Gestern endete Microsofts Geschäftsjahr, und seit Stunden macht ein Name die Runde: George Broussard. Der Mitgründer von 3D Realms und Apogee behauptet, der Konzern treffe genau jetzt die finalen Entscheidungen über eine neue Entlassungswelle bei Xbox, mit ersten Kündigungen ab dem 6. Juli. Was nach einem weiteren Eintrag in der ohnehin langen Chronik der letzten Jahre klingt, bekommt durch Broussards Folgeaussagen eine andere Dimension. Er spricht von der womöglich größten Entlassungswelle in der Geschichte der Spielebranche. Bestätigt ist davon bislang nichts, eine Liste der angeblich betroffenen Studios hält er bewusst zurück.
435 Kündigungen, ein Datum: Was Broussard konkret behauptet
Laut dem Insider sollen rund 435 Stellen direkt bei einzelnen Xbox-Studios wegfallen. Hinzu kommen, davon unabhängig, prozentuale Kürzungen bei den großen Marken im Portfolio – namentlich Blizzard Entertainment und Bethesda. Wie GamingBolt berichtet, will Broussard die Information aus interner Quelle erhalten haben, nennt aber keine einzige der angeblich geschlossenen Studios beim Namen.
Genau dieses Muster aus konkreter Zahl und vager Quelle kennt man bereits. Schon bei den Kürzungen im vergangenen Jahr verlor der Forza-Entwickler fast die Hälfte seiner Belegschaft, ohne dass Microsoft vorab Details bestätigte. Offizielle Zahlen kommen bei solchen Wellen erfahrungsgemäß erst Tage oder Wochen später.
Compulsion, Undead Labs, Ninja Theory: Wer angeblich auf der Liste steht
Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass auch Undead Labs nicht sicher ist. Erst kürzlich zeigte das Studio noch Gameplay zu State of Decay 3, dessen Entwicklung seit dem Wechsel zur Unreal Engine 5 eigentlich auf Kurs schien. Genannt werden außerdem Compulsion Games, Double Fine und Ninja Theory als Studios, die auf einer kursierenden Schließungsliste stehen sollen.
Bei Compulsion Games, bekannt für South of Midnight, laufen laut mehreren Quellen bereits jetzt Entlassungen. Ehemalige Mitarbeiter bestätigten das öffentlich auf LinkedIn. Bei den übrigen genannten Studios bleibt es vorerst bei Spekulation.
Warum Mitarbeiter schon jetzt vor Vergeltung gewarnt werden
Noch bevor die Entscheidungen offiziell sind, melden sich ehemalige Xbox-Angestellte zu Wort. Glenn Israel, früherer Art Director bei Halo Studios, warnte gemeinsam mit drei anonym bleibenden Ex-Kollegen vor einer Kultur aus schlechter Behandlung und Vergeltung gegenüber Mitarbeitern, die sich beschweren.
Israel rät Betroffenen, sich vorab über Verjährungsfristen für Meldungen an Aufsichtsbehörden zu informieren, die je nach Bundesstaat zwischen 60 und 300 Tagen liegen. Sein zweiter Rat: Vor jeder Unterschrift einen Anwalt konsultieren und sich Unterlagen sichern lassen, bevor sie verschwinden können.
Ein Muster, das sich seit Jahren wiederholt
Diese Warnung kommt nicht aus dem Nichts. Erst im vergangenen Sommer sorgte ein Xbox-Manager für einen Shitstorm, weil er frisch Gekündigten ausgerechnet Chatbots als Karriere-Coach empfahl. Damals fielen rund 9.000 Stellen konzernweit weg, mit Turn 10 als größtem Einzelopfer.
Branchenjournalist Jason Schreier ordnete die aktuelle Lage in einem Video so ein: Microsoft bestrafe seine Entwicklungsteams im Grunde dafür, frühere Anweisungen des Konzerns selbst befolgt zu haben. Wer als Studio also genau das umgesetzt hat, was die Führungsebene vorgab, steht jetzt trotzdem auf der Kippe.