Hellblade 2 war in acht Stunden durchgespielt. Das erste Hellblade sogar noch schneller. Ninja Theory hat aus diesen kompakten, intensiven Erlebnissen eine Identität des Studios gemacht – kurze Spiele, die lieber zweimal wirken als einmal langweilen. Jetzt soll Schluss damit sein: Auf Twitter bestätigte das Studio, dass Senua „ein gutes Stück länger“ wird als beide Vorgänger. Der dritte Teil der Reihe verlässt das cineastische Kammerspiel und wird zum vollwertigen Action-Adventure.
Wie viel länger genau? Das Studio lässt die Zahl bewusst offen
Konkrete Stundenzahlen nennt Ninja Theory nicht. Das ist nachvollziehbar – Senua erscheint 2027, die Entwicklung läuft, und Spielzeitangaben in dieser Phase sind notorisch unzuverlässig. Aber die Wortwahl ist präzise: ein gutes Stück länger, also kein marginaler Zuwachs, sondern ein spürbarer Sprung.
Zur Einordnung: Hellblade: Senua’s Sacrifice dauerte etwa sechs bis sieben Stunden, Hellblade 2 rund acht. Wenn Senua spürbar länger wird, reden wir realistisch von zwölf bis fünfzehn Stunden – auf dem Niveau eines God of War von 2018, nicht eines Rollenspiels mit 60 Stunden Umfang. Die größere Welt soll dabei linear bleiben, setzt aber auf stärker miteinander verbundene Schauplätze und mehr Raum zum Erkunden. Keine offene Welt, aber kein enger Korridor mehr.
Dass das Studio überhaupt über Spielzeit spricht, ist bemerkenswert. Bei der Enthüllung von Senua auf dem Xbox Games Showcase stand das Kampfsystem im Vordergrund – der Verzicht auf den Namen Hellblade, die Fokusfähigkeiten, die größere spielbare Welt. Dass jetzt die reine Länge nachgelegt wird, zeigt: Ninja Theory weiß, dass Hellblade 2 für viele zu schnell vorbei war, und will mit Senua keine Zweifel mehr an der Wertigkeit aufkommen lassen.
Mehr Kampf, mehr Optionen und weniger Frust
Die Ankündigung bestätigt, was der erste Trailer bereits andeutete: Senua kann jetzt zwei Waffen gleichzeitig führen, Gegner aus der Distanz attackieren und neue Fähigkeiten im Kampf entfesseln. Das sind keine kosmetischen Ergänzungen, sondern die direkte Konsequenz aus der massivsten Kritik an Hellblade 2: zu wenig Spiel, zu viel Film. Die Analyse von GamingBolt zitiert das Twitter-Statement von Ninja Theory, wonach Senua das Kampfsystem grundlegend ausbaut und deutlich mehr taktische Freiheit bietet.
Gleichzeitig verspricht das Studio explizit Bosskämpfe – ein Element, das Hellblade 2 fast komplett fehlte. Der Trailer deutet eine Konfrontation mit einer Figur aus Senuas Vergangenheit an, und die Rohdaten beschreiben Gegner, die „aus ihren Erinnerungen gezogen“ werden. Für ein Spiel, dessen Kern seit jeher die Verarbeitung von Traumata ist, verspricht das erzählerisch dichte Begegnungen, die über reine Kampfherausforderungen hinausgehen.
Das sind gute Nachrichten für alle, die nach dem Enhanced Update für Hellblade 2 mit 60 FPS zwar technisch zufrieden waren, aber spielerisch hungrig blieben. Der Sprung von „visuell überwältigend, aber interaktiv enttäuschend“ zu „vollwertiges Action-Adventure“ ist genau das, was das Studio liefern muss.
Zwischen Leben und Tod: Der Plot setzt neue erzählerische Hürden
Inhaltlich steckt Senua zwischen den Reichen der Lebenden und der Toten fest und versucht, den Weg ins Jenseits zu finden. Das klingt nach einer düsteren Variante des klassischen Heldenabstiegs – aber mit einem entscheidenden Unterschied: Die Gegner speisen sich aus ihren eigenen Erinnerungen. Die Psychose, die Hellblade 1 so eindringlich gemacht hat, wird damit zur Waffe gegen sie selbst.
Damit verschiebt sich das erzählerische Gewicht. Hellblade 1 und 2 waren im Kern Charakterstudien – die Welt existierte als Projektion von Senuas Innenleben. Senua klingt nun nach einer Reise mit klareren äußeren Zielen und einer greifbareren Bedrohung. Ob die Stimmen im Kopf dabei mehr sind als atmosphärische Untermalung, werden die kommenden Monate zeigen müssen.
Dass Ninja Theory Project Mara endgültig zu den Akten gelegt hat, unterstreicht den Einsatz: Das gesamte Studio mit rund 85 Entwicklern arbeitet an Senua. Es gibt kein Parallelprojekt mehr, auf das man im Zweifel ausweichen könnte. Das ist mutig, aber riskant – scheitert Senua, scheitert Ninja Theory.