Take-Two CEO Strauss Zelnick glaubt an eine Streaming-Zukunft – und legt sich erstmals auf einen Zeitplan fest. „In drei Jahren werden wir im kommerziellen Streaming-Modus sein“, sagte er im aktuellen Earnings Call. Gemeint ist echtes Low-Latency-Streaming, das die installierte Basis „verzehnfachen“ könne. Die Kehrseite: Physische Discs hält er für praktisch erledigt – und das erklärt auch, warum GTA 6 ohne Datenträger in der Box erscheint.
„Kommerzielles Streaming“ bis 2029 – Zelnick wird konkret
In den vergangenen Jahren sprach Zelnick oft nebulös über Cloud-Gaming. Diesmal nicht. Im Q1-FY2027 Earnings-Call am 7. August lieferte er eine präzise Prognose: „Ich denke, wir werden in drei Jahren im kommerziellen Streaming-Modus sein – und mit kommerziell meine ich Low Latency. Das kann die effektive installierte Basis verzehnfachen.“
Das klingt nach PR-Sprech, hat aber handfeste Implikationen. Wenn jeder Smart-TV, Tablet und Smartphone zur Spieleplattform wird, sinkt die Abhängigkeit von teuren Konsolen – ein Punkt, den Zelnick im selben Call schon mit Blick auf steigende Hardware-Preise ansprach. Statt auf günstigere Konsolen zu hoffen, setzt Take-Two auf Plattform-Erosion durch Streaming.
10x mehr Spieler, aber nicht 10x mehr Umsatz
Zelnick dämpfte die Erwartungen sofort: „Das bedeutet nicht, dass wir unseren Umsatz verzehnfachen – und das würden wir auch nicht prognostizieren. Die leidenschaftlichsten Konsumenten haben ohnehin schon Zugang zu Spielgeräten.“ Die Chance liege woanders: bei Titeln mit breiter Anziehungskraft – „auch außerhalb der Kernmärkte. Und wir haben solche Titel, offensichtlich“.
Take-Two sitzt auf einem Katalog dormanter IPs – XCOM, BioShock, Bully, L.A. Noire, Max Payne. Die alle als Stream für Gelegenheitsspieler ohne Konsole verfügbar zu machen, ist die eigentliche Wette hinter Zelnicks Prognose.
In einem Follow-up mit IGN schob er nach: Streaming müsse GTA 6 so gut ausführen wie eine lokale Konsole, um zu funktionieren – „sonst zählt es nicht.“
Die Disc ist tot, die Box bekommt nur noch einen Code
Die Streaming-Prognose erklärt auch Zelnicks Haltung zu physischen Datenträgern. „Unser Geschäft ist zu weit über 90 Prozent digital“, sagte er und verglich Discs mit Vinyl: nett für Puristen, aber kein Massenmedium mehr.
GTA 6 erscheint deshalb ohne Disc – selbst die physische Version enthält nur einen Download-Code. Kritik daran konterte Zelnick mit einem Argument, das exakt zur Streaming-These passt: Wenn die Zukunft ohnehin ohne Hardware-Medien auskommt, warum jetzt noch eine Disc pressen?
Netflix, Extended Look und die Streaming-Strategie
Dass der GTA 6 Extended-Look am 27. August zuerst auf Netflix läuft, ist somit kein Zufall. Zelnick nannte die Netflix-Premiere einen „Appetizer“ für den Launch am 19. November. Der Deal mit dem weltgrößten Streamingdienst ist eine Blaupause: Nicht-Konsolenspieler werden dort abgeholt, wo sie ohnehin schon sind – auf ihren Streaming-Plattformen.
Ob das in drei Jahren auch für das Spiel selbst gilt, ließ Zelnick offen. Aber die Logik ist glasklar: Wer den Trailer streamt, soll irgendwann auch das Spiel streamen können.
