Microsoft verliert mit jeder verkauften Xbox Series X und Series S rund 150 Dollar – und die Preiserhöhung ab August wird daran nichts ändern. Die Zahlen stammen aus dem Umfeld von Windows Central-Redakteur Jez Corden, der die Kostenstruktur der laufenden Generation offenlegt. Die bittere Pointe: Es ist das erste Mal in der Konsolengeschichte, dass eine Generation im Laufe ihrer Lebenszeit teurer, aber nicht profitabler wird.
150 Dollar Verlust – und die Preiserhöhung repariert es nicht
Die Rechnung ist brutal einfach: Die Herstellung einer Xbox Series X kostet Microsoft mehr, als der Verkaufspreis einbringt. Selbst nachdem die Preise ab August 2026 noch einmal drastisch steigen – die Series X kostet dann 799,99 statt 649,99 Dollar – bleibt ein Minus von rund 150 Dollar pro Gerät. Cordens Quelle zufolge frisst vor allem der Speichermarkt die Margen auf: Der KI-Boom hat die Preise für Hochleistungs-SRAM und GDDR-Speicher explodieren lassen, und Konsolenhersteller stehen in der Lieferkette ganz hinten an.
Während Nvidia und AMD ihre Fertigungskapazitäten an Rechenzentren verkaufen, bleiben für Microsoft nur die teuren Restkontingente. Die Preiserhöhung ab dem 1. August ist also kein Zeichen von Stärke, sondern das Eingeständnis, dass das klassische Razor-and-Blades-Modell – Konsole günstig verkaufen, Geld mit Spielen verdienen – unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr funktioniert.
Was die Xbox-Ally-Zahlen über das eigentliche Problem verraten
Dass die Preiserhöhung nicht ausreicht, liegt nicht nur an hohen Komponentenkosten. Ein internes Xbox-Dokument zeigt ein zweites, mindestens ebenso fundamentales Problem: Xbox kann offenbar nicht mehr genug Geld mit den Spielen verdienen, die auf der eigenen Plattform laufen. Der indirekte Beweis dafür liefern die Nutzerzahlen des Xbox Ally.
75 Prozent der Besitzer von Microsofts Handheld haben ein Game Pass Ultimate- oder PC Game Pass-Abo – auf den ersten Blick ein Traumwert. Aber der Teufel steckt im Detail: Bei jenen Ally-Nutzern, die keine Xbox-Konsole besitzen, liegt die Attach-Rate für das Xbox-Ökosystem bei mageren zwei Prozent. Der Game Pass bindet nur diejenigen, die bereits im Xbox-Kosmos leben – Neueinsteiger landen auf Steam. Das ist kein Zufall, sondern der Beleg dafür, dass Microsofts Plattform-Magie außerhalb des eigenen Hardware-Gartens verpufft.
Genau hier liegt das strukturelle Dilemma: Wenn Käufer der Hardware nicht in die hauseigene Spielplattform investieren, bricht die zweite Hälfte des Razor-and-Blades-Modells weg. Die Konsole kostet Microsoft Geld, aber die Spieleverkäufe füllen die Kasse nicht mehr. Dass Microsoft parallel Massnahmen wie die Einstellung von Copilot for Consoles und die Rücknahme der Game-Pass-Preiserhöhung eingeleitet hat, zeigt, wie tief die Verunsicherung in Redmond sitzt.
Was Project Helix über die Zukunft des Konsolenmodells verrät
Die eigentliche Frage ist, was diese Verluste für die nächste Generation bedeuten. Project Helix, Microsofts Next-Gen-Konsole, ist Gerüchten zufolge als offene Plattform konzipiert – mit Unterstützung für Steam, Battle.net und andere Stores. Das klingt nach Spielerfreundlichkeit, ist aber vor allem eine Notwendigkeit: Wenn Microsoft keine exklusive Plattform-Bindung mehr erzwingen kann, muss die Hardware selbst Geld verdienen. Die Analyse zum direkten Vergleich mit der PS6 zeigt, dass Project Helix auf einem massiven Chip mit über 400 Quadratmillimetern basiert – teuer in der Fertigung, schwer zu subventionieren.
Die Parallele zum Xbox Ally ist dabei kein Zufall. Dessen Preis von 999,99 Dollar begründete Corden mit genau derselben Logik: Wer keine eigene Storefront hat, über die er die Hardware querfinanzieren kann, muss den vollen Preis verlangen. Genau das droht Project Helix. Xbox-Chefstratege Matthew Ball spricht öffentlich davon, „das Konsolenmodell neu zu denken“ – und die Plattform-unabhängige Strategie, die Microsoft mit Positron und den PC-Ports alter Xbox-Spiele seit Monaten vorbereitet, deutet in dieselbe Richtung. Die nächste Xbox wird wahrscheinlich teurer, offener – und ein ganz anderes Produkt als alles, was wir bisher unter „Konsole“ verstanden haben.