Im Gespräch mit Entertainment Weekly zum 25. Geburtstag der Marke Xbox haben CEO Asha Sharma und CCO Matt Booty kräftig die PR-Trommel gerührt. Call of Duty sei größer als das Marvel Cinematic Universe, das Unternehmen besitze über 20 Milliarden-Marken – und eigentlich gehöre alles den Communities. Eine steile These, die vor dem Hintergrund der aktuellen Lage bei Microsofts Gaming-Sparte besonders schwer im Magen liegt.
Sharma und Booty: Milliarden-Franchises und Community-Nähe
Matt Booty eröffnete das Interview mit einer imposanten Zahl: Xbox besitzt „über 20 Marken mit einer Milliarde Dollar Lifetime-Umsatz“. Die Verantwortung sei ihm bewusst. Er sehe sich und das Team als „Verwalter dieser Marken, nicht die Eigentümer – denn eigentlich gehören sie den Communities.“
Eine bemerkenswerte Aussage – besonders wenn man sich die jüngste Geschichte von Xbox ansieht. Während Booty von Community-Nähe spricht, haben Berichte über bevorstehende Entlassungen und massiven Verlusten ein düsteres Bild gezeichnet. Microsofts Gaming-Sparte hat zuletzt bekannt gegeben, dass sie Studios schließt – während Sharma und Booty im Jubiläums-Interview die ganz große PR-Kelle schwingen.
Call of Duty als kulturelle Supermacht
Asha Sharma legte noch einen drauf: „Wenn man darüber nachdenkt, haben wir die Nummer-zwei-Show aller Zeiten auf Amazon [Fallout], Minecraft war Top 5 im Jahr 2025, Call of Duty ist größer als das Marvel Cinematic Universe.“ Der Vergleich ist geschickt gewählt – MCU-Filme haben seit 2008 über 30 Milliarden Dollar eingespielt. Call of Duty als Gesamtfranchise (Spieleverkäufe, Mikrotransaktionen, Werbung) liegt in ähnlichen Sphären.
Dass Sharma gleichzeitig betonte, man wolle „nicht der größte lineare Anbieter der Welt werden“, klingt nach einer Retourkutsche in Richtung Netflix und Disney. Aber die Botschaft ist klar: Xbox versteht sich nicht mehr nur als Konsolenhersteller, sondern als Entertainment-Konzern, der mit den ganz Großen mithalten will. Dass der Game Pass massiv Abonnenten eingebüßt hat, erwähnte sie nicht.
Gears of War: Filmadaption auf dem Vormarsch
Booty gab auch Details zum kommenden Gears of War Film preis, der von David Leitch (Bullet Train, The Fall Guy) inszeniert und von Jon Spaihts geschrieben wird. Die Handlung dreht sich um die Ursprünge des Delta Squads – beschrieben als „zusammengewürfelte Truppe von Soldaten, die einen verzweifelten Überlebenskampf gegen die Locust führen.“ Das Studio-Motto „Kämpfe niemals allein“ sei laut Booty die perfekte Grundlage für eine dramatische Erzählung. Der Film wird voraussichtlich frühestens 2028 in die Kinos kommen.
Halo: Keine neuen Pläne nach Paramount-Desaster
Auf die Frage nach einer möglichen neuen Halo-Adaption – nachdem die Paramount-Serie durchweg schlecht aufgenommen wurde – wich Booty aus. Man habe keine konkreten Pläne, aber Halo sei „eines der wichtigsten Franchises für Xbox“. Mehr als „ikonisch für Xbox“ und das Versprechen, „definitiv weiter zu investieren“, war nicht zu hören.
Das klingt nicht nach einer schnellen Rückkehr auf die Leinwand – aber immerhin sehen wir den Master Chief in diesem Jahr auf einer neuen Plattform: Halo Campaign Evolved ist das meistvorbestellte Spiel auf der PlayStation. Manchmal sagen Taten mehr als Worte.
Asha Sharma: Noch in der Lernphase
Die neue Xbox-CEO gab sich im Gespräch bescheiden. Sie sei noch dabei, „die Genialität der Künstler zu verstehen und was es braucht, um ein Spiel zu machen – und zwar nicht nur ein schönes Spiel, sondern eines, das tief in Charakteren und Welten steckt.“ Eine entwaffnend ehrliche Aussage für eine CEO, die einen der größten Gaming-Konzerne der Welt führt. Gleichzeitig wirft es die Frage auf: Wie viel Einfluss hat Sharma tatsächlich auf die aktuellen Entscheidungen – während Microsofts Gaming-Sparte in einer der schwersten Krisen ihrer Geschichte steckt?