolo Studio hat mit After Us bereits gezeigt, dass sie emotionale, visuell starke Spiele bauen können. KRAFTON gewährt auf der gamescom erstmals einen öffentlichen Einblick.
TARAE: The Unbound von Boundary schließlich ist ein isometrisches Dark-Fantasy-Rollenspiel in einer von Ostasien inspirierten Welt. Mehr als den Genre-Mix und die erste öffentliche Vorstellung in Köln gibt KRAFTON nicht preis. Der Subnautica 2 Rechtsstreit zeigt, dass KRAFTONs Umgang mit Partnerstudios nicht immer reibungslos läuft – ein wichtiger Kontext für die neuen Second-Party-Projekte.
Was von KRAFTONs gamescom-Show übrig bleibt
Fünf Spiele, fünf komplett unterschiedliche Genres, vier externe Studios – KRAFTONs Lineup ist das deutlichste Signal, dass der Konzern sich vom PUBG-Eintrick-Pony zum Vollverlag entwickeln will. Die Qualität der Spiele lässt sich vor der Messe nicht beurteilen, aber die Richtung stimmt: Die Partnerstudios haben bewiesen, dass sie handwerklich was können (Neon Giant), emotional erzählen können (Piccolo Studio) oder zumindest mutige Konzepte verfolgen (NIRVANANA).
Die gamescom wird zeigen, ob KRAFTONs Zweite-Welle-Träger auch jenseits der Pressemitteilung überzeugen. Bis dahin bleibt vor allem eins: Vorfreude auf eine Messe, die für den Publisher richtungsweisender sein könnte als jedes Jahr zuvor.