Erst sagt der Leaker, die PS6 komme sicher 2027. Dann meldet sich der oberste Sony-Chef und schiebt das Festlegen des Termins unbefristet nach hinten. Hiroki Totoki bestätigte im Wall Street Journal, dass weder Preis noch Startdatum der nächsten Konsole feststehen – und nannte als Gründe Speichermangel, „Handelskriege“ und den schwachen Yen. Ausgerechnet jetzt, wo die PS5-Reserven für den GTA-6-Weihnachtszirkus genau noch reichen. Sonys Gegenwart ist gesichert. Sonys Zukunft ist es nicht.
„Sonst können wir in dieser Landschaft nicht überleben“ – was Totoki wirklich sagt
Totoki ist nicht der Typ für Rätsel. In früheren Tönen klang Sony nach außen, als hätte man den PS6-Kurs längst im Griff. Das WSJ-Interview räumt damit auf: Beides, Preis und Termin, ist offen. Und die Begründung des Konzernchefs ist keine Ausrede, sondern eine Lagebeschreibung. „Angesichts dieser Bedeutung müssen wir handeln“, so Totoki. „Sonst können wir in dieser Landschaft nicht überleben.“
Das ist starker Tobak. Ein CEO, der das Wort „überleben“ in den Mund nimmt, will nicht beruhigen – er will den Ernst der Lage benennen. Was dahintersteckt, ist der doppelte Schlag, den die Branche gerade aushält: Die KI-Rechenzentren saugen die RAM-Produktion leer, während die „Handelskriege“ die Exportlogik des schwachen Yen weiter verzerren. Sony kann eine Konsole nicht verkünden, deren Bauteile es nicht garantieren kann.
Dass ausgerechnet die schwache japanische Währung Teil des Problems ist, klingt zunächst paradox. Doch für einen Konzern, der Teile in Dollar und Yen einkauft und global verkauft, wird der Preisvorteil der eigenen Währung zum Kostentreiber: Wer Exporte in schwachem Yen kalkuliert, verliert beim Einkauf teurer Chips doppelt. Was einst die Gewinnmarge stützte, untergräbt nun die Planbarkeit der teuersten Konsole der Unternehmensgeschichte.
Der Leaker sagt 2027 – Sonys Chef sagt nichts
An dieser Stelle prallen zwei Welten aufeinander. Der Hardware-Leaker KeplerL2 behauptete im April, Sony werde die PS6 nicht über 2027 hinaus verschieben – schließlich habe AMD die Validierung des Orion-Chips bereits begonnen, und warum investiere man Ressourcen in etwas, das man nicht nutzt? Diese Logik ist clever und hat einen Haken: Sie blendet den Speichermarkt aus, der seitdem teurer und knapper wurde.
Denn seither ist der DDR5-Preis weiter gestiegen, SSDs sind längst betroffen, und Mainboards drohen als Nächstes teurer zu werden. Die Validierung eines Chips sagt wenig über die Fähigkeit aus, Millionen Konsolen zu bauen, wenn das kostbarste Bauteil derselben Maschinen entgleitet, die Sieger einer KI-Ära ausstatten. KeplerL2 denkt in Silizium. Sonys Chef muss in Lieferketten denken.
Dazwischen steht der Analyst David Gibson, der bereits vor Monaten warnte, Sonys PS6 könne sich deutlich länger verzögern, als viele erwarten – mit einer Prognose bis 2029. Totokis „noch nicht entschieden“ passt zu dieser Vorsicht besser als zu jeder Leaker-Übermut.
Die PS5-Reserven: gesichert bis zu einem Datum
Der eigentliche Widerspruch steckt in Sonys eigener Zusage. Der Konzern bestätigte, genug RAM für jede PS5 bis Ende März 2027 zu haben. Das deckt das Weihnachtsgeschäft ab – und damit den GTA 6 Release am 19. November 2026, den größten Einzelnachfrage-Peak der Konsolengeschichte. Geschickt gelöst: Die Konsole, die gerade jeder will, geht nicht aus.
Aber genau hier liegt die versteckte Nachricht. Die Reserven reichen „bis Ende März 2027″ – und was danach kommt, darauf antwortet dieselbe Zusage mit Schweigen. Eine PS6, die irgendwann Mitte 2027 oder später gebaut werden müsste, ist von dieser Absicherung ausgenommen. Sonys Ressourcen sind für die Gegenwart da. Für die nächste Generation gibt es schlicht keine Garantie.
Das macht die Lage greifbar: Während die PS5 als Trostpflaster hochgehalten wird, schiebt sich die eigentliche Frage weiter hinaus. Sollte sich die RAM-Krise bis ins nächste Jahr ziehen (von dem gehe ich persönlich aus), ist eine Verschiebung der PS6 in den 2028er-Herbst keine Spekulation mehr, sondern eine Rechenaufgabe mit wenigen Lösungen.