Man kann vieles über den Game Pass sagen, aber eines nicht: dass Microsoft ihn nicht versucht hätte. Milliarden in Studios investiert, Übernahmen auf Pump, fünf Jahre lang alles auf eine Karte gesetzt. Mike Brown, neun Jahre Creative Director bei Forza Horizon 5 und heute CEO von Maverick Games, hat im MinnMax-Podcast jetzt gesagt, was die Abozahlen seit Monaten zeigen, aber keiner offiziell zugeben will: Das Konzept war richtig, aber nicht genug Leute haben gezahlt. Es gab einen Moment, da schien Game Pass die Rettung für Xbox zu sein – heute erklärt Brown, warum dieser Traum geplatzt ist. Nicht mit Häme, sondern mit Bedauern. Weil er weiß, was jetzt kommt.
Was Mike Brown wirklich gesagt hat
Mike Brown kennt Xbox von innen. Neun Jahre bei Playground Games, Creative Director von Forza Horizon 5, heute CEO von Maverick Games. Wenn er redet, redet kein Blogger, kein Analyst – sondern jemand, der selbst Teil des Systems war.
Im MinnMax-Podcast hat er jetzt gesagt, was viele hinter vorgehaltener Hand vermuten, aber selten so direkt aussprechen: „Das Konzept von Game Pass war gut. Ein Abo, erschwinglich, Spiele zu mehr Leuten bringen, eine diverse Auswahl.“ Klingt nach Lob – und ist es auch. Aber dann kommt der Satz, der wehtut: „Nicht genug Leute haben zu den Preisen abonniert, die nötig gewesen wären, um das Geschäftsmodell tragfähig zu machen.“
Brown verteidigt ausdrücklich die Leute bei Xbox gegen die öffentliche Kritik. Weder Phil Spencer noch Sarah Bond bekommen von ihm einen Schuldspruch. Im Gegenteil: „So sehr die Leute mit dem Finger zeigen und einzelne Xbox-Mitarbeiter zu Bösewichten erklären – das Konzept war gut.“ Die Schuld, wenn man sie denn suchen will, liegt in einer einfachen Rechnung, die nie aufging: zu wenige Abos, zu hohe Kosten.
Besonders bitter wird es, wenn Brown die 70-Milliarden-Übernahme von Activision Blizzard ins Spiel bringt. „Wenn mehr Leute abonniert hätten, hätte das Geld gereicht, um diese Übernahme finanziell sinnvoll zu machen.“ Hat nicht gereicht. Und die Folgen? „Wir werden sehen, wie Studios geschlossen oder abgestoßen werden. Viele Leute werden ihre Jobs verlieren.“
Wie konnte eine gute Idee scheitern?
Die Kurzfassung: 30 Millionen Abos bei einem Ziel von 77 Millionen. Das ist die Zahl, die Browns Bedauern in Fakten übersetzt.
Microsoft hatte sich 2023 im FTC-Verfahren selbst ein Ziel gesetzt: 77 Millionen Abonnenten bis Geschäftsjahr 2027. Phil Spencer persönlich sagte damals, ohne diese Marke würde Microsoft „nicht im Gaming-Geschäft bleiben“. Heute, Sommer 2026, liegt der Game Pass bei geschätzten 30 Millionen. Und das, nachdem Call of Duty seit März 2025 im Abo ist/war. Der große Treiber hat nicht gezogen.
Die Dynamik dahinter ist brutal einfach: Der Game Pass war auf Masse angewiesen. Studios kaufen, Gehälter zahlen, Spiele finanzieren – alles basierend auf der Prognose, dass die Abozahlen weiter steigen. Aber sie sind gefallen. Von 34 Millionen im Februar 2024 auf rund 30 Millionen. Die Preiserhöhung im Oktober 2025 (Ultimate von 17,99 auf 26,99 Euro) hat Millionen Abos gekostet. Microsoft senkte den Preis im April 2026 wieder – aber der Vertrauensverlust sitzt.
Moon-Studios-CEO Thomas Mahler hatte Microsofts First-Party-Output vor Wochen als „mittelmäßigen Content aus der Fabrik“ bezeichnet. George Broussard, CEO von Moon Studios, sprach von fehlenden „Smash Hits, kulturellen Events, die jeder spielen will“. Browns Aussage ist die dritte Stimme in einem Chor, der immer lauter wird: Der Game Pass hatte nicht die Spiele, um die Massen bei Laune zu halten – und nicht die Massen, um die Spiele zu finanzieren.
Die Konsequenzen: Studios dicht, Jobs weg, Strategiewechsel
Brown spricht im Podcast aus, was die Abozahlen seit Monaten signalisieren: Der Game Pass kann nicht halten, was er versprochen hat. Und die Folgen sind kein abstraktes „der Markt regelt“, sondern konkret und brutal.
3.200 Entlassungen hat Xbox-CEO Asha Sharma im Juni angekündigt. Vier Studios – Compulsion Games, Double Fine, Ninja Theory, Undead Labs – wurden abgestoßen. Arkane Lyon steht vor dem Verkauf. Drittanbieter-Deals für den Game Pass sind eingefroren, wie Publishing-Veteran Fernando Rizo im Podcast „Business of Video Games“ bestätigt hat. Deals, die kurz vor der Unterschrift standen, wurden gestoppt.
Selbst die größten Spiele der eigenen Firma meiden inzwischen das Abo: Call of Duty Modern Warfare 4 wirbt damit, dass es nicht im Game Pass erscheint. Das ist kein Zufall, sondern Strategie. Direktverkäufe sind wichtiger als Abobindung. Sharma setzt auf Hardware, Exklusivtitel und Qualität – das Gegenteil von Spencers „Content um jeden Preis“.
Und das Tragische daran? Browns Analyse trifft den Kern: Das Konzept war gut. Ein Abo, das erschwinglich bleibt, das Studios finanziert, die sonst keine Chance hätten, das Nischenspielen eine Bühne gibt. Es war kein schlechter Gedanke. Er war nur nicht tragfähig in der Größe, in der Microsoft ihn gedacht hat. 69 Milliarden für Activision, 30 Millionen Abos – diese Rechnung geht nicht auf, egal wie gut die Idee war.
