Die drei größten Speicherhersteller der Welt haben ein Problem – und zwar ein juristisches. Samsung, SK Hynix und Micron wurden Ende Juni vor einem Bundesgericht in Kalifornien verklagt, und der Vorwurf wiegt schwer: illegale Preisabsprachen bei DRAM, koordinierte Verknappung von DDR3 und DDR4, und zwar genau dann, als die Preise für eure Konsolen, Notebooks und Grafikkarten durch die Decke gingen. Die Sammelklage, eingereicht von privaten und gewerblichen Verbrauchern und gestützt auf Unterlagen, die Eurogamer vorliegen, zeichnet das Bild eines Marktes, der nicht etwa von Angebot und Nachfrage gesteuert wird – sondern von drei Unternehmen, die sich absprechen, statt zu konkurrieren. Das Besondere: Es ist nicht das erste Mal. Es ist das dritte.
Der Vorwurf: Koordinierte Verknappung, explodierende Preise
Die Klage wirft dem Trio vor, die Produktion von DDR3- und DDR4-Speicher gleichzeitig gedrosselt zu haben, während die Preise um bis zu 700 Prozent anzogen. Parallel verlagerten Samsung, SK Hynix und Micron ihre Kapazitäten massiv auf HBM-Module – jene Speicherchips, die in KI-Rechenzentren verbaut werden und dort ein Vielfaches dessen einbringen, was der Konsumentenmarkt zahlt. „Die DRAM-Oligopolisten haben gleichzeitig die Produktion gedrosselt, den Schwenk zu HBM und den Ausstieg aus DDR3 und DDR4 koordiniert“, heißt es in der Klageschrift wörtlich. „Während die Preise in atemberaubendem Tempo explodierten.“ Dass die RAM-Hersteller Valve bei der Steam Machine diktierten, was sie zahlen – und es keine Verhandlung gab, dokumentierten wir bereits im Detail.
Das Déjà-vu: 2005 zahlten sie Millionen – und machten einfach weiter
Was diese Klage von einer gewöhnlichen Sammelklage unterscheidet, ist die Vorgeschichte. Denn Samsung, SK Hynix und Micron haben genau das schon einmal gemacht. Im Jahr 2005 bezeichnete das US-Justizministerium die Absprachen als „internationale Verschwörung zur Preisabsprache auf dem DRAM-Markt“. Samsung zahlte 300 Millionen Dollar Strafe, SK Hynix 185 Millionen. Micron entging der Strafe – weil das Unternehmen mit den Ermittlern zusammenarbeitete. Und zwischen 2016 und 2018? Da ermittelte die chinesische Regierung erneut gegen alle drei wegen derselben Vorwürfe. Dass Lenovo auf der ISC 2026 verkündete, die RAM-Preise fielen „nie wieder“ auf das alte Niveau, setzt dem Ganzen die Krone auf.
Vom Mainboard bis zur PS6: Wer hier wirklich zahlt, seid ihr
Die Folgen dieser Marktverzerrung sind in jedem Preisschild sichtbar, das ihr aktuell seht. Die Xbox Series X kostet ab August 800 Dollar, Sony bestätigte Preiserhöhungen für PS5 und PS6, die Switch 2 zog nach, die Steam Machine startet bei über 1.000 Euro – und selbst Apple-Chef Tim Cook spricht von „unvermeidbaren Preiserhöhungen“. Die Klage argumentiert, dass die Verbraucher „die Auswirkungen eines verzerrten Marktes“ tragen, „der durch das Verhalten der DRAM-Oligopolisten lahmgelegt wurde“. Dass Sony bei der PS6 auf Frame Generation statt Rohleistung setzt, um die Kosten zu drücken, zeigt, wie tief die Krise sitzt.
Warum niemand einspringt – und warum das noch Jahre so bleibt
Die naheliegende Frage: Kann nicht einfach ein neuer Hersteller einspringen und den Markt öffnen? Die Klage hat darauf eine ernüchternde Antwort. Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren über 90 Prozent des globalen DRAM-Marktes und haben „Jahrzehnte an Betriebsgeheimnissen“ angehäuft. Hinzu kommen US-Exportkontrollen, die den Aufbau neuer Fertigungsstätten zusätzlich erschweren.
„Die praktische Konsequenz“, so die Klageschrift, „ist, dass kein Außenseiter die Produktion hochfahren kann, um sie zu unterbieten.“ Micron hat sich inzwischen komplett aus dem Consumer-Geschäft zurückgezogen – die Crucial-Sparte wurde faktisch eingestellt. Dass die Xbox Series X bald 800 Dollar kostet, ist nur das sichtbarste Symptom. Die RAMpocalypse, das zeigt dieser Rechtsstreit, ist kein Unfall. Sie ist ein Geschäftsmodell. Und das ist das Verstörendste daran.