Ubisoft steckt in einer der turbulentesten Phasen seiner Geschichte. Entlassungen, gestrichene Projekte, interne Kritik und ein wachsender Vertrauensverlust beim Publikum – die Liste der Baustellen ist lang. Und doch meldet sich nun ein anonymer Mitarbeiter des Unternehmens zu Wort, der trotz allem eine überraschend nüchterne Einschätzung der Lage teilt. Seine Worte sind weder eine Verteidigung noch eine Kapitulation – sondern etwas, das in dieser Debatte seltener wird: ehrlicher Pragmatismus.
Versagen im Management, Konsequenzen für die Teams
Der anonyme Mitarbeiter, der gegenüber dem Branchenportal GameFile gesprochen hat, spart nicht mit Kritik an der Führungsebene. Das Kernproblem sei die mangelnde Fähigkeit, wiederkehrende Entwicklungsprobleme überhaupt zu erkennen – geschweige denn zu beheben. Niemand habe für diese strukturellen Fehler Verantwortung übernommen. Die Folgen tragen stattdessen die Entwicklungsteams: interne Umstrukturierungen, aufgelöste Abteilungen und letztlich Entlassungen. Das obere Management hingegen komme ungeschoren davon. Diese Beobachtung deckt sich mit dem, was Gewerkschaftsvertreter von Ubisoft Paris ebenfalls öffentlich geäußert haben – darunter der Vorwurf der Vetternwirtschaft und einer fehlenden Diversität in Entscheidungspositionen, die in einer kreativen Industrie besonders schwer wiegt.
Vom Publikum, den eigenen Leuten und den Märkten abgestraft
Was den Mitarbeiter besonders bewegt, ist die Gleichzeitigkeit der Kritik aus mehreren Richtungen. Ubisoft sei beim Publikum nach einem Jahrzehnt enttäuschender Veröffentlichungen in Ungnade gefallen, bei vielen eigenen Entwicklern wegen jahrelangem Missmanagement unbeliebt und an den Märkten wegen schwacher strategischer und finanzieller Planung unter Druck. Im Februar traten mindestens 1.200 Mitarbeiter in den Streik – ein Zeichen dafür, dass die interne Stimmung einen Tiefpunkt erreicht hat. Dass Gewerkschaftsvertreter öffentlich die Kündigung von CEO Yves Guillemot fordern und dessen Handeln als Verrat bezeichnen, unterstreicht, wie zerrissen das Unternehmen von innen wirkt. Und dennoch lautet das Fazit des anonymen Mitarbeiters nicht: „Ubisoft ist erledigt.“
Die neue Struktur der Kreativhäuser – ein Neuanfang mit Substanz?
Im Januar hat Ubisoft einen sogenannten umfassenden Neustart angekündigt und seine Marken auf fünf eigenständige Kreativhäuser verteilt. Vantage Studios verantwortet künftig unter anderem Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six, während ein weiteres Haus kompetitive und kooperative Shooter wie Ghost Recon, The Division und Splinter Cell betreut. Der anonyme Mitarbeiter sieht in dieser Neustrukturierung durchaus Potenzial: Die neue Aufstellung sei explizit darauf ausgerichtet, vergangene Probleme zu adressieren, und das Management zeige eine neu entflammte Dringlichkeit, Innovationen zu unterstützen. Das gebe Grund zur Hoffnung – nicht zur Euphorie, aber zur vorsichtigen Zuversicht.
Hoffnung trotz allem: Warum ein Comeback nicht ausgeschlossen ist
Mit Blick auf die Absage des Prince of Persia: The Sands of Time Remake und weiterer Projekte sowie den angekündigten Kostensenkungsmaßnahmen bleibt das Bild widersprüchlich. Doch der Mitarbeiter bleibt dabei: Bei aller Frustration auf allen Seiten sei es zwar schwer vorstellbar, aber keineswegs ausgeschlossen, dass Ubisoft wieder einen großen Erfolg landen kann. Diese Einschätzung ist keine Schönfärberei – sie ist die Meinung von jemandem, der die Strukturen von innen kennt und trotzdem nicht die Flinte ins Korn wirft. Ob die Kreativhäuser das halten, was sie versprechen, wird sich an den nächsten großen Releases zeigen müssen.
Glaubst du, dass Ubisoft mit seiner neuen Struktur tatsächlich den Turnaround schaffen kann – oder hat das Unternehmen zu viel Vertrauen verspielt, um noch einmal an frühere Erfolge anzuknüpfen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!