RGG Studio hat einen ungewöhnlichen neuen Trailer zu Stranger Than Heaven veröffentlicht – statt Gameplay oder Story zeigt das rund einminütige Video die Motion Capture Arbeit hinter dem ambitionierten Action-RPG. Der Clip schneidet zwischen einer jazzigen In-Game-Performance und schweißtreibenden Stunt-Aufnahmen hin und her und gibt damit einen seltenen Einblick in den Entwicklungsalltag. Der ungewöhnliche Fokus wirft die Frage auf: Ist das mehr als Marketing-Routine – und was verrät er über den Zustand des Spiels wenige Monate vor Release?
Kein Spektakel, sondern Knochenarbeit: Was der BTS-Trailer zeigt
Der Trailer ist bewusst kurz gehalten und verzichtet vollständig auf inszenierte Action. Zu sehen sind Schauspieler in Motion Capture Anzügen, die Kampfchoreografien einstudieren, während das Team Kameras justiert und Takes abnimmt. Im Wechsel dazu läuft eine Jazz-Performance – offenbar eine In-Game-Sequenz, deren Aufnahme ebenfalls via Mo-Cap erfolgt.
Für RGG Studio, das sich mit der Yakuza- bzw. Like a Dragon-Reihe über zwei Jahrzehnte hinweg einen Ruf für cineastische Inszenierung und präzise Kampfanimationen erarbeitet hat, ist dieser Blick hinter die Kulissen bemerkenswert. Wo andere Publisher selbstbewusst fertige Szenen präsentieren, zeigt Sega hier das unfertige Produkt – Schauspieler in enganliegenden Anzügen, Techniker mit Klemmbrettern, ungeschliffene Bewegungsabläufe. Das signalisiert: „Wir haben nichts zu verbergen – schaut her, wie viel Arbeit hier drinsteckt.“
Dass RGG Studio dieses Selbstbewusstsein an den Tag legt, ist kein Zufall. Stranger Than Heaven ist die bislang ambitionierteste Produktion des Studios: eine völlig neue IP mit einem Kampfsystem, das alles neu denkt.
Vier Knöpfe, vier Gliedmaßen: Das Kampfsystem im Detail
Die Mo-Cap-Aufnahmen aus dem Trailer sind kein Selbstzweck. Anders als bei Yakuza steuert ihr Protagonist Makoto Daito nicht mit einem Angriffsbutton, sondern mit vier – je einem für jedes Körperglied. R1 und R2 (bzw. RB/RT auf Xbox) kontrollieren Makotos rechten Arm und rechtes Bein, L1 und L2 die linke Seite. Das erinnert stark an Tekken, wo jeder Facebutton einem Körperteil zugeordnet ist, und wurde von Hands-on-Testern als komplett eigenständiges System beschrieben. Leichte und schwere Angriffe werden durch Tippen bzw. Halten der Trigger unterschieden.
Erst vor wenigen Wochen zeigte ein längerer Gameplay-Trailer, wie Makoto Gegnergruppen mit improvisierten Waffen und Kampfsporttechniken attackiert. Dazu kommt ein Parry-System, das bei perfektem Timing Konter-Kombos ermöglicht – genau die Art von Mechanik, deren Motion-Capture-Aufnahmen der neue BTS-Trailer dokumentiert.
Snoop Dogg, Tupac und 50 Jahre Story: Ein Cast, der den Rahmen sprengt
Dass RGG Studio Großes vorhat, zeigt sich auch am Cast: Snoop Dogg spielt den Schmuggler Orpheus, während die Ähnlichkeit des 1996 verstorbenen Tupac Shakur für die Figur Amaru lizenziert wurde. Dazu kommen die japanische Musikerin Ado, Tori Kelly und Schauspieler wie Dean Fujioka und Yu Shirota, der Makoto Daito verkörpert.
Die Geschichte folgt Makoto über fünf Jahrzehnte und fünf japanische Schauplätze – von Kokura 1915 über Kure 1929 und Osaka 1943 bis nach Shinjuku 1965. Dass dieser Umfang ursprünglich gar nicht als einzelnes Spiel geplant war, verriet Produzent Masayoshi Yokoyama bereits im Juni: Stranger Than Heaven sollte eine Trilogie werden, bevor das Team die gesamte Erzählung in einen Titel packte. Yokoyama beschrieb die Maps als „ungefähr auf demselben Maßstab“ wie Yakuza, betonte aber, dass deutlich mehr Gebäude betretbar seien. Wolkenkratzer gibt es im historischen Setting keine, dafür mehr Innenräume.
Die PC-Version wird unterdessen Denuvo verwenden – eine Entscheidung, die in scharfem Kontrast zum offenen Transparenz-Narrativ des BTS-Trailers steht.
Kein Yakuza, aber trotzdem RGG durch und durch
Stranger Than Heaven erscheint am 15. Januar 2027 für PC (Steam, Microsoft Store), PS5 und Xbox Series X/S – inklusive Game Pass zum Launch. Drei Editionen stehen zur Auswahl: Standard für 69,99 Euro, eine digitale Deluxe Edition sowie die Collector’s Edition mit Steelbook und 12-Inch-Vinyl-Platte. Mit rund 21.900 Followern auf Steam und geschätzten 450.000 bis 750.000 Wishlists ist das Interesse hoch, auch wenn einzelne Hands-on-Vorschauen ein behäbiges Kampftempo kritisierten.
