Die Debatte um First-Person versus Third-Person flammt erneut auf, während CD Projekt RED am Nachfolger zu Cyberpunk 2077 arbeitet. Creative Director Igor Sarzyński meldete sich jüngst via Bluesky zu Wort und verdeutlichte seine Präferenz für die bestehende Perspektive: „Ich muss zugeben, Cutscenes in diesem Spiel aufzubauen wäre extrem angenehm, weil alles umwerfend aussieht – aber letztendlich schätze ich unsere ununterbrochene Immersion mehr.“ Diese Aussage dürfte Fans, die sich seit Jahren einen Third-Person-Modus wünschen, enttäuschen. Sarzyński postete alte Fotos aus der Phantom Liberty-Entwicklung, die das visuelle Potenzial kinoreifer Dritte-Person-Szenen demonstrieren, betonte jedoch, dass das Team dem Eintauchen in die Spielwelt höhere Priorität einräumt. Eine Stellenausschreibung von 2025 für einen Senior Gameplay Animator deutete bereits auf First-Person-Fokus hin – bestätigen will CD Projekt RED die Entscheidung aber noch nicht offiziell.
First-Person als philosophisches Fundament von Night City
Cyberpunk 2077 unterscheidet sich fundamental von vielen AAA-RPGs durch seine konsequente First-Person-Perspektive. Während Titel wie The Witcher 3 oder Assassin’s Creed cineastische Third-Person-Cutscenes zelebrieren, erlebt man Night City nahezu ausschließlich durch Vs Augen. Diese Designentscheidung war von Anfang an polarisierend – manche Spieler empfinden sie als klaustrophobisch, andere als beispiellos immersiv. Sarzyński verteidigte diese Philosophie gegenüber einem Nutzer, der behauptete, die Präsentation „limitiere das Interesse von Leuten, die Third-Person bevorzugen“: „Wenn etwas für jeden ist, dann ist es für niemanden. Es ist okay, nicht mit unseren Entscheidungen zu vibrieren!“ Diese kompromisslose Haltung signalisiert, dass CD Projekt RED bereit ist, eine Zielgruppe zu alienieren, um eine spezifische Vision zu realisieren.
Stellenausschreibungen und Entwickleraussagen als Puzzle-Teile
Die Indizien verdichten sich. 2023 erklärte Quest Director Paweł Sasko noch, das Team habe nicht entschieden, ob das Sequel First-Person sein würde. Cut to 2025: Eine Job-Ausschreibung für einen Senior Gameplay Animator deutete auf First-Person-Gameplay hin, was viele als faktische Bestätigung interpretierten. Sarzyńskis jüngste Bluesky-Posts verstärken diesen Eindruck, wenngleich er sich bewusst nicht final festlegt. Die Pre-Production startete im Mai letzten Jahres, und CD Projekt RED plant, seine Teams über die nächsten zwei Jahre zu skalieren. Project Orion – der Codename für Cyberpunk 2 – befindet sich noch in frühen Phasen, theoretisch wäre eine Kurskorrektur möglich. Realistisch betrachtet deutet jedoch alles auf eine Fortsetzung der First-Person-Philosophie hin, möglicherweise mit minimalen Third-Person-Momenten für Charakteranpassung oder spezielle Szenen.
Immersion versus Präsentation: Eine Gratwanderung
Sarzyńskis Kommentare werfen fundamentale Game-Design-Fragen auf. Kinematische Third-Person-Cutscenes bieten dramaturgische Möglichkeiten, die First-Person kaum erreichen kann: Kameraführung, die Emotionen verstärkt; Etablierung räumlicher Beziehungen; Fokussierung auf Körpersprache. Cyberpunk 2077s Entscheidung für First-Person eliminiert diese Werkzeuge zugunsten von „Präsenz“ – dem Gefühl, physisch in Night City zu existieren. Diese Präsenz hat ihren Preis: Spieler investieren Stunden in die Charaktererstellung, sehen ihren Avatar aber außerhalb von Spiegeln und Fahrzeugsequenzen kaum. Kritiker argumentieren, dies unterminiere Rollenspielelemente. Befürworter kontern, dass gerade diese Reduktion die emotionale Bindung an V intensiviere. Sarzyńskis Statement – „alles sieht umwerfend aus“ in Third-Person – zeigt, dass das Team sich der visuellen Verlockung bewusst ist, aber bewusst dagegen entscheidet.
Community-Reaktionen und die Zukunft von Project Orion
Die Cyberpunk-Community bleibt gespalten. Während Hardcore-Fans die First-Person-Orthodoxie feiern, fordern andere zumindest eine optionale Third-Person-Ansicht wie in Starfield. Sarzyńskis „Es ist okay, nicht zu vibrieren“-Kommentar könnte als arrogant missverstanden werden, reflektiert aber eine legitime Designphilosophie: Nicht jedes Spiel muss universellen Appeal anstreben. CD Projekt RED hat aus dem katastrophalen Cyberpunk 2077-Launch gelernt – die Frage ist, ob sie auch aus The Witcher 3s Erfolg mit Third-Person-Perspektive lernen. Mit potenziell noch Jahren bis zur Veröffentlichung bleibt Zeit für Kursanpassungen, doch die ideologische Positionierung lässt wenig Spielraum. Project Orion wird vermutlich eine weitere „hochgradig immersive Erfahrung“ mit „sporadischen Glimpsen des kreierten Charakters“ – Sarzyńskis Worte deuten darauf hin, dass die Philosophie Bestand haben wird.