Warframe-Entwickler Digital Extremes hat im jüngsten Devstream das nächste große narrative Kapitel enthüllt: Jade Shadows: Constellations erscheint am 17. Juni 2026 kostenlos auf allen Plattformen. Im Zentrum steht der 65. Warframe Sirius & Orion – zwei spielbare Charaktere in einem, die du per Knopfdruck wechselst und deren Rivalität in einer gemeinsamen Ultimate-Fähigkeit kollidiert. Dazu gesellen sich neue Railjack-Missionen im Orbit von Uranus, Styanax Prime Access, fünf Incarnon-Waffen und die Ankündigung des Mesa Heirloom-Skins zur TennoCon im Juli.
Sirius & Orion – zwei Warframes, acht Fähigkeiten, ein Balance-Albtraum?
Dass Digital Extremes nach zwölf Jahren Warframe immer noch radikal neue Character-Konzepte ausprobiert, ist bemerkenswert. Sirius & Orion teilen sich eine passive Fähigkeit, die Sternbild-Splitter sammelt, und lassen sich per Knopfdruck im Gefecht tauschen. Im offiziellen Warframe-Wiki sind die Fähigkeiten bereits detailliert dokumentiert:
- Sirius spielt offensiver: Seine Signatur-Sense fliegt als Bumerang und sammelt dabei Orbs und Munition ein. Dazu verteilt er instabile Ministerne auf dem Schlachtfeld, die auf Gegner zuschießen, oder zieht eine heilende Schadensreduktionszone auf.
- Orion setzt auf Crowd Control und Debuffs: Ein horizontaler Schwinger senkt massiv gegnerische Verteidigung, eine Astralebene-Hülle setzt bei erhaltenem Schaden einen Lockvogel frei, und ein wanderndes Schwarzes Loch saugt Feinde ins Zentrum.
- Die Ultimate schleudert beide in die Luft, wo sie kollidieren und alles in ihrem Pfad zerschmettern. Getimte Wechsel erhöhen den Schaden pro Zusammenstoß.
Megan Everett, Warframe Community Director, beschreibt das Konzept so: „Diese beiden zerstrittenen Wesen, die ums Überleben kämpfen, schubsen sich gegenseitig aus den Händen des Spielers – ewig im Krieg.“ Dass Spielerentscheidungen aus der ersten Jade-Shadows-Quest sich in dieser Fortsetzung spiegeln sollen, ist ebenfalls eine Premiere – Warframe hat noch nie eine direkte Sequel-Quest mit Choice-Import versucht.
Die große Frage ist: Wie balanciert man acht Fähigkeiten in einem Spiel, in dem ein einziger Warframe mit vier Fähigkeiten schon die Meta dominieren kann? Equinox, der einzige bisherige Stance-Wechsler, pendelt seit Jahren zwischen „vergessen“ und „Nischen-Pick“. Sirius & Orion gehen mit getrennten Fähigkeiten-Sets und kombinierter Ultimate noch einen Schritt weiter. Die PCGamesN-Analyse merkt an, dass die schiere Fähigkeitenzahl den Warframe entweder zum Muss für jedes Content-Clearing macht – oder zum frustrierenden Mikromanagement-Overkill.
Railjack kehrt zurück – zum wievielten Mal eigentlich?
Mit Uranus Proxima bekommt Railjack neue Missionen. Wer Warframe länger verfolgt, hat dieses Muster schon gesehen: Riesiger Hype auf der TennoCon 2018 („Empyrean“), katastrophaler Launch Ende 2019 mit Server-Fehlschlägen, Bugs und leeren Versprechungen, dann schrittweise Verbesserungen über Earth, Saturn, Venus und Corpus Proxima – gefolgt von jeweils monatelanger Funkstille. Digital Extremes hat Railjack nie ganz aufgegeben, aber auch nie den nachhaltigen Support geliefert, den das System bräuchte.
Jade Shadows: Constellations koppelt Railjack jetzt an die neue Protoframe-Story: Du wählst zwischen Ryoku (Ash) oder Vena (Garuda), zwei Protoframes aus alternativen Zukünften, leihst dir deren Railjack-Schiff und bekämpfst den Rivalen im Orbit von Uranus. Die neue Sense Pride oder Wrath – je nach gewählter Timeline – schwingt wahlweise von einem Ende oder dem anderen. Es klingt atmosphärisch dicht, aber die Kernfrage bleibt: Bekommt Railjack diesmal eine langfristige Perspektive, oder ist Uranus Proxima der nächste isolierte Content-Tropfen auf den heißen Stein?
Dass Warframe mit Updates wie The Shadowgrapher und Techrot Encore zwischenzeitlich eine beispiellose thematische Breite abdeckt – von Boyband-Bossen zu Atomicycle-Rennen – zeigt, dass DE parallel an vielen Fronten arbeitet. Und auch Warframe auf Android und Switch 2 läuft. Die Frage ist, ob Railjack bei all dem genug Aufmerksamkeit bekommt.
