Vier Jahre ist es her, dass Studio Trigger mit einer zehnteiligen Anime-Serie das fast schon aufgegebene Cyberpunk 2077 zurück ins Gespräch brachte. Millionen kehrten nach Night City zurück, David Martinez‘ Schicksal brannte sich ins kollektive Gedächtnis einer ganzen Gaming-Generation – und jetzt, 2026, ist der erste richtige Trailer zu Edgerunners 2 da. Der Ton ist gesetzt: „Night City at its most brutal“, heißt es in der Ankündigung. Der Trailer zeigt gehackte Autos, die ineinanderkrachen, Explosionen, blutige Schießereien und vier völlig neue Gesichter, die durch dieselbe gnadenlose Stadt irren. Und am 3. Juli gibt es auf der Anime Expo in Los Angeles den ersten detaillierten Blick darauf, was das genau bedeutet.
Vier Fremde, eine Stadt, null Chance
Die neue Besetzung steht: Weak Kingsley, einst gefeierter Edgerunner an der Spitze seines Spiels, jetzt ein Schatten seiner selbst. D, ein Netrunner der Snake Nation, der den Mörder seines gesamten Clans jagt. Talia Yang, eine Corpo, deren Herz laut offizieller Beschreibung „Chrom und Gewalt“ gehört. Und Roman Carax, ein junger Cineast, der in einer Stadt, die Kino gegen Braindances eingetauscht hat, nach echten Geschichten sucht. Das klingt nach einer bewusst ungleichen Truppe – keine geborenen Helden, sondern Leute, die aus unterschiedlichsten Richtungen auf denselben Abgrund zusteuern.
Wie Game Informer berichtet, sind die Synchronsprecher mit Kentaro Tone, Momoka Terasawa, Koki Uchiyama und Akari Kitō hochkarätig besetzt. Wer den Edgerunners 2 First Look vom Mai kennt, weiß: Bartosz Sztybor hat bereits angekündigt, dass Staffel 2 „düsterer, blutiger und roher“ wird. Der Trailer deutet an, dass Roman mit seiner Kamera immer dann zur Stelle ist, wenn die anderen drei in brutale Auseinandersetzungen verwickelt sind – eine Metapher, die direkt in die Logline der Serie führt: „Wenn die Welt vom Spektakel geblendet ist, wie weit musst du gehen, damit deine Geschichte zählt?“ Das ist keine leichte Kost. Aber wer dachte, Edgerunners 1 wäre ein Spaziergang durch Night City gewesen, hat die Serie nicht verstanden.
Trigger bleibt sich treu – und geht doch Risiken ein
Kai Ikarashi, der bereits bei Staffel 1 die Episode „Girl on Fire“ inszenierte, übernimmt die Regie für die gesamte zweite Staffel. Mit dabei sind wieder Bartosz Sztybor als Showrunner und Masahiko Ōtsuka als Autor – also genau die Leute, die David Martinez‘ Geschichte zu dem emotionalen Brett gemacht haben, das sie war. Dass das Team auf eine komplett neue Besetzung setzt, ist mutig. David Martinez war das Gesicht von Edgerunners, sein Tod auf dem Arasaka-Tower einer der meistdiskutierten Anime-Momente der letzten Jahre.
Die Entscheidung, ihn nicht zurückzuholen, ist trotzdem die einzig richtige. Edgerunners positioniert sich damit als Anthologie-Reihe, in der Night City die einzige Konstante ist – eine Bühne für immer neue Tragödien. Das erinnert an „True Detective“ oder „American Horror Story“, nur mit mehr Chrom und Schießereien. Ob das funktioniert, hängt davon ab, ob die neuen Charaktere genug Tiefe mitbringen, um das emotionale Vakuum zu füllen, das David und Lucy hinterlassen haben. Der Trailer macht Hoffnung – aber zum fünften Geburtstag von Cyberpunk 2077 gab es auch schon eine TCG-Ankündigung, die mehr Fragen aufwarf als Antworten lieferte.
Der schmale Grat zwischen Universum und Verwässerung
Edgerunners 2 kommt zu einem Zeitpunkt, an dem CD Projekt RED die Marke aggressiv ausbaut. Wuthering Waves bekommt ein Edgerunners-Crossover, Guilty Gear Strive hatte einen Gastauftritt, und der Manga erweitert das Universum auf Papier. Gleichzeitig steckt Project Orion – der Cyberpunk 2077 Nachfolger – noch in der Vorproduktion, wie der CDPR-CEO den Vertrauensverlust einräumte. Ein Sync-Effekt wie 2022, als die erste Staffel mit dem stabilen 1.5-Update zusammenfiel und das Spiel zurück an die Spitze der Steam-Charts katapultierte, wird es diesmal nicht geben.
Das muss kein Problem sein. Edgerunners 2 ist stark genug, um eigenständig zu stehen – die Frage ist nur, wie lange CDPR das Edgerunners-Feuer am Brennen halten kann, bevor die Marke ausgelaugt ist. Die Musik von Rico Nasty, der Trailer, die Synchronsprecher: Alles deutet auf eine Serie hin, die sich ihrer Sache sicher ist. Ob sie das auch ohne den Rückenwind eines frisch patchierten AAA-Spiels sein kann, zeigt sich im Herbst.