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Games

Ein KI-Studio macht 40 Prototypen pro Woche – CD Projekt Red Chef Michał Nowakowski sagt: „Nicht mein Weg“

CD Projekt Red Co-CEO Michał Nowakowski äußert in einem EDGE-Interview Zweifel an vollständig KI-generierten Spielen. Er hält sie für technisch möglich, aber nicht für den richtigen Weg – und reiht sich damit neben Take-Two Chef Zelnick und Palworld-Entwickler Pocketpair in die Riege der KI-Skeptiker ein. CD Projekt Red selbst nutzt KI nur in Produktivitätsbereichen, nicht für kreative Kernarbeit.

Michael Stadlbauer
von Michael Stadlbauer
23.06.26
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Lesezeit: 4 Min.
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Ein Studio-Chef, der von einem anderen Entwickler hört, dass der 40 Prototypen pro Woche aus dem KI-Generator spült und drei Wochen später ein Spiel launcht – und dann sagt: „Nee, danke.“ Genau das ist Michał Nowakowski, Co-CEO von CD Projekt Red, passiert. Seine Reaktion darauf ist eine der klarsten Positionsbestimmungen zur generativen KI, die ein großer Spieleentwickler bislang abgegeben hat. Und sie kommt genau richtig.

Das steckt im Artikel
  • Ein Studio-Chef, der auf die Bremse tritt
  • Die Haltung von CD Projekt Red zu KI – kein Nein, aber ein klares Jein
  • Die Branche ist gespalten – und Nowakowski steht auf der richtigen Seite
  • Der richtige Kurs in einer unsicheren Zeit

Ein Studio-Chef, der auf die Bremse tritt

Im Gespräch mit dem EDGE-Magazin, aufgegriffen von GamesRadar, schildert Nowakowski eine Begegnung, die wie aus einer anderen Branche klingt. Ein Studio-Gründer prahlt vor ihm: „Ich leite ein überwiegend KI-basiertes Studio. Ich kann innerhalb einer Woche 40 Prototypen haben, zwei Wochen später habe ich fünf Spiele, die ich als die besten ausgewählt habe, und drei Wochen später bringe ich tatsächlich ein Spiel auf den Markt.“

Nowakowskis Antwort darauf ist kein empörter Gegenangriff, sondern eine nachdenkliche Skepsis: „Vielleicht wird das erfolgreich sein, aber ich habe einige Zweifel, ob das wirklich der richtige Weg ist.“ Dieser Satz ist so bemerkenswert, weil er nicht aus Ignoranz kommt – sondern aus Erfahrung. CD Projekt Red hat mit The Witcher 3 und Cyberpunk 2077 bewiesen, dass sie wissen, wie man Spiele mit Tiefe und erzählerischem Gewicht baut. Fast 500 Entwickler arbeiten aktuell an The Witcher 4, und der Zeitplan für eine gesamte Trilogie innerhalb von sechs Jahren ist so ambitioniert, dass das Studio auf Erweiterungen verzichten muss. KI als Abkürzung? Nicht mit Nowakowski.

Die Haltung von CD Projekt Red zu KI – kein Nein, aber ein klares Jein

Nowakowski hatte sich schon im Dezember 2025 während eines Earnings Calls zur KI-Frage geäußert. Schon damals war die Positionierung klar: CD Projekt Red setzt KI in „Produktivitätsbereichen“ ein, aber nicht für kreative Arbeit. Er stellte klar: „Wir stellen keine klassischen IT-Leute ein – aber ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, wo Entlassungen direkt auf KI zurückzuführen wären.“

Der entscheidende Satz kam am Ende: „KI wird nicht The Witcher 5 oder 6 machen oder so etwas in der Art.“ Das ist kein Luddismus – das ist Realismus. CD Projekt Red hat verstanden, dass generative KI ein Werkzeug ist, kein Ersatz für Autorenschaft, Spieldesign oder künstlerische Vision. In einer Branche, in der Crystal Dynamics nach der erzwungenen Steam-Offenlegung zugeben musste, dass KI in der Entwicklung zum Einsatz kam, und Embark Studios KI-Stimmen nach massiver Kritik neu aufnehmen musste, ist das eine wohltuend klare Ansage.

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Die Branche ist gespalten – und Nowakowski steht auf der richtigen Seite

Während einige Studios KI als Heilsbringer feiern, formiert sich Widerstand von unerwarteter Seite. Strauss Zelnick, CEO von Take-Two, nannte die Vorstellung, KI könne einen Hit wie Grand Theft Auto 6 erschaffen, „einfach lächerlich“. Und Palworld-Entwickler Pocketpair hat angekündigt, generativ KI grundsätzlich nicht zu nutzen, mit der Begründung: „Spieler wollen das nicht.“

Kurz gefragt
Was ist generative KI in der Spieleentwicklung?
→ Generative KI bezieht sich auf Algorithmen, die eigenständig neue Inhalte erstellen können – von Texturen über Dialogzeilen bis hin zu kompletten Level-Prototypen. Anders als klassische prozedurale Generierung (wie in Minecraft oder No Man's Sky) lernt generative KI aus bestehenden Daten und imitiert diese Muster, was ethische Fragen zu Urheberrecht und Arbeitsplätzen aufwirft.

Nowakowskis Skepsis reiht sich also ein in einen wachsenden Konsens unter etablierten Entwicklern: KI kann beschleunigen, aber sie ersetzt nicht, was ein Spiel besonders macht. Das ist keine Technologiefeindlichkeit – es ist ein Bekenntnis zum Handwerk. In seiner Analyse des Gesprächs mit dem KI-Studio-Chef betont Nowakowski, dass der „Kampf um Aufmerksamkeit härter ist als je zuvor“. Aber, so sein Gegenargument: „Solange du eine frische Idee hast, mit einer Seele, mit Substanz, hast du eine echte Chance auf Erfolg.“ Eine Seele lässt sich nicht prompten.

Der richtige Kurs in einer unsicheren Zeit

CD Projekt Red ist kein Unternehmen, das sich gegen Innovation stellt. Die Arbeit an Project Hadar, einem komplett neuen Franchise, zeigt, dass das Studio bereit ist, Risiken einzugehen. Und 500 Entwickler an The Witcher 4 zeigen, wie viel dem Studio an Qualität liegt. Aber die Devise lautet offenbar: Menschen zuerst, Algorithmen second.

Nowakowskis „Zweifel“ sind kein Bremsmanöver – sie sind ein Kompass. In einer Branche, die gerade panisch jeden Trend mitnimmt, tut es gut, einen Studio-Chef zu hören, der sagt: „Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.“ Vielleicht ist genau das die klügste Haltung von allen.

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vonMichael Stadlbauer
Gaming befindet sich in einem ständigen Wandel, und ich bin hier, um ihn einzuordnen. Bei pixelcritics.com hinterfrage ich Trends, analysiere Design-Entscheidungen und suche das Besondere in der Flut an Neuerscheinungen. Meine Vorliebe gilt dabei oft dem Unkonventionellen: Wenn ein Spiel abseits ausgetretener Pfade neue narrative oder spielerische Wege geht, hat es meine volle Aufmerksamkeit.
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