Fast drei Jahre ist es her, dass Arkane Lyon auf den Game Awards 2023 einen cineastischen Teaser zu Marvel’s Blade zeigte. Seither: Funkstille. In einem Interview mit Entertainment Weekly bricht Bethesda-Direktor Todd Howard nun das Schweigen – und seine Worte klingen optimistischer, als Fans nach dem Redfall-Desaster zu hoffen wagten. Gesehen hat die Öffentlichkeit trotzdem nichts.
Was Todd Howard über Marvel’s Blade verrät
Howard bestätigt im Gespräch, dass Arkane Lyon weiterhin aktiv an dem Vampirjäger-Abenteuer arbeitet. Konkrete Details zum Spiel oder gar ein Release-Fenster verrät er allerdings nicht. Auf die Frage, wann die Öffentlichkeit mehr sehen wird, antwortet er ausweichend: „Ich kann nicht sagen, wann, aber ich habe erst gestern einiges gesehen, und die Leute bei Arkane leisten wirklich, wirklich großartige Arbeit.“
Das Zitat stammt ursprünglich aus dem Mai 2026 und wurde erst jetzt durch die Veröffentlichung des Interviews publik. Das bedeutet: Schon vor über einem Monat war das Projekt nach Howards eigener Aussage auf einem guten Weg. Was genau er gesehen hat – Gameplay-Szenen, Zwischensequenzen oder technische Demos – bleibt offen. Die Plattform-Strategie ist ebenfalls unklar: Marvel’s Blade könnte als Xbox-Exklusivtitel erscheinen oder, ähnlich wie Indiana Jones and the Great Circle, später auch für andere Plattformen erscheinen. Die vollständigen Aussagen Howards dokumentiert IGN in seinem Artikel über das Interview.
Das Arkane-Problem: Redfall-Schatten und Xbox-Sparkurs
Die positive Rückmeldung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Howard selbst hatte zuletzt im März in einem anderen Interview über die langen Entwicklungszyklen bei The Elder Scrolls 6 gesprochen. Parallel dazu mehren sich Berichte über einen radikalen Xbox-Sparkurs. Bloomberg-Journalist Jason Schreier zeichnete ein düsteres Bild von Microsofts Gaming-Sparte: vier Entlassungswellen in zwei Jahren, geschlossene Studios wie Arkane Austin und Tango Gameworks. Der vollständige Bloomberg-Bericht beziffert die Verluste der Gaming-Sparte auf über 20 Milliarden Dollar in fünf Jahren bei gleichzeitigem Umsatzrückgang von einer halben Milliarde.
Die Lage ist brisant: Ausgerechnet Howards Aussage zur wirklich, wirklich großartigen Arbeit von Arkane Lyon steht im Kontrast zu den jüngsten Massenentlassungen bei Bethesda. Französische Brancheninsider warnen vor einer „riesigen Entlassungswelle“, die auch Bethesda-Studios treffen könnte. Eine Insider-Meldung von Insider Gaming spricht konkret von mindestens zwei Xbox-Studios, die Microsoft bis Ende 2026 schließen könnte – Arkane Lyon wäre von solchen Einschnitten besonders hart getroffen.
Konkurrenz aus Polen: The Blood of Dawnwalker als Maßstab
Ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, warum Marvel’s Blade langsam Taten folgen lassen sollte. The Blood of Dawnwalker von Rebel Wolves – entwickelt von Witcher-Veteranen um Konrad Tomaszkiewicz – erscheint bereits am 3. September 2026. Das Dark-Fantasy-Action-RPG bedient ein ähnliches Setting aus düsterer Atmosphäre und übernatürlichen Gegnern. Mit 1,5 Millionen Wunschlisteneinträgen hat der Titel bereits vor Release enormen Zulauf.
Marvel’s Blade fehlt dagegen bis heute nicht nur ein Release-Datum, sondern jedes konkrete Gameplay-Material. Der Teaser von 2023 zeigte ausschließlich cineastische Szenen von Blade in Paris. Wie Arkane das Setting spielerisch umsetzt – ob immersives Schleichen in Dishonored-Manier oder actionreicher Kampf mit den ikonischen Silberklingen – ist völlig offen.
Was die positive Rückmeldung wirklich wert ist
Howards Aussage ist ein gutes Zeichen, mehr aber auch nicht. Ein Publisher-Verantwortlicher, der öffentlich sagt, sein Studio mache schlechte Arbeit, käme einem Eingeständnis gleich. Dass Howard sich überhaupt äußert, zeigt zumindest, dass Marvel’s Blade nicht wie befürchtet auf Eis liegt. In einer Branche, in der Monoliths Wonder Woman und EAs Black Panther ersatzlos gestrichen wurden, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Wann zeigt Arkane Lyon, was es kann? Das Studio hat mit Dishonored 2 und Deathloop bewiesen, zu welchen kreativen Höchstleistungen es fähig ist. Der Redfall-Flop sitzt tief. Marvel’s Blade ist für Arkane Lyon nicht einfach ein weiteres Spiel – es ist die Chance auf Wiedergutmachung.