Michał Nowakowski sagt etwas, das man von einem Spiele-CEO selten hört. Nicht: „Wir haben dazugelernt.“ Nicht: „Der Launch war lehrreich.“ Sondern: „Ich bin nicht zu 100 Prozent überzeugt, dass wir den kompletten Redemption-Arc durchlaufen haben.“ Der Co-CEO von CD Projekt Red räumt ein: Die Wunde, die Cyberpunk 2077 bei seinem Desaster-Launch 2020 gerissen hat, ist für manche Fans für immer offen. 35 Millionen Mal verkauft, Phantom Liberty gefeiert, Steam-Bewertungen bei 94 Prozent – und trotzdem nicht genug.
Das Ende der Redemption-Story, das keines ist
In einem Live-Interview auf der DevGAMM in Danzig, das GamesRadar veröffentlicht hat, sprach Nowakowski offen wie selten über die Folgen des katastrophalen Cyberpunk-Starts. „Ich bin überzeugt, dass wir das Vertrauen mancher Leute endgültig verloren haben“, sagte er. „Und das ist auch fair. Ich hoffe aber, dass wir es zurückgewinnen können – wenn nicht mit The Witcher 4, dann mit dem, was danach kommt.“ Das ist keine Floskel. Das ist ein CEO, der weiß, dass eine zertrümmerte PS4-Version und ein Aktienkurs im freien Fall Narben hinterlassen, die kein Patch der Welt heilt.
Die Cyberpunk 2077 Verkäufe von über 35 Millionen Einheiten zeigen zwar, dass der kommerzielle Schaden längst repariert ist. Aber Nowakowski unterscheidet zwischen Verkaufszahlen und Vertrauen – und das ist der Punkt.
Was vom Desaster übrig blieb: kampferprobte Veteranen
So negativ die Situation damals war – CDPR hat aus dem Scherbenhaufen etwas gemacht. Nowakowski beschreibt das Team nach der Krisenzeit als „erfahrene, kampferprobte Veteranen – Führungskräfte, die eine andere Art von Herausforderung auf ihren Schultern tragen konnten“. Dieser Satz ist entscheidend. Denn genau diese Erfahrung erlaubt dem Studio jetzt, was lange unmöglich schien: gleichzeitig an mehreren Großprojekten zu arbeiten.
Das CDPR Teamwachstum spricht Bände: Fast 500 Entwickler arbeiten an The Witcher 4, mehr als 100 am Cyberpunk-Nachfolger Project Orion, 190 am Witcher-3-DLC Songs of the Past (entwickelt von Fool’s Theory), plus das mysteriöse Project Hadar mit immerhin 24 Leuten. Ein Studio, das vor fünf Jahren noch ums Überleben kämpfte, koordiniert heute vier parallele Projekte.
Der neue Kurs: Mehr Spiele, aber nicht zu viele
CDPR hat einen Zehnjahresplan – aber keinen Plan, den Markt zu fluten. „Unser Traum ist es, mehr Spiele zu machen. Aber wir wollen nie das Studio werden, das jedes Jahr einen großen Titel raushaut“, sagt Nowakowski. Die Witcher 4 Entwicklung läuft seit Ende 2024 auf Hochtouren, ein Release Ende 2027 gilt als plausibel. Der Witcher Trilogie Zeitplan sieht sogar drei Teile innerhalb von sechs Jahren vor. Parallel arbeitet das Studio am Witcher 4 Trilogie-Plan, der so ambitioniert ist, dass selbst Erweiterungen für den vierten Teil als schwierig gelten.
Cyberpunk 2 hingegen wird noch länger brauchen: Branchenkenner rechnen nicht vor 2030 mit einem Release. Dass CDPR trotzdem noch PS5 Pro Support für das aktuelle Cyberpunk nachliefert, zeigt: Night City ist noch lange nicht abgeschrieben. Gleichzeitig macht Nowakowski klar, wo die Reise hingeht – und wo nicht: Die Zukunft von Cyberpunk 2077 liegt jetzt in Project Orion.