Sony und Microsoft erleben dank Rockstar Games ein spätes Hardware-Wunder. Nach der Veröffentlichung des ausführlichen Extended Looks zu Grand Theft Auto 6 schossen die Verkaufszahlen der PlayStation 5 und der Xbox Series X/S im Vereinigten Königreich um gut ein Drittel nach oben. In den weltweiten Lagern der Händler herrscht gähnende Leere, während der Countdown zum heißesten Release des Jahres unerbittlich tickt.
Ausverkaufte Regale nach dem Extended Look
Rockstar Games braucht keine monatelangen Marketing-Kampagnen, um die Branche in Schockstarre zu versetzen. Ein einziger detaillierter Gameplay-Einblick genügte, um unzähligen Zockern schlagartig klarzumachen, dass der heimische PC im November kalt bleibt. Laut den aktuellen britischen Marktdaten von The Game Business kletterten die Verkäufe der PS5 um 33 Prozent, während die Xbox Series X/S sogar um 34 Prozent zulegte.
Die Konsequenzen schlugen direkt bei den Einzelhändlern ein. Wer aktuell versucht, im regulären Handel eine aktuelle Konsole zu ergattern, blickt vielerorts auf verwaiste Regalflächen und rote Ausverkauft-Banner. Selbst die teure PS5 Pro ist bei Dritthändlern nahezu komplett vergriffen und bei Sony direkt nur noch in einer einzigen Konfiguration gelistet. Jahrelang wirkte es so, als hätten Sonys knapp kalkulierte Konsolen-Reserven ihren Zenit längst überschritten. Nun zeigt sich, dass Millionen Spieler schlicht auf den einen zwingenden Grund gewartet haben, ihr Geld auf den Tresen zu legen.
Der Preisschock dämpft die Euphorie
Der Jubel in den Vorstandsetagen von Sony und Microsoft greift allerdings deutlich zu kurz. Was wie eine triumphale Auferstehung des Konsolenmarktes aussieht, kaschiert nur mühsam ein historisches Tief bei den Hardware-Verkäufen. Jahrelange Preissteigerungen, Inflation und teure Modellpflegen haben dazu geführt, dass eine PS5 heute rund 67 Prozent mehr kostet als noch zum ursprünglichen Verkaufsstart. Microsofts stärkere Kiste hat ihren Preis im Vergleich zur Einführung sogar glatt verdoppelt.
Ein neuer Blockbuster allein heilt eben keine kaputte Preispolitik.
Newzoo-Analyst Ronan Patrick warnt deshalb davor, den aktuellen Sprung als dauerhafte Trendwende misszuverstehen. Zwar sorgen Grand Theft Auto und Call of Duty für einen spürbaren Schub bei der Hardware-Basis, ein riesiges Massenphänomen bleibt wegen der hohen Einstiegshürden jedoch aus.
Die Situation erinnert verblüffend an die Grafikkarten-Krise der Jahre 2020 und 2021. Damals froren horrende Hardware-Preise den Markt ein, doch das Engagement der Spieler brach nicht weg, sondern verlagerte sich schlicht auf ältere Titel und reine Software-Käufe. Wer das Geld für eine 600 Euro-Konsole nicht übrig hat, bleibt bei seiner bisherigen Kiste und zockt seinen bestehenden Katalog weiter.
Keine Siegesfeiern vor dem Release im November
Selbst Take-Two Chef Strauss Zelnick verweigert den Champagner und tritt demonstrativ auf die Euphoriebremse. Obwohl Grand Theft Auto 6 seit Juni auf den vorderen Rängen der Vorbestell-Listen thront und intern als historischer Erfolg verbucht wird, ändert der Konzern seine Finanzprognosen vorerst nicht. Zelnick stellte trocken klar, dass eine Vorbestellung jederzeit storniert werden kann und man im eigenen Haus allergisch auf Ehrenrunden vor dem eigentlichen Zieldurchlauf reagiere.
Gleichzeitig findet der Manager bemerkenswert deutliche Worte für die Preisentwicklung im Konsolen-Sektor. Steigende Hardware-Preise seien Gift für das gesamte Geschäft und könnten mittelfristig dazu führen, dass Spieler sich nach völlig neuen Wegen umsehen. Genau hier liegt der Zündstoff für Zelnicks Vision einer Streaming-Zukunft, die klassische Kisten unter dem Fernseher überflüssig machen könnte.
Am 19. November 2026 entscheidet sich an den Kassen, wie belastbar die aktuelle Konsolengeneration wirklich ist. Wenn Grand Theft Auto 6 für PlayStation 5 und Xbox Series X/S erscheint, wird sich zeigen, ob Rockstars Ausnahmetitel den Hardware-Markt nachhaltig stützt oder die Einstiegspreise schlicht zu hoch für den ganz großen Massenmarkt geworden sind.
