Eigentlich hatten wir gehofft, dass die Speicher-Preise nach Jahren der Knappheit endlich zur Vernunft kommen. Das Gegenteil ist der Fall: Der AI-Boom frisst Speicherkapazitäten in bisher ungekanntem Ausmaß, und die Preise für RAM und SSDs steigen weiter. Jetzt hat Valve gegenüber Bloomberg Klartext gesprochen – und die Botschaft ist so düster wie eindeutig. Selbst ein Milliardenkonzern wie Valve kämpft um Speicher, und für uns Endkunden wird es erstmal schlimmer, bevor es besser wird.
„Es wird noch schlimmer“ – Valves düstere Bestandsaufnahme
Valve ist nicht dafür bekannt, öffentlich den Teufel an die Wand zu malen. Wenn also Yazan Aldehayyat, Engineer bei Valve, im Gespräch mit Bloombergs Jason Schreier auf die Frage nach der Memory-Krise antwortet „Ehrlich gesagt, es wird noch schlimmer“, dann ist das keine PR-Phrase. Das ist die Einschätzung eines Unternehmens, das im Bulk-Einkauf von Speicherkomponenten so tief drinsteckt wie kaum ein zweites.
Die aktuelle Prognose, die bereits Anfang Juli die Runde machte, sah düster aus: Speicher-Preise steigen demnach bis 2027 rasant an, Entspannung frühestens 2028. Valves Aussage ist keine Überraschung – aber sie ist die Bestätigung aus erster Hand, dass die Zahlen hinter den Kulissen noch brutaler aussehen als das, was wir als Endkunden zu spüren bekommen. Der AI-Boom frisst Speicherkapazitäten in einer Größenordnung, die den Privatkundenmarkt zur Nebensache degradiert. Valves eigene 46-prozentige Preiserhöhung beim Steam Deck OLED ist der lebende Beweis. Solange die Nachfrage aus dem Rechenzentrumssegment nicht signifikant nachlässt, gibt es schlicht keinen Mechanismus, der den Preisanstieg bremsen könnte.
Drei bis sechs Monate Verzögerung – warum die Preise im Laden nicht die Realität zeigen
Aldehayyat lieferte im selben Gespräch eine Erklärung, die viele Leser überraschen dürfte. Die Preise, die wir im Einzelhandel sehen, bilden die aktuelle Marktrealität gar nicht ab. „Was die Leute gerade in den Regalen sehen, hinkt dem, was wir bei den Bulk-Lieferungen sehen, um mindestens drei bis sechs Monate hinterher“, so der Valve-Ingenieur.
Anders gesagt: Der Ladenpreis, den ihr heute für eine M.2-SSD oder ein DDR5-Kit bezahlt, spiegelt die Marktlage von vor einem halben Jahr wider. Die Bulk-Lieferungen, die Valve und andere Großabnehmer jetzt ordern, sind teurer – die Aufschlüsselung der explodierenden RAM-Kosten zeigt, wie dramatisch der Sprung ist. Diese Preise werden in einigen Monaten in den Regalen landen. Das erklärt nicht nur, warum die Preise seit Monaten nicht fallen, sondern auch, warum sie kurzfristig noch weiter steigen werden – selbst wenn die Nachfrage morgen einbrechen würde. Der Retail-Markt läuft der Realität einfach hinterher, und das mit einer Verzögerung, die kurzfristige Entspannung praktisch unmöglich macht.
Was die Memory-Krise für die Steam Machine bedeutet
Der Start der Steam Machine (zwischen PS5 Pro und RAM-Krise) war ohnehin ein schwieriges Projekt für Valve. Dass sie jetzt auch noch in eine der schwersten Speicher-Krisen der Geschichte startet, macht die Sache nicht einfacher. Pierre-Loup Griffais, ebenfalls Valve-Engineer, sagte dazu: „Wir bauen im Grunde alles, was wir können. Wir sind definitiv durch die Speicherkapazität eingeschränkt.“
Interessant ist, dass Valve den Erfolg der Steam Machine nicht in Verkaufszahlen misst. Bloomberg berichtet, dass es dem Unternehmen vielmehr darum geht, eine „tragfähige Option für Open-Source-PC-Gaming im Wohnzimmer“ zu bieten. Das klingt nach einem langen Atem, und Griffais bestätigt das: „Die Nutzer bekommen ihre Maschinen. Für einen Großteil der Erfahrung fängt die Arbeit jetzt erst an. Daran werden wir noch jahrelang arbeiten.“
Die Speicher-Krise hat Valves Pläne für das Gerät also nicht geändert – aber sie hat die Startbedingungen massiv erschwert. Dass sich Valve überhaupt in den Markt traut, spricht für das Vertrauen in das Produkt. Dass sie gleichzeitig so offen über die Limits sprechen, ist erfrischend untypisch für die Branche.