Subnautica 2 hat seinen zweiten Early Access Hotfix erhalten. Der Patch bufft die Silber- und Troilit-Spawns, entschärft Hammerheads und behebt einige fiese Bugs. Der eigentlich spannende Teil steht aber ganz unten in den Patch Notes: Unknown Worlds hat die Terms of Service und die Privacy Policy überarbeitet – als direkte Reaktion auf den EULA-Skandal, der den Steam-Release überschattete. Ob die Änderungen reichen, um das angeknackste Vertrauen zurückzugewinnen, ist eine andere Frage.
- Silber für die Massen, Hammerheads mit Orientierungsproblemen – die Gameplay-Änderungen
- Telemetrie abschaltbar, ToS überarbeitet – aber wie tief geht die Reparatur?
- Kraftons langer Schatten – und warum jeder Patch unter Beobachtung steht
- Zwei Millionen Taucher, eine Roadmap – und ein Studio im Überlebensmodus
Silber für die Massen, Hammerheads mit Orientierungsproblemen – die Gameplay-Änderungen
Subnautica 2 hatte seit dem Early-Access-Launch am 14. Mai ein Silber-Problem. Wer in den ersten Stunden eine Fabricator-Ausrüstung bauen wollte, verzweifelte regelmäßig an der Ressourcen-Knappheit – ein Balance-Problem, das auf unzureichendes Playtesting hindeutet. Der zweite Hotfix adressiert das direkt: In der Early-Game-Region wurden zusätzliche Silber-Ressourcenflächen hinzugefügt, und auch Troilite taucht jetzt häufiger im Late Game auf.
Die zweite große Baustelle betraf die Hammerheads. Die aggressiven Unterwasserraubtiere folgten dem Tadpole – dem Erkundungs-U-Boot – bis zur Spielerbasis und lungerten dort bedrohlich herum. Schuld war ein Bug, der die Tiere übermäßig auf die Lichter des Tadpole reagieren ließ. Der Hotfix entschärft diese Anziehung, Hammerheads bleiben jetzt in ihren Jagdgebieten.
Darüber hinaus stopft der Patch einige ärgerliche Löcher:
- Teleport-Bug: Spieler wurden beim Erkunden mit dem Tadpole gelegentlich unvermittelt zur Basis zurückteleportiert
- Unendlicher Sauerstoff: Ein Exploit, der nach Tod durch Hunger/Durst im Tadpole auftrat
- Multiplayer-Abstürze: Crashes beim Verbindungsabbruch und zufällige Abstürze in der Late-Game-Region
- Epic-Performance: Die höchsten Grafikeinstellungen laufen jetzt spürbar stabiler – ein wichtiger Schritt für ein Unreal-Engine-5-Spiel, das mit üppigen Unterwasser-Shadern arbeitet
Telemetrie abschaltbar, ToS überarbeitet – aber wie tief geht die Reparatur?
Der erste Hotfix hatte es bereits angekündigt, der zweite liefert nun: Unknown Worlds hat die Terms of Service und die Privacy Policy überarbeitet. Die revidierten Sektionen umfassen unter anderem die „Ownership“-Klausel und „Player-Submitted Content“ – genau die Abschnitte, die den EULA-Skandal beim Launch ausgelöst hatten.
Zur Erinnerung: Die ursprüngliche EULA enthielt Klauseln, die Krafton das vollständige Eigentum an allen Mods zusprachen, ein VPN-Verbot verhängten und eine Reputationsklausel einbauten, die es Spielern untersagte, dem „Ruf“ von Krafton oder Subnautica 2 zu schaden. Dazu kamen ein Schadensersatz-Deckel von 50 Dollar, Zwangsschlichtung und umfassende Datensammel-Befugnisse – inklusive IP-Adresse, E-Mail, Postanschrift und Telefonnummer für Werbezwecke.
Die jetzt revidierten Sektionen – Preamble, Limited License, Gameplay Videos, Prohibited Uses, Ownership, Section Title, Player-Submitted Content, Limitation of Liability, Transfer of Terms and Conditions – decken viele dieser Kritikpunkte ab. Ob die Änderungen kosmetischer Natur sind oder echte Zugeständnisse, bleibt unklar: Unknown Worlds stellt keine Vorher-Nachher-Aufstellung bereit.
Immerhin: Die Telemetrie ist jetzt im Einstellungsmenü abschaltbar, und ein In-Game-Hinweis macht neue Spieler darauf aufmerksam – aktuell nur auf Englisch, die Übersetzung folgt im nächsten Patch. Der Haken: Es handelt sich um ein Opt-out, nicht um Opt-in. Standardmäßig ist die Datensammlung also weiterhin aktiviert. Im Kontext der Datenschutz-Bedenken, die die Steam-Bewertungen in den Keller trieben, ist das ein zaghafter Schritt.
Kraftons langer Schatten – und warum jeder Patch unter Beobachtung steht
Dass die EULA-Änderungen so zögerlich kommen, hat einen handfesten Grund: Unknown Worlds und Publisher Krafton befinden sich mitten in einem erbitterten Rechtsstreit. Ein Gericht in Delaware hatte im März 2026 die Entlassung der Studiogründer Ted Gill, Charlie Cleveland und Max McGuire für unrechtmäßig erklärt. Der Richter stellte fest, dass Krafton das Beschäftigungsabkommen gebrochen und die operative Kontrolle widerrechtlich übernommen hatte.
Der eigentliche Skandal liegt tiefer: Eine Bonuszahlung von bis zu 230 Millionen Euro stand im Raum, die bei Überschreiten einer Umsatzschwelle fällig geworden wäre. Als interne Projektionen zeigten, dass ein Early-Access-Launch bis Ende 2025 diese Summe auslösen würde, startete Krafton-Chef Changhan Kim laut Gerichtsdokumenten das interne „Project X“ – einen Plan, die Gründer loszuwerden. Selbst ChatGPT wurde konsultiert, riet aber lapidar, die Bonuszahlung werde sich kaum verhindern lassen.
Zwei Millionen Taucher, eine Roadmap – und ein Studio im Überlebensmodus
Trotz aller Kontroversen: Subnautica 2 ist ein Verkaufsschlager. Zwei Millionen Exemplare in der ersten Woche, fünf Millionen Steam-Wunschlisteneinträge vor Launch – die Zahlen belegen, wie sehr die Community auf den Koop-Ableger gebrannt hat. Der Vier-Spieler-Koop und die Unreal Engine 5 waren die großen Zugpferde.
Die Roadmap verspricht mit Update 1.1 Sprint-Funktion, Lager-Caches und Balancing-Verbesserungen, mit Update 1.2 Sprachchat, Emotes und ein Handelssystem. Das Studio plant mindestens zwei Jahre Early Access – ein langer Atem, den der Vorgänger mit Bravour bewies. Subnautica 1 wuchs im Early Access zu einem der besten Survival-Spiele überhaupt heran.
Ob Subnautica 2 diesen Weg wiederholen kann, hängt von zwei Faktoren ab: Kann Unknown Worlds die kreative Kontrolle gegen Kraftons Zugriff verteidigen? Und kann der Reparaturprozess – sowohl technisch als auch juristisch – schnell genug vorankommen, bevor die Community das Vertrauen verliert? Der zweite Hotfix ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein zaghafter. Ob ihm größere folgen, entscheidet sich nicht im Ozean von 4546B, sondern in den Gerichtssälen von Delaware.


