Zwischen sieben Jahren Funkstille und zahllosen Remastern liegt eine schmerzliche Wahrheit: Final Fantasy 16 kam 2023, Dragon Quest 11 bereits 2017 – und von einem Nachfolger fehlt noch immer jede Spur. Doch damit soll bald Schluss sein. Im Zuge des aktuellen Geschäftsberichts hat Square Enix angekündigt, dass die hauseigenen Entwicklungsabläufe grundlegend überarbeitet werden. Das Ziel klingt ambitioniert: künftig in regelmäßigeren Abständen neue Hauptableger der großen Franchises liefern zu können, ohne dabei die Qualität zu opfern. Ein Spagat, der dem japanischen Riesen einiges abverlangen dürfte.
Vom Remaster-Zyklus zur Blockbuster-Frequenz
Dass Square Enix in den vergangenen Jahren zwischen den großen Würfen vor allem auf HD-2D-Remakes, mobile Ableger und kleinere Projekte gesetzt hat, war kein Zufall – es war Notwendigkeit. Die Entwicklung eines Triple-A-Rollenspiels dieser Größenordnung verschlingt heute nicht nur mehr Geld als je zuvor, sondern auch Zeit. Final Fantasy 16 brauchte rund sieben Jahre nach Final Fantasy 15, und Dragon Quest 12: The Flames of Fate hält die Community seit seiner Ankündigung 2021 mit beunruhigender Stille hin.
Square Enix plant nun, diesen Kreislauf aufzubrechen. Über die Verbesserungen der Entwicklungsabläufe habe man „stetige Fortschritte“ gemacht, heißt es im Bericht, um einen Rahmen zu schaffen, der „qualitativ hochwertige Titel mit höherer Regelmäßigkeit“ ermöglicht. Ein zentraler Hebel dabei: der vollständige Umstieg auf eine Multiplattform-Strategie, anstatt wie bisher auf Exklusiv-Deals zu setzen. Wer wissen will, wie herausfordernd dieser Kurswechsel sein kann, wirft einen Blick auf die Entwicklung von Final Fantasy 7 Remake Part 3, das parallel für etliche Plattformen geschmiedet wird.
Dragon Quest 12: Ein Hoffnungsschimmer am Horizont
Während Square Enix die großen Pläne schmiedet, zeichnet sich speziell bei der Dragon-Quest-Reihe Bewegung ab. Serienschöpfer Yuji Horii hat einen Livestream für den 27. Mai angekündigt, in dem das „nächste Spiel“ der Reihe vorgestellt werden soll. Ob es sich um Dragon Quest 12 handelt, ließ er offen – aber die Zeichen stehen gut. Zumal sich Horii zuletzt optimistisch zur Switch 2 Kompatibilität des Titels äußerte. Auch wenn die Entwicklung von DQ12 turbulent verlief – der leitende Produzent Yu Miyake trat im April 2025 zurück, und immer wieder gab es Verzögerungen – scheint das Projekt nun langsam Form anzunehmen. Bis dahin müssen sich Fans mit Dragon Quest 1 & 2 HD-2D Remake und der Dragon Quest 10 Expansion 8.0 ab Juni begnügen. Mehr zur ambitionierten Frost-Erweiterung des Schwester-MMOs verrät unsere Vorschau zu Final Fantasy 14: Evercold.
Was die Strategie für die Zukunft bedeutet
Qualität vor Quantität nach hinten losgehen zu lassen, ist in der Spieleindustrie nicht schwer. Square Enix versucht, beides unter einen Hut zu bringen – und das mit einem fundamentalen Kurswechsel: weg von Exklusivitätsdeals, hin zu einer Plattformoffenheit, die Final Fantasy, Dragon Quest und Co. künftig auf so vielen Systemen wie möglich erscheinen lässt. Dass Final Fantasy 7 Rebirth am 3. Juni auf Nintendo Switch 2 und Xbox Series X/S kommt, ist der erste sichtbare Schritt dieser neuen Ära. Ob sich die kürzeren Entwicklungszyklen in den fertigen Produkten niederschlagen oder doch der nächste Triple-A-Brocken wieder sechs Jahre auf sich warten lässt, wird sich zeigen. Aber die Zeichen stehen besser als seit Jahren.