Stellt euch vor, ihr verkauft ein Auto und schreibt als erstes auf die Werbefläche: „Kein Airbag. Keine Klimaanlage. Kein Radio.“ Klingt bescheuert, oder? Genau das hat Activision gerade mit Call of Duty: Modern Warfare 4 gemacht. Auf Facebook, Instagram und Threads liefen übers Wochenende Anzeigen, die wortwörtlich damit werben, dass der neue CoD-Teil „Not on Xbox Game Pass this year“ ist. ResetEra-User CloseTalker hat sie entdeckt, Kotaku hat drüber berichtet – und jetzt sind sie wieder weg. Aber der Schaden – oder der Gewinn, je nach Perspektive – ist längst angerichtet. Dass Activision den Game Pass Verzicht als Kaufanreiz nutzt, ist die logische Konsequenz einer Strategie, die Microsoft seit Monaten fährt.
Die Aktion: „Not on Xbox Game Pass“ als Verkaufsargument
Die Anzeigen waren simpel gestrickt: Modern Warfare 4 bewerben, Pre-Order pushen – und dann der Satz, der wie ein Feature klingt, aber eigentlich ein Eingeständnis ist. „Not on Xbox Game Pass this year.“ Kein Kleingedrucktes, keine Einschränkung. Einfach nur: Holt es euch, denn im Abo gibt’s das nicht. Das Bemerkenswerte: Activision hat die Kampagne ganz offensichtlich bewusst geschaltet. Die Anzeigen liefen ab dem 27. Juni auf allen großen Meta-Plattformen, und sie wurden erst gestoppt, nachdem die Aufmerksamkeit zu groß wurde. Dass das Unternehmen genau wusste, was es tut, zeigt auch die Vorgeschichte. Microsoft hatte bereits vor Monaten klargestellt, dass Call of Duty nicht mehr am Launchtag im Game Pass erscheint. Dass Activision damit jetzt hausieren geht, ist der nächste logische Schritt.
Der Kontext: Game Pass verliert Millionen – und Microsoft rudert zurück
Man kann diese Anzeige nicht verstehen, ohne zu wissen, wie schlecht es dem Game Pass gerade geht. Microsoft hatte den Preis für Ultimate im Oktober 2025 von 17,99 auf 26,99 Euro erhöht – und dafür massiv Abonnenten verloren. Chief Strategy Officer Matthew Ball sprach öffentlich von „millions of subscribers“, die abgesprungen sind. Die Reaktion folgte im April 2026: Preissenkung auf 22,99 Dollar. Ein Hin und Her, das Vertrauen gekostet hat und das kein Abo-Dienst lange durchhalten kann.
Die Werbung für Modern Warfare 4 ist die direkte Folge dieser Krise. Wenn der Game Pass nicht mehr genug Abos generiert, um die Day One Verkäufe zu rechtfertigen, dann müssen die Spiele wieder einzeln verkauft werden. Und dann muss die Werbung genau das aussprechen, was vorher ein unausgesprochener Nachteil war. Dass der Xbox Game Pass massiv an Abonnenten verloren hat, während die CEO von Milliardengewinnen spricht, passt nahtlos in das Bild einer Plattform, die ihren Abo-Traum gegen die Wand gefahren hat.
Drittanbieter zittern, First-Party-Studios werden bestraft
Die Modern Warfare 4 Anzeige ist kein Einzelfall. Sie ist das sichtbarste Symptom eines viel tieferen Problems bei Microsofts Gaming-Sparte. Wie Branchenveteran Fernando Rizo im Business of Video Games-Podcast enthüllte, hat Xbox sämtliche Verhandlungen über neue Game Pass Deals mit Drittanbietern auf Eis gelegt – mitten in fortgeschrittenen Gesprächen. Arrowhead-CEO Shams Jorjani bestätigte, dass Entwicklern „der Teppich unter den Füßen weggezogen“ wurde.
Dass Microsoft eingefrorene Studios zur Rechenschaft zieht, weil sie Befehle befolgt haben, ist inzwischen dokumentiert. Und Moon Studios CEO Thomas Mahler legte nach: Xbox habe schlicht nicht verstanden, was ein gutes Spiel ausmache. In dieser Gemengelage ist die „Not on Game Pass“-Anzeige kein Betriebsunfall. Sie ist die logische Konsequenz einer Strategie, die von der Spitze bis zum Boden durchdekliniert wird: Call of Duty ist zu wertvoll, um es im Abo zu verschenken.
Nordkorea, Private Park und kein Game Pass: Was MW4 diesmal anders macht
Modern Warfare 4 erscheint am 23. Oktober für PC, PS5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2. Die Kampagne dreht sich um eine nordkoreanische Invasion Südkoreas – neuer Protagonist ist Private Park, der irgendwann auf Captain Price trifft, der sich nach seinem Bruch mit Task Force 141 auf einer eigenen Mission befindet. Infinity Ward setzt auf eine komplett offline spielbare Kampagne ohne Internetzwang – eine klare Ansage nach den enttäuschenden Singleplayern der letzten Jahre.
Wer vorbestellt, darf die Kampagne ab dem 16. Oktober spielen, eine Woche vor dem weltweiten Release. Ein Modell, das Activision seit Black Ops 6 nicht mehr genutzt hatte. Der Zusammenhang mit dem fehlenden Game Pass ist offensichtlich: Wer am Launchtag keine Alternative im Abo hat, muss kaufen. Und wer kauft, soll den Kauf nicht bereuen. Call of Duty gehört nicht mehr zum Game Pass. Und Activision hat verstanden, dass das kein Problem ist – sondern ein Verkaufsargument.