Styanax Prime, Incarnons und der Mesa-Heirloom-Schatten
Parallel zum Update startet Styanax Prime Access. Die Ironie: Styanax war 2022 der Gratis-Warframe zum 50. Warframe-Jubiläum – einfach einloggen, abholen, fertig. Jetzt kostet sein Prime-Pendant im Complete Pack rund 130 Euro (die genauen Preise für Styanax Prime Access folgen dem Standard-Tier-Modell: Accessories ~45€, Weapons ~50€, Prime ~70€, Complete ~130€). Dafür gibt es Afentis Prime (Speergewehr), Athodai Prime (Pistole), Lanex Prime Syandana und Daurus Prime Armor. Wer nicht zahlen will, farmt Void-Relikte – wie immer.
Die fünf neuen Incarnon-Waffen sind eine wilde Mischung: Destreza (Rapier), Obex (Fäuste), Stug (die wohl meistverspottete Sekundärwaffe des Spiels), Ballistica (Ladebogen) und Vectis (Scharfschützengewehr). Dass ausgerechnet Stug und Obex Incarnon-Upgrades bekommen, ist entweder ein Zeichen von Humor oder der Versuch, den größten Meme-Kanonen doch noch einen Platz im Arsenal zu verschaffen. Die Incarnon-Boni reichen von phantomhaften Klingen (Destreza) über Querschläger-Geschosse (Ballistica) bis zu radialen Angriffen (Obex). Ob das reicht, um diese Waffen aus der Kategorie „Mastery-Fodder“ zu befreien? Die Community wird es in den ersten 48 Stunden nach Release rigoros durchrechnen.
Dann ist da noch Mesa Heirloom, das am 11. Juli zur TennoCon 2026 erscheint. Die ursprüngliche Heirloom-Kollektion 2023 für Frost und Mag war ein PR-Desaster. Dexerto nannte sie damals „außergewöhnlich unverschämt“: Echtgeld-only, bis zu 90 Dollar pro Pack, strikt zeitlich begrenzt bis 31. Dezember 2023 – FOMO in Reinkultur. Der Community-Aufstand war gewaltig, und DE hat seither bei Ember, Valkyr und jetzt Mesa das Heirloom-System reformiert: keine zeitliche Begrenzung mehr, fairere Preisstruktur. Trotzdem schwingt das Misstrauen mit. Mesa Heirloom wird der Lackmustest, ob DE aus dem PR-Fiasko wirklich gelernt hat.
150 Dollar Merch für 50 Dollar Platinum? Der ARK/8-Deal unter der Lupe
Zum Summer Game Fest am 5. Juni kooperiert Digital Extremes mit dem Mode-Label ARK/8. Im physischen Store (115 S La Brea Ave, Los Angeles) gibt es vom 5. bis 8. Juni eine Pop-up-Erfahrung mit exklusiver Warframe-Kleidung – limitierte Edition, inspiriert von Jade Shadows: Constellations. Ab 150 Dollar Einkaufswert gibt es einen Code für 1025 Platinum.
Rechnen wir kurz: 1025 Platinum kosten im Warframe-Shop etwa 50 Dollar ohne Rabatt. Du musst also 150 Dollar für Merchandise ausgeben, um 50 Dollar an Ingame-Währung zu bekommen. Das ist kein Bonus, das ist eine Cross-Promotion mit absurd hoher Einstiegshürde. Für Spieler, die ohnehin hochpreisige Streetwear kaufen, mag das ein nettes Extra sein. Für den durchschnittlichen Warframe-Spieler ist es schlicht irrelevant – und die PR spricht trotzdem von einem „Highlight“.
Positiv anzumerken: Der Summer Game Fest-Stream am 5. Juni um 23 Uhr deutscher Zeit bringt einen kostenlosen Dante Warframe via Twitch Drop, wenn du 30 Minuten am Stück zuschaust und dein Warframe-Konto verknüpft hast. Das ist die Art von Zugabe, die tatsächlich bei der Community ankommt. Und die TennoCon 2026 (10.–11. Juli) unterstützt mit Sistema Toronto und LondonCares zwei lokale Wohltätigkeitsorganisationen – eine Tradition, die DE seit Jahren pflegt.
Bleibt die Frage, die sich durch den gesamten offiziellen Devstream-Recap zieht: Kann ein einzelnes Update gleichzeitig einen Zwei-in-eins-Warframe, Railjack-Missionen, Prime Access, fünf Incarnon-Waffen, neue Protoframes, Heirloom-Kosmetik und eine Fashion-Kollaboration stemmen – ohne dass mindestens eine dieser Komponenten halbgar auf der Strecke bleibt? Warframes Stärke war immer die schiere Content-Masse, aber die Schattenseite sind Systeme, die nach einem Update wieder vergessen werden. Die Railjack-Geschichte spricht Bände.