The Elder Scrolls Online hat durch die Microsoft-Entlassungen die Hälfte seines Teams verloren. Die Zahl kommt von mehreren internen Quellen, die mit Kotaku gesprochen haben – über 20 ehemalige Angestellte haben allein auf LinkedIn ihren Abschied von Zenimax Online Studios verkündet, viele davon mit über zehn Jahren Betriebszugehörigkeit. Dass das Studio schon im letzten Jahr massiv Federn lassen musste, macht die Sache nicht besser: Damals strich Microsoft das Sci-Fi-MMO Project Blackbird komplett, der Gründer des Studios trat aus Protest zurück. Und jetzt, wo ESO mit Season 1 endlich seinen neuen saisonalen Kurs einschlagen will, kommt der nächste Schlag – und zwar mitten in den Launch.
- Bis zu 50 Prozent des Teams weg – was wirklich hinter den ESO-Layoffs steckt
- Die Roadmap, die keine mehr ist: Season 1 startet – und dann?
- Schon der zweite Schlag innerhalb eines Jahres – Project Blackbird und die systematische Zerschlagung
- Was von Zenimax übrig bleibt – und wer noch zahlen darf
- Auf den Pixel gefühlt…
Bis zu 50 Prozent des Teams weg – was wirklich hinter den ESO-Layoffs steckt
Community Manager Jessica Folsom hat sich am Montag im offiziellen Forum zu Wort gemeldet. Der Ton war freundlich, die Botschaft war es nicht: „The roadmaps we previously shared will be shifting.“
Man wolle sich Zeit nehmen, die Arbeit zu evaluieren und dann einen neuen Zeitplan vorlegen. Konkrete Daten? Fehlanzeige. Was Folsom nicht sagt, aber zwischen den Zeilen steht: Ein Team, das zur Hälfte weg ist, kann nicht einfach weitermachen wie zuvor. Mehrere noch aktive Entwickler haben gegenüber Kotaku ihre Sorge geäußert, dass ESO mit so wenigen Leuten „weiterhin funktionieren“ könne – die freundliche Umschreibung für „wir wissen nicht, ob das gutgeht“.
Die Roadmap, die keine mehr ist: Season 1 startet – und dann?
Folsoms Post bestätigt ausdrücklich, dass Season 1 wie geplant startet. Aber der Satz „looking beyond Season One“ macht klar: Ab Tag zwei nach dem Launch ist alles offen.
Die bittere Ironie: Erst im April feierte Zenimax den Wechsel zum Saisonmodell als Neuanfang für ESO. Saison Null – die Einführungs-Season – endet am 8. Juli, also heute. Der nahtlose Übergang in Season 1 war der Plan. Dass ausgerechnet jetzt die Hälfte des Teams weg ist, wirft die Frage auf, wer die Inhalte für Season 2 und 3 überhaupt noch bauen soll. Die Roadmap-Verschiebung ist kein Zeichen von Vorsicht, sondern ein Eingeständnis: Es gibt schlicht nicht genug Leute, um das zu liefern, was versprochen wurde.
Schon der zweite Schlag innerhalb eines Jahres – Project Blackbird und die systematische Zerschlagung
Was diese Runde besonders bitter macht: Es ist nicht das erste Mal. Letztes Jahr verlor Zenimax Online bereits einen großen Teil seiner Belegschaft, Microsoft strich Project Blackbird – ein Sci-Fi-MMO, das seit 2018 in Entwicklung war, ohne je in die Vollproduktion zu gehen.
Der damalige Studio-Gründer Matt Firor trat zurück, weil Microsoft sein Herzensprojekt gekillt hatte. Ex-Mitarbeiter gründeten daraufhin eigene Studios wie Sackbird Studios und Ironroot Games. Jetzt der zweite Schlag – und in einem Umfeld, in dem sich die Xbox-Sparte in einer tiefen Finanzkrise befindet, drängt sich die Frage auf: Wie viele Enthauptungen kann ein Studio überleben, bevor es endgültig aufhört zu funktionieren? Bloombergs Jason Schreier stellte immerhin klar, dass Bethesda nicht auf nur Fallout und The Elder Scrolls reduziert wird – aber für Zenimax Online selbst ist dieser Trost nur ein schwacher.
Was von Zenimax übrig bleibt – und wer noch zahlen darf
Die ESO-Community hat in den letzten zwölf Monaten viel gelernt. Sie hat gelernt, dass Saison-Updates nicht zwangsläufig besser sind als Erweiterungen – sie sind nur billiger in der Produktion. Sie hat gelernt, dass Gewerkschaften (ESO QA und das restliche Team haben sich der CWA angeschlossen) nicht vor Entlassungen schützen. Microsofts Gaming-CEO hatte bereits im Juni harte Entscheidungen angekündigt – jetzt zeigt sich, was das konkret bedeutet. Und die Community wird lernen, wie ein 11 Jahre altes MMO weitermacht, wenn die Hälfte der Leute weg ist, die es am Laufen gehalten haben.
Die Zukunft von ESO hängt nicht an Folsoms netten Worten im Forum. Sie hängt daran, ob Microsoft bereit ist, ein profitables Spiel (ESO hat über 2 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und generiert angeblich 15 Millionen pro Monat) weiter ausreichend zu finanzieren – oder ob der Sparkurs am Ende auch Tamriel erreicht.
Auf den Pixel gefühlt…
Kurz, präzise, unbestechlich