Mit Where the Seeds Fall wagt der japanische Publisher Cygames einen mutigen Vorstoß ins Plattform-Genre und bringt das Action-Adventure am 5. November in den Handel. Statt wie üblich steile Gipfel zu erklimmen, stürzt ihr euch hier kopfüber in die Tiefe. Als desertierter Soldat begleitet ihr ein geheimnisvolles Kind auf einem lebensgefährlichen Pfad bergab, während unter euch eine verseuchte Welt lauert.
Jede Kante ein Risiko und kein Netz für falsches Timing
Die meisten Action-Adventures zwingen euch nach oben, lassen euch Türme erklimmen oder mühsam Berggipfel abgrasen. Where the Seeds Fall dreht diese Formel radikal um und macht den Sturzflug zum eigentlichen Nervenkitzel. Ihr steht an brüchigen Holzbalken in Schwindel erregender Höhe, blickt in einen bodenlosen Abgrund und müsst den Moment erwischen, in dem der rettende Vorsprung unter euch nicht wegbricht. Jeder Sprung verlangt exakte Präzision, denn die Physik verzeiht keinen Zentimeter zu viel Schwung.
Zusätzliche Hektik bringen plötzliche Sturmböen ins Spiel, die eure Flugbahn gnadenlos verreißen und millimetergenaues Gegensteuern fordern. Bröckelndes Gestein gibt unter den Stiefeln sofort nach, sobald ihr zögert, während morsche Balken schon beim ersten Bodenkontakt bedrohlich splittern. Wer hier unüberlegt drauflos hechtet, sieht die Spielfigur im freien Fall zerschellen, bevor überhaupt der nächste Checkpoint in Sichtweite rückt. Diese ständige Zwangslage aus Schwerkraft und schwindenden Standflächen bestimmt den Takt, verlangt aber auch ein genaues Auge für die Umgebung.
Der Weltenbaum brennt und die Zeit läuft unbarmherzig ab
Kulisse dieses riskanten Abstiegs ist ein gigantischer Weltenbaum, der den letzten Überlebenden der Menschheit als Zuflucht dient, nachdem eine Fäulnis namens Blight die Erdoberfläche unbewohnbar gemacht hat. Mitten in dieser sterbenden Holzfestung stößt der kriegsmüde Soldat auf ein verirrtes Kind, das seiner verstorbenen Tochter verblüffend ähnlich sieht. Statt auf der sicheren Krone zu verharren, widersetzt er sich seinen Befehlen und tritt mit dem Mädchen im Schlepptau den halsbrecherischen Weg in Richtung Boden an.
Das Zusammenspiel der beiden Figuren soll dabei keineswegs zur trägen Eskort-Mission verkommen. Während ihr gefährliche Abgründe überwindet, müsst ihr Schalterrätsel lösen und das Kind über tückische Passagen bugsieren, ohne dabei den eigenen Rhythmus zu verlieren. Die Spielwelt belohnt mutige Abkürzungen und verzeiht keine Panik, wenn brüchige Plattformen unter dem Doppelgewicht nachgeben.
Entwickler CygamesEdge legt spürbar wenig Wert auf gemütliches Erkunden, was vor allem das integrierte Bewertungssystem am Ende jedes Abschnitts unterstreicht. Eine gnadenlose Abrechnung stuft eure Durchläufe nach verbrauchter Zeit, genommenen Risiken und sauberen Landungen ein. Highscore-Jäger und Speedrunner erhalten damit direkt zum Start handfeste Anreize, denselben Abgrund dutzende Male zu wiederholen, um die perfekte Flugkurve zu finden. Dieser Fokus auf Bestzeiten verleiht dem Titel einen spürbaren Arcade-Puls, wirft aber auch Fragen zur langfristigen Ausrichtung des neuen Studios auf.
Neues Studio und offene Fragen abseits von Sonys Konsole
Hinter dem Projekt steht CygamesEdge, ein frisch gegründetes Label des japanischen Branchenriesen Cygames, der vor allem für Mobile-Hits und aufwendige Rollenspiele bekannt ist. Mit dem neuen Sublabel will das Unternehmen offenbar kleinere, mechanisch fokussierte Titel ausprobieren, die sich abseits des typischen Anime-Mainstreams bewegen. Der Vorstoß wirkt mutig, zeigt aber auch die typischen Eigenheiten japanischer Veröffentlichungsstrategien. Bislang ist Where the Seeds Fall ausschließlich für PlayStation 5, PC und die Nintendo Switch 2 bestätigt, während Besitzer einer Xbox Series X/S vorerst komplett in die Röhre schauen.
Ob das halsbrecherische Sprungkonzept über die gesamte Spielzeit trägt oder sich nach einigen Levels abnutzt, entscheidet sich am 5. November. Die Mischung aus Schwindelgefühl, punktgenauem Timing und düsterem Weltenbaum-Szenario bringt jedenfalls genug Eigenständigkeit mit, um aus dem Einheitsbrei der Action-Adventures hervorzustechen. Wenn Steuerung und Physik bis zum Herbst sitzen, könnte Cygames hier ein echter Geheimtipp für Reaktionskünstler gelingen.
