Künstliche Intelligenz kann vieles – aber kann sie ein Spiel wie Grand Theft Auto 6 erschaffen? Strauss Zelnick, Chef von Take-Two Interactive, hat auf diese Frage eine sehr klare Antwort parat. Und die fällt deutlich schärfer aus, als man es von einem Konzernlenker erwarten würde. Wer glaubt, KI sei die große Bedrohung für die Spielebranche, wird von Zelnick eines Besseren belehrt – mit einer Direktheit, die keine Interpretationsspielräume lässt.
„Lächerlich“ – Zelnicks Urteil über KI als Spieleentwickler
In einem Interview sprach der Take-Two-CEO über Googles Projekt Genie, ein KI-gestütztes Werkzeug, das einfache interaktive Erlebnisse von bis zu 60 Sekunden Länge generieren kann. Zelnick räumte ein, dass die Ergebnisse auf den ersten Blick wie bekannte Spieltitel aussehen mögen – er nannte dabei NBA 2K, EA Sports FC und Red Dead Redemption als Beispiele. Doch zwischen dem bloßen Aussehen eines Spiels und dem tatsächlichen Erschaffen einer interaktiven Welt liege ein gewaltiger Unterschied. Das sei, so Zelnick, „ein völlig anderes Tier und erfordert menschliches Engagement und Kreativität.“ Die Idee, dass KI-Werkzeuge jemandem ermöglichen könnten, mit einem Knopfdruck einen Hit zu erzeugen, ihn zu vermarkten und weltweit Millionen von Menschen zu erreichen – das sei schlichtweg „eine lächerliche Vorstellung“. Stärker kann man sich kaum positionieren.
Assets sind nicht alles – und Hits schon gar nicht
Zelnick differenziert dabei durchaus: KI könne bei der Erstellung von Spielressourcen – sogenannten Assets – nützlich sein. Allerdings sei das Problem nicht der Mangel an verfügbaren Assets, sondern die Fähigkeit, daraus etwas Bedeutungsvolles zu erschaffen. Tausende Mobile-Spiele erscheinen jährlich, aber echte Hits zählen sich an einer Hand ab. Ob ein Asset per Knopfdruck oder in sechs Wochen manuell entsteht – am Ende sei es schlicht ein Asset. Was einen Hit ausmacht, sei damit nicht beantwortet. Die Marktreaktion auf KI-Entwicklungen habe ihn daher überrascht: Viele sahen darin eine Bedrohung für etablierte Spieleentwickler, dabei seien Kreativwerkzeuge historisch gesehen stets förderlich für die Branche gewesen – nicht destruktiv.
GTA 6 und die Frage nach der Zielgruppe
Abseits des KI-Themas äußerte sich Zelnick auch zur Frage, ob die gewachsene, nun berufstätige Fangemeinde von Grand Theft Auto überhaupt noch Zeit für ein derart monumentales Open-World-Spiel findet. Seine Antwort war gelassen: Take-Two entwickle Spiele für alle Zielgruppen, und wer mit GTA IV oder Grand Theft Auto V aufgewachsen sei, werde auch mit Grand Theft Auto 6 bestens zurechtkommen. Gleichzeitig zeigt er sich überzeugt, dass auch eine jüngere Generation ohne Vorwissen direkt einsteigen kann – Vorkenntnisse der früheren Teile seien kein Pflichtprogramm. Grand Theft Auto 6 erscheint für PS5 und Xbox Series X|S, ein PC-Release wurde bislang weder von Rockstar Games noch von Take-Two Interactive offiziell angekündigt. Zelnick und sein Team setzen ganz offensichtlich auf menschliche Schaffenskraft – und die lässt sich eben nicht automatisieren.
