Aus CD Projekt wird CD Projekt Red. Die Muttergesellschaft, die bisher über dem Entwicklerstudio CD Projekt Red thronte, gibt ihren Namen auf. Ab soonto heißt das gesamte Unternehmen so wie das Studio, das die Spiele macht. Der Schritt klingt nach einer Randnotiz aus der Aktionärsversammlung – ist aber mehr als das. Denn er fällt in einen Moment, in dem sich CD Projekt selbst die Frage stellt, ob man nach Cyberpunk 2077 überhaupt schon wieder auf der Sonnenseite steht.
Das Rebranding ist der einfachste Schritt – der schwierige kommt noch
Die formelle Begründung des Management Boards lautet: „volle Markenkonsistenz und erleichterte Identifikation des Unternehmens mit seinen Produkten auf dem globalen Markt“. Übersetzt heißt das: Die Welt kennt CD Projekt Red, nicht CD Projekt. Warum also zwei Namen führen, wenn einer reicht? Dass CD Projekt bereits die nächsten Projekte wie Project Hadar plant, zeigt nur, dass das Studio wächst.
Trotzdem: Ein neuer Firmenschild ändert nichts daran, dass CD Projekt sich aktuell in einer der sensibelsten Phasen der Firmengeschichte bewegt. The Witcher 4 steht bevor, der Nachfolger zu Cyberpunk 2077 ist in Arbeit – und die Erwartungen sind nach dem katastrophalen Launch von 2020 maximal angespannt.
Nowakowski redet Klartext: Keine jährlichen Releases, keine IP-Flut
Co-CEO Michał Nowakowski stellte im selben Atemzug klar, was das Rebranding nicht bedeutet: einen Produktions-Turbo. „Wir wollen niemals zu dem Studio werden, das jedes Jahr ein großes Spiel rausbringt“, sagte er. Das könne passieren, sei aber nicht das Ziel. Stattdessen arbeite man mit einem „groben Zehn-Jahres-Plan“, der nicht darauf ausgelegt sei, den Markt mit CDPR-Titeln zu überfluten.
Die Botschaft ist eindeutig: CD Projekt will exklusiv bleiben. Keine fünf IPs parallel, kein Live-Service-Zwang, keine jährliche Abo-Fütterung. „Das „“Project Hadar“ und andere interne Projekte zeigen die geplante Wachstumsstrategie des Studios.
Die Cyberpunk-Wunde ist noch nicht verheilt
Nowakowski wurde auch in der Sache konkret, die CD Projekt seit fünf Jahren verfolgt: der Cyberpunk 2077 Launch. „Ich bin nicht zu 100 Prozent überzeugt, dass wir den vollständigen Redemption Arc durchlaufen haben“, räumte er ein. „Ich bin überzeugt, dass wir das Vertrauen einiger Leute für immer verloren haben, und das ist ein fairer Punkt.“
Das ist bemerkenswert ehrlich. Die meisten Publisher hätten nach Phantom Liberty und 35 Millionen verkauften Einheiten einfach den Haken dran gemacht und weitergemacht. CD Projekt sagt stattdessen öffentlich, dass man den Bogen noch nicht raus hat. Der kometenhafte Erfolg von The Witcher 3 zeigt zwar, dass das Studio es kann – aber ob die Geduld der Spieler für eine zweite Runde reicht, ist offen.
The Witcher 4, die Trilogie und die Expansions-Frage
The Witcher 4 steht für PC, PS5 und Xbox Series X/S in den Startlöchern, allerdings ohne Release-Datum. Nowakowski bestätigte den Plan, eine Trilogie neuer Witcher-Spiele innerhalb von sechs Jahren zu veröffentlichen – und ließ gleich die nächste Bombe platzen: Erweiterungen zu The Witcher 4 „sind schwierig“.
Das klingt nach einem pragmatischen Kalkül: Statt teurer Addons, die die Entwicklung eines Hauptteils ausbremsen, lieber den nächsten Vollpreis-Titel nachschieben. Was das für die Trilogie-Planung bedeutet, haben wir bereits eingeordnet.