Ein Industrie-Podcast sorgt gerade für Unruhe in der Xbox-Welt. Fernando Rizo, Partner bei Caboodle Games und Co-Host des „Business of Video Games“-Podcasts, war auf dem First-Playable-Event in Italien. Dort hörte er von mehreren Entwicklern dasselbe: Xbox hat sämtliche Verhandlungen über neue Game Pass Deals für Drittanbieter auf Eis gelegt – und das mitten in fortgeschrittenen Gesprächen. Rizo spricht von Deals, die kurz vor der Unterschrift standen. „Allen wurde der Teppich unter den Füßen weggezogen“, sagt er im Podcast. Die Aussage wiegt schwer, denn Rizo ist kein Blogger, der Gerüchte sammelt – er ist ein Branchenkenner, der selbst noch vor Kurzem einen Game Pass Deal für sein Studio abgeschlossen hat. Und er glaubt, dass es einer der letzten war.
Der Teppich weggezogen – was Rizo auf dem Branchenevent hörte
„Loads of people who were in the frame for Game Pass deals – i.e., you know, nothing was inked yet, but the deals were in advanced discussions – everybody got the rug pulled out from under them.“ Die Wortwahl von Rizo ist deutlich. Er spricht nicht von einer einzelnen Absage, sondern von einer systematischen Blockade.
Seine Einschätzung: Game Pass sei nicht tot, aber Xbox sei gerade in einer Phase des „figuring it out“. Die neue Führung unter Asha Sharma müsse Prioritäten klären. Und während Microsoft darüber nachdenkt, wie es mit dem Abodienst weitergeht, zahlen die Studios den Preis – jene, die sich auf die Deal-Zusagen verlassen hatten. Rizos eigener Deal mit seinem Studio Caboodle Games könnte laut ihm „einer der letzten gewesen sein, die überhaupt noch gemacht wurden“. Dass ausgerechnet ein Podcast-Co-Host die Nachricht überbringt, ist bezeichnend – und zeigt, wie nervös die Branche geworden ist. Die Preisschocks der letzten Monate passen ins Bild: Xbox ist im Sparmodus.
Schreier sah es kommen: Studios werden bestraft, weil sie Befehle befolgten
Die Game Pass Einfrierungen passen nahtlos in ein größeres Bild, das Bloomberg-Journalist Jason Schreier bereits skizziert hat. In einem aktuellen Video spricht Schreier offen über die bevorstehenden Massenentlassungen bei Microsoft. „Das Wort Blutbad wurde in den Raum geworfen“, sagt er über die Gespräche mit seinen Quellen. Und er richtet einen Vorwurf an die Xbox-Führung: Studios wie Compulsion Games und Double Fine wurden von Microsoft selbst ermutigt, kleinere Spiele für Game Pass zu entwickeln.
Jetzt, wo der Wind sich dreht, werden genau diese Studios zur Rechenschaft gezogen. „Viele dieser Studios haben selbst genug Fehler gemacht“, räumt Schreier ein. „Aber in vielerlei Hinsicht werden sie heute dafür bestraft, dass sie Befehle befolgt haben.“ Die Parallele zu den zugefrorenen Deals ist offensichtlich: Xbox bremst Drittanbieter aus, bestraft eigene Studios und bereitet sich auf einen harten Schnitt vor. Die Bestrafung eigener Studios ist kein Einzelfall, sondern System.
Game Pass am Scheideweg: Zwischen Blutzoll und Identitätssuche
Die eingefrorenen Deals sind nicht der einzige Puzzlestein. Microsoft hat bereits Preiserhöhungen für Game Pass durchgesetzt und Call of Duty vom Launchtag des Abos genommen – ein Eingeständnis, dass die direkten Verkäufe der Activision Blizzard Spiele wichtiger sind als die Abobindung. Thomas Mahler, Chef von Moon Studios, formulierte es in der vergangenen Woche deutlich: Microsoft würde „mittelmäßigen Content wie aus einer Fabrik ausspucken“. Seine Kritik traf einen Nerv – und Moon Studios‘ CEO zerlegte Microsofts Politik mit harten Zahlen.
Die Frage ist, ob Game Pass langfristig überleben kann, wenn Microsoft gleichzeitig die Drittanbieter-Deals einfriert, die eigenen Studios schließt und die Preisgestaltung nicht in den Griff bekommt. Das Geschäftsmodell „Netflix of Gaming“ war schon immer teuer. Jetzt scheint Microsoft den Rückwärtsgang einzulegen – und nimmt dafür in Kauf, dass die Plattform an Attraktivität verliert. Dass erfolgreiche Xbox-Spiele die Verluste durch Flops querfinanzieren mussten, zeigt, wie tief die Probleme tatsächlich sitzen.