Bluepoint Games hat mit Demon’s Souls und Shadow of the Colossus zwei der beeindruckendsten Neuauflagen der vergangenen Konsolengeneration geliefert – Arbeiten, die das Studio zu einem der angesehensten Remake-Schmieden der Branche gemacht haben. Und dennoch wird es im März 2026 nicht mehr existieren. Ein intern verfasstes Schreiben von PlayStation-Studios-Chef Hermen Hulst ist nun teilweise an die Öffentlichkeit gelangt und wirft ein grelles Licht auf die Beweggründe hinter einer Entscheidung, die in der Gemeinschaft für blankes Unverständnis sorgt.
Lob für 2025 – und dennoch das Aus für Bluepoint
Das durchgesickerte Schreiben trägt eine eigentümliche Spannung in sich: Hulst eröffnet mit einem ausdrücklichen Lob für die Erfolge des vergangenen Jahres. Ghost of Yotei, Death Stranding 2: On the Beach, die anhaltende Zugkraft von Helldivers 2 und MLB The Show – all das wird als Beleg für die Stärke von PlayStation Studios angeführt. Unmittelbar darauf folgt jedoch die ernüchternde Wendung: „Gleichzeitig agieren wir in einem zunehmend herausfordernden Branchenumfeld.“ Steigende Entwicklungskosten, verlangsamtes Wachstum der gesamten Spielebranche, verändertes Nutzerverhalten und wirtschaftliche Gegenströmungen nennt Hulst als die wesentlichen Triebkräfte hinter Sonys Sorgen. Die Schließung von Bluepoint sei eine direkte Konsequenz daraus – vorgesehen für März 2026. Das Studio selbst bezeichnet er dabei als „unglaublich talentiertes Team“, das über die Jahre „außergewöhnliche Erlebnisse“ geschaffen habe. Für viele Beobachter klingt das weniger nach Erklärung und mehr nach Widerspruch in sich.
Ein Studio ohne ein einziges Spiel als Sony-Tochter
Der eigentliche Stachel steckt im Verborgenen: Bluepoint Games wurde 2021 von Sony übernommen – ein Jahr nach dem hochgelobten Demon’s Souls-Remake für die PlayStation 5. Was folgte, war kein weiteres Meisterwerk, sondern ein Projekt, das nie das Tageslicht erblickte. Berichten zufolge arbeitete das Studio nach der Übernahme an einem Spiel mit Mehrspieler-Ausrichtung, das im Januar 2025 gestrichen wurde. Die darauffolgenden zwölf Monate verbrachten die Entwickler damit, neue Konzepte zu erarbeiten und Sonys Führung zu präsentieren – ohne Ergebnis. Bluepoint schließt also, ohne als Sony-Studio auch nur ein einziges Spiel veröffentlicht zu haben. In der Gemeinschaft ist die Reaktion eindeutig: „Was für eine Verschwendung eines hochtalentierten Studios“, lautet einer der meistzitierten Kommentare auf Reddit.
Mehr als 70 Stellen fallen weg – und viele suchen bereits eine neue Stelle
Die menschliche Dimension dieser Entscheidung ist schwer zu übersehen. Hulst schreibt im Memo, man werde versuchen, einige der betroffenen Mitarbeiter in anderen Bereichen des Konzerns unterzubringen – wie viele das sein werden, lässt er offen. Auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn haben bereits mehr als ein Dutzend aktuelle Bluepoint-Mitarbeiter öffentlich bekundet, dass sie nach neuen Möglichkeiten suchen – darunter Art Director Mark Skelton sowie zahlreiche erfahrene Künstler, Produzenten und Ingenieure. Das entspricht mehr als 20 Prozent der zuletzt bekannten Belegschaft. Bluepoint ist dabei kein Einzelfall: Seit 2024 hat Sony bereits Neon Koi und den Concord-Entwickler Firewalk geschlossen sowie in zahlreichen weiteren Studios Stellen abgebaut. Der einstige Kurs hin zu Live-Service-Spielen hinterlässt ein Trümmerfeld, dessen Ausmaß mit jeder neuen Meldung deutlicher wird.