CD Projekt Red und Studio Trigger kehren zur Anime Expo zurück. Genau ein Jahr nach der offiziellen Ankündigung von Cyberpunk: Edgerunners 2 gibt es am 3. Juli 2026 den ersten echten Blick auf die zehn neuen Folgen – und zwar in der Crypto.com Arena in Los Angeles, nicht irgendwo im kleinen Panel-Raum. Regisseur Kai Ikarashi, Showrunner Bartosz Sztybor und Executive Producer Saya Elder werden dabei sein. Die Botschaft ist klar: Night Citys nächstes Anime-Kapitel ist kein Nebenprojekt.
Eine rohe Chronik von Erlösung und Rache – was wir über die Handlung wissen
Die offizielle Synopsis, die Netflix und CD Projekt Red zur Ankündigung 2025 veröffentlichten, setzt den Ton unmissverständlich: „David ist tot. Aber Night City lebt weiter.“ Edgerunners 2 ist eine eigenständige, zehn Folgen umfassende Geschichte – kein Sequel zu David Martinez‘ Tragödie, sondern ein neuer Blickwinkel auf dieselbe gnadenlose Stadt.
Sztybor beschreibt das Projekt als „eine rohe, echte Chronik von Erlösung und Rache – etwas, das wir so noch nie gemacht haben.“ Auf der letztjährigen Anime Expo legte er mit dem für ihn typischen Galgenhumor nach: „Wenn Leute traurig sind, bin ich ein bisschen glücklich.“ Der Pole mit Hugo-Award fügte hinzu, die Serie werde „natürlich trauriger, aber auch düsterer, blutiger und roher“ als der Vorgänger.
Was konkret hinter diesen Worten steckt, ist das große Fragezeichen, das der 3. Juli auflösen soll. Bekannt ist bisher nur:
- Eine komplett neue Besetzung – keine Rückkehrer aus Staffel 1
- Zehn Episoden, produziert von Studio Trigger für Netflix
- Schauplatz bleibt Night City, das Cyberpunk-2077-Universum
- Der Ton soll „realistischer“ und „erdiger“ sein als S1
„Redemption and revenge“ als thematischer Kern ist allerdings eine Prämisse, die in Night City nicht gerade Neuland darstellt. Cyberpunk 2077s Main-Story, Davids ganzer Arc in S1, selbst Phantom Liberty – alle kreisten um genau diesen Dualismus. Die Frage ist weniger, ob Sztybor das Rad neu erfindet, sondern ob er es anders genug zum Drehen bringt.
Warum Edgerunners 2 eine komplett neue Besetzung braucht
Dass Trigger und CDPR nicht versuchen, David Martinez zurückzuholen, ist die einzig richtige Entscheidung. Sein Ende in Staffel 1 – von Adam Smasher auf dem Dach des Arasaka-Towers zerfetzt, nachdem er Lucy gerettet hat – ist einer der emotionalsten Anime-Abschlüsse der letzten Jahre. Eine Rückholaktion würde nicht nur billig wirken, sie würde das Fundament unter S1 wegreißen.
Stattdessen positioniert sich „Edgerunners“ als Anthologie-Reihe: Night City als Bühne, auf der verschiedene Tragödien spielen. Der Name „Edgerunners“ wird zum Markendach – vergleichbar mit „American Horror Story“ oder „True Detective“, nur im Cyberpunk-Universum. Das erlaubt Trigger maximale kreative Freiheit: neue Figuren, neue Milieus, neue Formen des Scheiterns.
Die Kehrseite: Viele Fans hofften insgeheim auf Lucys Rückkehr, auf einen Epilog zum Mond-Trip, auf lose Enden. Wer mit dieser Erwartung in den 3. Juli geht, wird enttäuscht werden. Der offizielle Teaser, der 2025 auf Netflix erschien, war unmissverständlich: „David is dead.“ Punkt.
Project Orion, Crossover-Flut und Triggers volle Pipeline
Edgerunners 2 kommt zu einem strategisch interessanten Zeitpunkt. CD Projekt Red steckt mit Project Orion – dem Cyberpunk-2077-Nachfolger – noch in der Vorproduktion. Ein Boston-Studio unter der Leitung von Paweł Sasko, der aus den Fehlern des 2077-Launches gelernt haben will, arbeitet an einer komplett neuen Stadt, die sich angeblich wie „Chicago, aber falsch“ anfühlen soll.
Edgerunners S1 war 2022 der perfekte Sturm: Das Spiel war nach 18 Monaten Patching endlich stabil, die Anime-Adaption brachte eine Million tägliche Spieler zurück nach Night City und katapultierte Cyberpunk 2077 auf über 100.000 gleichzeitige Steam-Spieler – von einem Tiefstand um 15.000. Ein solcher Sync-Effekt mit Project Orion ist unmöglich: Das Spiel erscheint frühestens 2028 oder 2029, der Anime wahrscheinlich Ende 2026 oder im Laufe von 2027.
Und dann ist da noch die Crossover-Offensive: Wuthering Waves bekommt 2026 eine Edgerunners-Kollaboration, Guilty Gear Strive hatte diesen Sommer einen Edgerunners-Gastauftritt, und der Manga „Cyberpunk: Edgerunners Madness Volume 1″ erweitert das Universum auf Papier. CDPR fährt eine aggressive Markenstrategie – und riskiert dabei den schmalen Grat zwischen „Universumsbau“ und „Verwässerung“.
Studio Trigger selbst hat parallel „The Lenticulars“ von Regisseur Akira Amemiya in der Pipeline und verfolgt einen ambitionierten 10-Jahres-Plan für parallele Produktionen. Dass Edgerunners 2 Priorität hat, zeigt der Crypto.com-Arena-Slot – aber die Ressourcenfrage stellt sich trotzdem.
