Thomas Mahler hat die Nase voll. Der CEO von Moon Studios, bekannt für die Ori-Reihe und No Rest for the Wicked, hat sich in einem Social Media Post Luft gemacht – und dabei kein gutes Haar an Microsofts Game Pass Strategie gelassen. Dass ausgerechnet ein Studio-Chef mit makellosem Track Record so deutlich wird, ist ein Paukenschlag. Und George Broussard, Mitgründer von 3D Realms, pflichtet ihm bei.
Der Vorwurf: Microsoft versteht nicht, was ein gutes Spiel ist
Auslöser war ein Post von Broussard, in dem er Microsoft vorwarf, für 100 Millionen Dollar Projekte wie South of Midnight grünes Licht gegeben zu haben, während die Renditevorgaben für Studios gnadenlos sind. Mahler antwortete mit einer Klartext-Abrechnung.
„Wenn die Leute mitgemacht hätten, wäre die Strategie aufgegangen. Aber sie haben es nicht getan. Der Software-Katalog war einfach bei Weitem nicht gut genug, um die Leute glücklich jeden Monat ihr Abo zahlen zu lassen.“
Er zieht einen Vergleich zu Streaming-Diensten: Er zahle weiter für sein HBO-Abo wegen hochwertiger Serien wie The Wire und The Sopranos. Game Pass brauche ein ähnliches Qualitätsniveau. Und dann wird er konkret.
„Ihr braucht Spiele, die zu absoluten Smash-Hits werden, zu kulturellen Ereignissen, die jeder spielen will. Aber was war das große Xbox-Spiel der letzten Jahre, das einfach nur großartig war? Dieses Spiel existiert nicht.“
Der Satz, der besonders wehtut: „Fast jedes First-Party-Studio dümpelt seit Jahren vor sich hin.“ IGN berichtet zeitgleich, dass Xbox Game Pass nach dem 50-Prozent-Preisaufschlag Millionen Abonnenten verloren hat – die Zahlen bestätigen Mahlers Analyse auf schmerzhafte Weise.
Ein „Skyrim im Weltraum“ – doch dann kam Starfield
Mahlers schärfster Angriff zielt auf Bethesdas größte Enttäuschung. Er beschreibt, was Microsoft mit Zenimax hätte erreichen können: „Man würde von Bethesda ein ‚Skyrim im Weltraum‘ erwarten, das besser sein müsste als Skyrim – weil das ein altes Spiel war. Aber stattdessen haben wir Starfield bekommen.“
Dass der Katalog an guten Xbox-Spielen nicht ausreicht, um Abonnenten bei der Stange zu halten, ist auch intern kein Geheimnis mehr. Microsofts CSO Matthew Ball hatte auf dem Summer Game Fest eingeräumt, dass der Dienst massiv Abonnenten verloren habe. Unser Game-Pass-Bericht dokumentiert die Preiskurve von 17,99 Euro über 26,99 Euro zurück auf 20,99 Euro – ein Hin und Her, das Vertrauen gekostet hat.
Mahlers Fazit: Microsoft müsse „tief und fundamental verstehen, was Gamer wollen und was ein gutes Spiel von einem mittelmäßigen unterscheidet.“ Solange das nicht passiert, werde der Dienst nicht funktionieren.
Broussard geht noch weiter
George Broussard untermauert Mahlers Kritik mit einer düsteren Prognose. Er schreibt: „Ich habe es schon früher gesagt: Ich glaube nicht, dass Xbox die DNA hat, das Schiff noch herumzureißen. Ihr werdet eine Phase des Kahlschlags erleben, in der alles vermeintlich Fette und Überflüssige gestrichen wird.“
Seine Analyse deckt sich mit dem, was Microsofts CEO Asha Sharma selbst in einem internen Memo eingeräumt hat: Die Gaming-Sparte hat in fünf Jahren 20 Milliarden Dollar investiert und gleichzeitig fast 500 Millionen Dollar Umsatz verloren.
Die Ironie: Mahlers Studio Moon Studios hat mit No Rest for the Wicked ein Spiel, das Xbox-Fans gerne spielen würden – aber die Xbox-Version kommt nicht zum Launch. Grund ist die schwächere Series S, die die Optimierung laut Mahler „schwierig“ macht. Der IGN-Bericht zur Series-S-Problematik zeigt: Studios müssen sich zwischen Aufwand und Verzicht entscheiden, und immer häufiger fällt die Wahl gegen Xbox.
Ein Aufschrei, der sitzt
Mahler trifft mit seiner Kritik einen Nerv, weil er nicht von außen kommt. Moon Studios hat bewiesen, dass sie exzellente Spiele abliefern können. Wenn einer wie er sagt, dass Xbox nicht versteht, was ein gutes Spiel ausmacht, dann ist das kein Hater-Take – das ist ein Urteil von der Werkbank. Und wenn Broussard, der Duke Nukem und die gesamte Shareware-Ära mitgeprägt hat, hinzufügt, dass Xbox nicht die DNA für die Wende habe, dann ist das mehr als heiße Luft.
Die Frage ist: Hört jemand zu? Microsofts Hardware-Strategie hängt am seidenen Faden, der Game Pass hat seinen Zenit offenbar überschritten, und die Studios, die Microsoft kaufen muss, um Inhalte zu liefern, stehen vor dem Aus. Mahler hat gesagt, was viele denken. Ob es was ändert, ist eine andere Geschichte.