Take-Two hat auf der Aktionärsversammlung am 17. September 2026 bestätigt, was viele befürchtet haben: GTA 6 startet als reines Singleplayer-Spiel. Kein Multiplayer zum Launch. Kein GTA Online 2 im November. Stattdessen wird das zwölf Jahre alte GTA Online weiter unterstützt – „nach dem GTA 6 Release und darüber hinaus“. Und Take-Two-CEO Strauss Zelnick fügte einen Satz hinzu, der die PC-Community aufhorchen lässt: „Die PC-Plattform wird für unser Unternehmen im Laufe der Zeit immer wichtiger.“
Ein Ökosystem, das nicht sterben darf
GTA Online ist kein Spiel. Es ist ein Finanzimperium. Laut geleakten Rockstar-Daten aus dem April 2026 generiert der Online-Modus durchschnittlich 1,3 Millionen Dollar pro Tag. Über zehn Millionen Spieler sind wöchentlich aktiv, allein auf der PS5 sind es über 3,4 Millionen. Diese Zahlen erklären, warum Take-Two nicht den Stecker ziehen kann – selbst wenn GTA 6 im November 2026 erscheint. Schon im Februar hatte Zelnick den Support über den Release hinaus zugesichert – jetzt ist es offiziell bestätigt.
Zelnick hat für dieses Szenario bereits ein Modell geliefert: NBA 2K Online und NBA 2K Online 2 existieren seit Jahren parallel. „Wir haben Online 1 nicht abgeschaltet“, sagte er in einem früheren Interview. „Beide sind noch im Markt, beide bedienen Spieler, beide leben.“ Das ist die Blaupause für GTA. Zwei Multiplayer-Ökosysteme, ein Konzern.
Doch die Bestätigung hat einen Haken. Sie sagt nichts darüber, wann und wie ein GTA Online 2 kommt. Bloomberg-Journalist Jason Schreier brachte es im August auf den Punkt: Take-Two „spricht derzeit nur über den Singleplayer-Teil von GTA 6″ – und hat „nicht vor, bald über das neue GTA Online zu reden“. Auch der Extended Look zeigte nur den Singleplayer, während Rockstar zum Multiplayer weiter schweigt.
Der PC wartet nicht mehr
Während Rockstar beim Multiplayer schweigt, hat Zelnick beim PC Klartext gesprochen. Die Frage eines Aktionärs zielte direkt auf die Verschiebungstaktik: Könnte der PC wegen der PS5-Pro-Engpässe früher bedient werden? Zelnick antwortete ausweichend, aber mit Signalwirkung: Man veröffentliche „auf allen Plattformen, für die es ein relevantes Publikum gibt“ – und der PC gewinne stetig an Bedeutung.
Die Zahlen stützen ihn. GTA 5 kam 2015 auf den PC – zwei Jahre nach den Konsolen – und wurde zum Dauerbrenner. Red Dead Redemption 2 schaffte den Sprung nach einem Jahr. Dass PC-Spieler zuletzt trotzdem nur die zweite Wahl waren, könnte sich diesmal ändern – zumal Roleplay-Mods wie FiveM auf Twitch ein Millionenpublikum binden.
Twitch weiß mehr, als Rockstar sagt
Den konkretesten Hinweis auf den Multiplayer-Launch lieferte kein Rockstar-Mitarbeiter, sondern Dan Clancy. Der Twitch-CEO sagte im Bloomberg-Interview: „Wir haben viel Zeit damit verbracht, mit Rockstar über ihre Pläne zu sprechen. Ihr werdet diesen großen Sprung mit GTA 6 sehen – aber nächstes Jahr einen noch größeren, wenn sie den Multiplayer starten.“
Clancy sitzt nicht im Rockstar-Vorstand. Aber Twitch ist der Ort, an dem GTA Online seit Jahren lebt. Creator-Engagement, Roleplay-Server, Zuschauerzahlen – Clancy hat ein eigenes Interesse daran, den Multiplayer-Launch zu timen. „Nächstes Jahr“ heißt im September 2026: 2027. Rockstar hat das weder bestätigt noch dementiert. Die Stellenanzeigen mit ambitionierten Plänen für einen neuen Online-Modus deuten seit Monaten in dieselbe Richtung.
Was das für euch bedeutet
GTA Online bleibt 2027 erreichbar. Euer Fortschritt, eure Immobilien, eure Shark Cards – nichts davon verschwindet, nur weil GTA 6 erscheint. Take-Two hat das ausdrücklich zugesichert. Aber die Ressourcen werden sich verschieben. Wenn GTA Online 2 kommt – und Clancy ist nicht der Einzige, der damit rechnet –, wird Rockstar entscheiden müssen, wie viel Entwicklerzeit noch in den alten Modus fließt. Zelnick selbst hat bereits die Streaming-Revolution als Fernziel ausgerufen – ein Modell, das den PC als Plattform zusätzlich aufwertet.
Für PC-Spieler ist die Botschaft zwiespältig. GTA 6 kommt nicht zum Launch auf den Rechner. Aber wenn der Multiplayer 2027 startet und Take-Two den PC wirklich als gleichwertige Plattform behandelt, könnte der Abstand diesmal kürzer sein als je zuvor in der GTA-Historie.
Die Frage ist nicht, ob GTA Online nach GTA 6 weiterläuft. Die Frage ist, wie lange Rockstar zwei Online-Imperien gleichzeitig regieren will.
