CD Projekt RED hat große Pläne für die Hexer-Saga – aber keinen Platz für DLCs. Joint-CEO Michał Nowakowski machte in einer aktuellen Investorentelefonkonferenz deutlich, dass Erweiterungen für The Witcher 4 und die folgenden Teile „schwierig“ werden. Der Grund: Der polnische Entwickler will eine komplette Trilogie innerhalb von sechs Jahren veröffentlichen und hat schlicht keine Kapazitäten für zusätzliche Inhalte.
Nowakowskis klares Statement: Warum The Witcher 4 auf DLCs verzichten muss
Auf die Frage, ob die neue Witcher-Trilogie Platz für Erweiterungen biete, antwortete Nowakowski mit ungewohnt direktem Kurs: „Die Pläne sind, wie du in der Frage bereits angemerkt hast, ziemlich ambitioniert. Konkret geht es darum, drei Witcher-Spiele innerhalb von sechs Jahren zu veröffentlichen. Es wäre schwierig – um ehrlich zu sein – für uns, zusätzlich eine Erweiterung zur kommenden Trilogie zu entwickeln.“ Das ist kein kategorisches Nein, aber die klare Ansage, dass der Fokus auf den drei Haupttiteln liegt. Das Statement ist bemerkenswert, weil CDPR in der Vergangenheit mit genau solchen Erweiterungen Maßstäbe gesetzt hat – und weil es zeigt, wie sehr der Druck auf dem Studio lastet, die angekündigte Trilogie termintreu zu liefern.
Denn der Zeitplan ist ambitioniert: Geht man von einem Release von The Witcher 4 Ende 2027 aus (das aktuelle Ziel des Studios), müsste The Witcher 5 um 2030 erscheinen, der Abschluss der Saga um 2033. Innerhalb von sechs Jahren drei Open-World-Rollenspiele auf dem Niveau von The Witcher 3 zu stemmen, ist eine Ansage, die bei CDPRs historischer Delay-Kultur für Stirnrunzeln sorgt.
Drei Spiele in sechs Jahren – ein ambitionierter Plan mit Risiken
Ein Blick auf die Release-Historie von CD Projekt RED macht das Problem deutlich:
- The Witcher 1 (2007) → The Witcher 2 (2011): 4 Jahre
- The Witcher 2 (2011) → The Witcher 3 (2015): 4 Jahre
- The Witcher 3 (2015) → Cyberpunk 2077 (2020): 5 Jahre
Drei Spiele in sechs Jahren bedeuten einen Release alle 24 Monate – und das, obwohl CDPR gerade erst einen radikalen Engine-Wechsel von der hauseigenen REDengine zur Unreal Engine 5 vollzieht. Die UE5 ist zwar mächtiger und wird von Epic Games kontinuierlich optimiert, aber der Wechsel bedeutet für CDPR einen kompletten Neuanfang bei Tools, Pipelines und Workflows. Hinzu kommen die bekannten UE5-Kinderkrankheiten: Shader-Kompilations-Stottern, Framepacing-Probleme und hohe Hardware-Anforderungen, die dem Studio bei Cyberpunk 2077 bereits massiv auf die Füße gefallen sind. Zusätzlich hat CDPR einen neuen Multiplayer-Chef eingestellt – ein klares Signal, dass die neue Trilogie nicht mehr reine Solo-Erfahrungen werden.
Ein radikaler Bruch mit der eigenen DLC-Tradition
Die Ironie der Situation: CD Projekt RED hat mit den Erweiterungen zu The Witcher 3 den Goldstandard für Story-DLCs in der Branche gesetzt. Hearts of Stone erschien nur 4,5 Monate nach dem Hauptspiel, Blood and Wine folgte nach 12 Monaten – beide mit über 92 Prozent positiven Bewertungen auf Steam. Blood and Wine lieferte eine komplett neue Region (Toussaint), rund 20 Stunden Spielzeit und kostete gerade einmal 19,99 Euro. Zum Vergleich: Viele heutige DLCs bieten weniger Inhalt zum doppelten Preis.
Nowakowskis Aussage ist daher nicht nur eine Ressourcenfrage, sondern auch ein strategisches Signal. Während Studios wie FromSoftware mit Elden Ring: Shadow of the Erdtree oder Larian mit Baldur’s Gate 3 beweisen, dass große Story-Erweiterungen weiterhin extrem profitabel sind, zieht CDPR in die entgegengesetzte Richtung. Die Frage, die sich aufdrängt: Wenn keine DLCs geplant sind – wird die Monetarisierung dann über Multiplayer-Elemente oder Mikrotransaktionen abgefangen? Die Einstellung eines Multiplayer-Experten spricht eine deutliche Sprache.
Songs of the Past und die Frage nach der Entwicklung
Dass CDPR generell nichts gegen Erweiterungen hat, zeigt die überraschende Ankündigung von Songs of the Past für The Witcher 3 – eine neue Erweiterung, die satte 11 Jahre nach dem Original erscheinen soll. Die Erweiterung wird Geralt wohl ein letztes großes Abenteuer bescheren und könnte gleichzeitig als Brücke dienen, um Ciri als neue Hauptfigur emotional zu verankern.
Denn dass Ciri in The Witcher 4 die Hauptrolle übernimmt, hat CDPR inzwischen offiziell bestätigt. Ein mutiger Schritt – aber einer, der das Studio vor die Herausforderung stellt, eine neue Protagonistin genauso liebenswert zu schreiben wie den bärtigen Hexer, der die Spieler 15 Jahre lang begleitet hat.