Der Xbox Game Pass hat laut Wall Street Journal rund 30 Millionen Abonnenten. Das klingt nach einer Menge, bis man die Zahl neben die legt, die Microsoft sich selbst gesetzt hatte: 77 Millionen bis zum Geschäftsjahr 2027. Weniger als die Hälfte des Ziels. Und das nach einer Preiserhöhung, die Millionen Abos gekostet hat, nach fünf Jahren Übernahmewut für 70 Milliarden Dollar und nachdem Ex-CEO Phil Spencer höchstpersönlich damit drohte, dass Microsoft ohne diese Marke das Gaming-Geschäft aufgeben müsse. Jetzt sind die Zahlen da – und sie erklären besser als jedes interne Memo, warum Asha Sharma diese Woche 3.200 Mitarbeiter entlassen und vier Studios abgestoßen hat. Der Reset war kein Plan. Er war die Quittung.
77 Millionen sollten es sein – geworden sind es 30
Die konkrete Zahl kommt von einer mit der Sache vertrauten Person, die mit dem Wall Street Journal gesprochen hat. Rund 30 Millionen Abos, heißt es, keine klare Tendenz nach oben. Das ist ein deutlicher Rückgang vom Höchststand von 34 Millionen im Februar 2024 – und Welten entfernt von der 77 Millionen Marke, die Microsoft noch 2023 im FTC-Verfahren als internes Ziel genannt hatte.
Die Ironie ist eisern: Ausgerechnet der Deal, der den Game Pass angeblich auf die nächste Stufe heben sollte – die 69 Milliarden Übernahme von Activision Blizzard – hat das Abo nicht wachsen lassen. Call of Duty ist seit März 2025 im Game Pass, und trotzdem sind die Zahlen gefallen, nicht gestiegen. Wie wir in unserer Reset-Analyse dokumentiert haben, steckt das Unternehmen in der tiefsten Krise seiner Gaming-Geschichte.
Phil Spencers drohende Worte holen Xbox ein
Wer sich an den FTC-Prozess 2023 erinnert, der weiß: Phil Spencer hat den Game Pass nicht als nettes Extra verkauft, sondern als Existenzfrage. „Ich glaube nicht, dass Microsoft im Gaming-Geschäft bleiben würde“, sagte er, falls das 77 Millionen Ziel nicht erreicht würde. Kein Stakeholder-Management, keine Übertreibung – ein CEO, der die Zukunft seiner gesamten Sparte an eine einzige Zahl knüpft.
Diese Aussage wiegt heute schwerer als jedes interne Memo. Denn es geht nicht mehr um die Frage, ob der Game Pass wächst, sondern darum, ob Microsoft unter diesen Voraussetzungen überhaupt weitermachen will wie bisher. Activision hat bereits reagiert: Call of Duty Modern Warfare 4 wirbt damit, dass es nicht im Game Pass erscheint. State of Decay 3 könnte ohne Game Pass Garantie starten, nachdem Undead Labs an einen neuen Besitzer verkauft wurde. Das Abo, das alles verändern sollte, wird von den wichtigsten Spielen der eigenen Firma gemieden.
Preiserhöhung, Vertrauensverlust, Reset – was vom Abo-Traum übrig bleibt
Die Rechnung ist einfach, aber brutal. Microsoft hob den Preis für Game Pass Ultimate im Oktober 2025 von 17,99 auf 26,99 Euro an. Chief Strategy Officer Matthew Ball sprach danach öffentlich von Millionen Abonnenten, die abgesprungen sind. Das Unternehmen senkte den Preis im April 2026 wieder auf 22,99 Dollar, aber der Vertrauensverlust sitzt tief.
Moon Studios CEO Thomas Mahler hatte es auf den Punkt gebracht: Der Software-Katalog sei „bei Weitem nicht gut genug“ gewesen, um die Leute glücklich jeden Monat ihr Abo zahlen zu lassen. Ein Studio-Chef, der intern kein Blatt vor den Mund nimmt, ist das eine. Aber wenn die Abozahlen dasselbe sagen, wird aus Kritik ein Fakt. George Broussard hatte bereits Anfang Juli vor dem Ausmaß dieser Welle gewarnt – und auch er lag richtig.
Der Game Pass ist nicht tot – aber er rettet Xbox auch nicht mehr
Es gibt einen Unterschied zwischen einem gescheiterten Dienst und einem, der seine ursprüngliche Funktion verloren hat. Der Game Pass generiert nach wie vor fast fünf Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr. Er wird nicht sterben. Aber er ist nicht mehr der Heilsbringer, als den Microsoft ihn fünf Jahre lang beworben hat. Die Drittanbieter-Deals sind eingefroren. Die großen First-Party-Titel kommen nicht mehr am Launchtag ins Abo. Und die Studios, die den Game Pass mit Inhalten versorgen sollten, werden abgestoßen, noch bevor ihre Spiele fertig sind.
Was bleibt, ist ein Abo-Dienst, der irgendwo zwischen Netflix und Steam feststeckt – zu teuer für den Gelegenheitsspieler, zu dünn für den Hardcore-Fan. Die 30 Millionen sind kein schlechter Wert für einen Nischendienst. Aber für einen Dienst, der Microsofts gesamte Gaming-Strategie getragen hat, sind sie ein Desaster. Der Reset war die einzig logische Konsequenz.
Auf den Pixel gefühlt…
Kurz, präzise, unbestechlich