Es ist dieser eine Tag, an dem die News schneller kommen, als man sie verdauen kann. Während wir über Compulsion Games geschrieben haben, über Undead Labs, über ein Xbox-Imperium, das sich in Echtzeit zerlegt, kommt eine Meldung nach der anderen rein – und die vielleicht perfideste betrifft zwei Studios, die eigentlich auf der Sonnenseite der Publishing-Welt stehen sollten. id Software und ZeniMax Online Studios sind nicht geschlossen worden. Aber sie werden eine signifikante Zahl an Mitarbeitern verlieren. Das berichtet Jason Schreier auf BlueSky, und die Nachricht trifft id Software zu einem Zeitpunkt, der grausamer nicht sein könnte.
Revelations erscheint heute und die Entlassungen kommen
Heute erscheint Revelations, die erste große Erweiterung für DOOM: The Dark Ages. 10 bis 12 Stunden Spielzeit, neue Umgebungen, die Chain Spear als frische Waffe – das Studio auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, das gerade den Beweis liefert, dass die DOOM-Reihe auch nach dem Legendär-Status von DOOM 2016 und DOOM Eternal noch Steigerungen verträgt. Und id Software muss trotzdem Leute entlassen. Nicht weil Revelations schlecht wird. Sondern weil irgendwo in einem Redmonder Konferenzraum ein Spreadsheet beschlossen hat, dass das nicht reicht.
Das ist keine Performance-Kritik. Das ist ein System, das funktionierende Studios dafür bestraft, dass sie Teil eines Konzerns sind, der sich übernommen hat.
Keine Schließung – aber ein zweiter Schlag binnen eines Jahres
ZeniMax Online Studios trifft es härter, als man auf den ersten Blick sieht. Das Studio hinter The Elder Scrolls Online erlebt bereits die zweite Entlassungswelle innerhalb von zwölf Monaten. Beim letzten Mal traf es das Team hinter dem eingestellten Blackbird-Projekt, diesmal sind die Einschnitte offenbar breiter angelegt. Dabei läuft ESO selbst alles andere als schlecht – die Einführung von Seasons, die Dragonknight-Überarbeitung, das Challenge-Difficulty-System. ZOS liefert kontinuierlich Content für ein MMO, das 2026 immer noch zu den aktivsten der Branche gehört.
Dass ausgerechnet id und ZOS heute bluten, zeigt, wie wahllos diese Welle tatsächlich ist. Das ist kein strategischer Befreiungsschlag, der schwache Studios aussortiert. Wie wir detailliert aufgeschlüsselt haben, ist Microsoft in den letzten Tagen über die Branche hergefallen – und dieses Muster zieht sich durch: Weder Erfolg noch Qualität schützen vor dem Rotstift.
Die 3.200-Frage: Wem gehört die Zukunft bei Xbox?
Wie GamesIndustry bestätigt, hat der heutige Tag 3.200 Mitarbeiter ihre Jobs gekostet. Fünf Studios wurden abgestoßen oder geschlossen, und selbst die, die offiziell „überleben“, sind nicht verschont. id Software und ZeniMax Online sind nicht tot – aber sie sind verwundet, und das zu einem Zeitpunkt, an dem sie ihre stärkste Phase seit Jahren erleben.
Die Ironie ist fast schon zynisch: DOOM: The Dark Ages erscheint heute mit einer Erweiterung, die das Spiel noch monatelang relevant halten soll. The Elder Scrolls Online bekommt diesen Sommer ein weiteres großes Update. Beide Studios arbeiten an dem, was Xbox von ihnen erwartet – und trotzdem reicht es nicht.