Microsoft hat Hellblade 2 nicht auf Disc gepresst – und trotzdem soll ausgerechnet dieser Konzern für Project Helix einen Disc-Support geplant haben, der selbst Sonys PS6 beschämt hätte. Digital Foundrys John Linneman hat in einem aktuellen Q&A ausgepackt: Vor dem großen Xbox-Reset habe Microsoft fest vorgehabt, das Disc-Laufwerk nicht sterben zu lassen – nicht weil sie an Retail-Verkäufe glauben, sondern weil sie sicherstellen wollten, dass all eure Xbox-Spiele auf neuen Konsolen lauffähig bleiben. Denn während Sony seine Physical-Produktion bis 2028 beerdigt und CFO Lin Tao den Shitstorm achselzuckend quittiert, könnte Microsoft die Rolle des Disc-Retters spielen – nicht aus Überzeugung, sondern aus Kalkül.
Ein Disc-Laufwerk für eine Konsole, die keiner kauft
Project Helix wurde nie als klassische Hardware geplant, sondern als das, was Nadella eine „Referenzplattform“ nennt – ein Showcase für Xbox-Spiele, die überall laufen. Matt Booty hat die Abwesenheit der Konsole auf dem Xbox Games Showcase im Juni bereits bestätigt.
Linnemans Quellen zufolge war der Disc-Support vor dem Reset gesetzt, und zwar nicht als Lippenbekenntnis. Microsoft habe mehrere Wege diskutiert, darunter ein optionales externes Laufwerk – eine Strategie, die an das Disc2Digital-Feature erinnert, über das Tom Warren von The Verge bereits berichtet hat.
Was nach dem Reset aus diesen Plänen wurde, weiß Linneman selbst nicht. Der Reset – Entlassungen, Strategiewechsel, 20 Milliarden Dollar verbrannt – hat fast alles in Frage gestellt. Nur der Codename blieb.
Digital predigen, Discs verteilen
Der Widerspruch sitzt tief. Microsoft hat Hellblade 2 nur digital veröffentlicht, und auch andere First-Party-Titel erscheinen zunehmend ohne physische Fassung. Gleichzeitig ließ das Unternehmen Anfang 2025 eine Werbekampagne produzieren, die den Unterschied zwischen physischen und digitalen Spielen erklären sollte – und strich sie, bevor sie jemand sehen konnte.
Diese Zerrissenheit ist das Muster: Microsoft glaubt nicht an den Disc-Markt, aber es glaubt an das Versprechen, dass gekaufte Spiele auch gekauft bleiben. Der Unterschied zu Sony ist feiner, als er aussieht. Sony will die Disc abschaffen, weil sie margenschädlich ist. Microsoft will sie behalten, weil der Besitzanspruch der Spieler das letzte emotionale Asset ist, das die Marke noch von Steam unterscheidet.
Denn genau darum geht es bei Backwards Compatibility: Wer 400 Xbox-360-Spiele im Regal hat, soll die nächste Konsole nicht als Bruch, sondern als Upgrade erleben. Dieses Versprechen hält Microsoft seit 2015 – und es ist der einzige systemische Vorteil, den Xbox gegen PlayStation noch hat.
Sonys stille Entscheidung als Microsofts laute Chance
Sony hat die Physical-Debatte mit einem Federstrich beendet – die Disc-Produktion endet 2028. CFO Lin Tao sagte kürzlich, der Backlash habe die Pläne nicht erschüttert. Ein Satz, der sich wie eine Ohrfeige für jeden liest, der seit der PS3 Spiele gesammelt hat.
Microsoft könnte den Umweg nehmen: Während Sony die Leute „abschneidet“, wie Linneman es formuliert, bietet Microsoft eine Brücke. Keine aus Nächstenliebe, sondern weil die Backwards-Compatibility-Bibliothek das einzige Pfand ist, das Xbox noch auf den Tisch legen kann.
Ob das reicht, steht auf einem anderen Blatt. Die Frage ist nicht, ob ein Disc-Laufwerk kommt, sondern ob es jemanden gibt, der Project Helix dafür kauft.