Marvel’s Blade ist laut Jeff Grubb „ziemlich weit fortgeschritten“, eine Enthüllung war noch für dieses Jahr geplant. Gleichzeitig berichtet The Verge, dass Microsoft das verantwortliche Studio Arkane Lyon schließen will – als Teil einer beispiellosen Kürzungswelle, die in wenigen Tagen losbrechen könnte. Ein Spiel, das Todd Howard im Mai gesehen und begeistert gelobt hat. Ein Studio, das mit Deathloop und Dishonored 2 bewiesen hat, was es kann. Und ein Konzern, der rechnet.
„Ziemlich weit“ – was Jeff Grubb über Blade gehört hat
Im aktuellen Giant Bombcast hat Jeff Grubb neue Details zum Stand von Marvel’s Blade ausgepackt – und die machen das Gesamtbild nur noch absurder. Das Spiel sei „ziemlich weit fortgeschritten“, Arkane Lyon wollte es „noch in diesem Jahr in irgendeiner Form vorstellen und vielleicht sogar nächstes Jahr veröffentlichen“. Eine Enthüllung 2026, ein Release 2027 – das klingt nach einem Projekt auf der Zielgeraden.
Doch dann kommt der Haken. Laut Grubb brauchte das Projekt „offenbar mehr Zeit, aber Xbox wollte dafür einfach nicht bezahlen“. Kein Qualitätsproblem also, sondern ein Budgetkonflikt. Statt dem Team die nötigen Monate zu geben, steht offenbar die ganze Operation zur Disposition.
Bloombergs Jason Schreier hat das 2027-Fenster unterdessen als legitim bestätigt – allerdings ohne „hundertprozentige Sicherheit“ zum Schicksal des Studios. Wie IGN unter Berufung auf The Verge zusammenfasst, wurde der ursprünglich für Ende 2026 geplante Release intern auf Ende 2027 verschoben, das Budget überschritten. Und genau diese Kombination könnte Arkane Lyon jetzt den Kopf kosten.
Todd Howard schwärmt, das Spreadsheet widerspricht
Die Ironie dieser Situation ist kaum zu ertragen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Interview mit Todd Howard publik, in dem der Bethesda-Chef über Marvel’s Blade spricht. Er habe das Spiel im Mai gesehen, die Arbeit von Arkane Lyon sei „wirklich, wirklich großartig“. Was genau er gesehen hat – Gameplay, Zwischensequenzen oder technische Demos – bleibt offen. Unsere Redaktion hat Howards vollständige Aussagen dokumentiert.
Aber das Lob aus der Führungsetage zählt nichts, wenn die Excel-Tabelle etwas anderes sagt. Xbox-CEO Asha Sharma hatte nach dem Showcase klargestellt: Drei Prozent Gewinnmarge, über 20 Milliarden Dollar Investitionen in fünf Jahren, eine halbe Milliarde Umsatzrückgang. „So kann es nicht weitergehen“, schrieb sie. Ein Analyst brachte es gegenüber IGN auf den Punkt: „Die Studios, die am stärksten gefährdet sind, glänzen beim Prestige und versagen im Spreadsheet.“
Arkane Lyon passt in dieses Raster perfekt. Deathloop war ein Kritikerliebling, Dishonored 2 ein Meisterwerk – aber Blockbuster-Zahlen hat keines der Spiele geschrieben. Jetzt, wo Microsoft jeden Dollar dreimal umdreht, reicht „wirklich, wirklich großartige Arbeit“ nicht mehr.
Fünf Studios auf der Kippe – und ein Datum im Nacken
Arkane Lyon ist nicht allein. Laut The Verge stehen auch Compulsion Games, Double Fine, Ninja Theory und Undead Labs auf der Schließungsliste. Die Studios könnten verkauft statt geschlossen werden – aber selbst ein Spin-off wäre kein Schutz vor Entlassungen. Unser Bericht zur drohenden Entlassungswelle zeigt das ganze Ausmaß: 435 Stellen sollen allein bei den betroffenen Studios wegfallen, erste Kündigungen ab dem 6. Juli.
Dass Microsoft diesen Weg konsequent geht, ist kein neues Phänomen. Arkane Austin und Tango Gameworks wurden schon im Mai 2024 geschlossen, Perfect Dark-Entwickler The Initiative folgte 2025, 9.000 Stellen fielen im Juli 2025 konzernweit weg. Wie unser Artikel zu 1666: Amsterdam belegt, streicht Microsoft selbst externen Partnern die Finanzierung – systematisch und ohne Vorwarnung.
Ein fast fertiges Spiel, ein fast totes Studio
Das Paradox dieser Woche lässt sich kaum schärfer formulieren: Marvel’s Blade ist spielbar, Todd Howard ist begeistert, eine Enthüllung war für 2026 geplant – und trotzdem könnte Arkane Lyon in den nächsten Tagen Geschichte sein. Nicht weil das Spiel schlecht ist. Sondern weil es zu spät und zu teuer wurde.
Das ist kein Einzelfall. Es ist die Logik eines Konzerns, der jahrelang Milliarden in Zukäufe gesteckt hat und jetzt feststellt, dass kreative Exzellenz und Quartalszahlen zwei verschiedene Sprachen sprechen. Die Branche schaut zu – und wenn Marvel’s Blade wirklich so gut ist, wie Howard und Grubb andeuten, wird dieser Juli als einer der bittersten Monate der Xbox-Geschichte in Erinnerung bleiben.